CD-Review: Die Roten Rosen - Wir warten auf's Christkind

Besetzung

Campino "Judas Inocenti" - Gesang
Andreas "Johannes der Säufer" von Holst - Gitarre
Michael "King Scratch Salomon" Breitkopf - Gitarre
Andreas "Cardinal Mendoza" Meurer - Bass
Wolfgang "Herr Rohdes" Rohde - Schlagzeug
Vom "Vom The Baptist" Ritchie - Schlagzeug

Tracklist

01. Ave Maria
02. Stille Nacht, heilige Nacht
03. Ihr Kinderlein kommet
04. Oh Tannenbaum
05. Merry X-Mas Everybody
06. Weihnachtsmann vom Dach
07. Auld Lang Syne
08. The Little Drummer Boy
09. Leise rieselt der Schnee
10. Alle Jahre wieder
11. Frohes Fest
12. White Christmas
13. Weihnachten bei den Brandts
14. Hark! The Herald Angels Sing
15. We Wish You A Merry Christmas
16. In Dulci Jubilo
17. Happy X-Mas (War Is Over)
18. Jingle Bells
19. I Wish It Could Be Christmas Every Day
20. Still, still, still


Elf Jahre vergingen bis sich die Düsseldorfer Die Toten Hosen 1998 abermals als DIE ROTEN ROSEN aufmachten, um das Land mit Coverversionen zu beglücken. Wo auf „Never Mind The Hosen – Here’s die roten Rosen“  ausschließlich deutsche Schlager verarbeitet wurden, legt „Wir warten auf’s Christkind“ den Fokus hauptsächlich auf bekannte Weihnachtslieder. Bis auf Platz vier kletterte das Album vor 17 Jahren in den deutschen Charts. Aber ist das Release so langlebig wie die namensgebende Fernsehsendung, die mehrere Jahrzehnte zu Heiligabend im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde?

Sicher erinnert sich der ein oder andere noch an den depressiven „Weihnachtsmann vom Dach“, der sich ganz ohne Romantik auf dem Dachboden einer fiktiven Familie mit dem Strick das Leben nahm. Weitere Erfolge waren das britische „Auld Lang Syne“, das im Deutschen eher als „Nehmt Abschied Brüder“ bekannt ist und „Still, still, still“, welches von Jamba seiner Zeit zur Untermalung des besoffenen Elchs verwendet wurde. Letzteres ist ebenfalls das einzigste Stück in dem nicht Sänger Campino am Mikro steht, sondern Gitarrist Andreas von Holst. Neben zwei neuen Songs („Weihnachtsmann vom Dach“, „Weihnachten bei den Brandts“) und einer neu aufgenommenen B-Seite („Frohes Fest“) stehen allerlei Klassiker, die glücklicherweise nicht nur stupide mit Punkrock unterlegt wurden. Auch textlich hat man an einigen Feinheiten geschraubt und so lädt man in „Ihr Kinderlein kommet“ den Nachwuchs zum Kiffen in Bethlehems Stall ein oder intoniert „Oh Tannenbaum“ aus der Sicht eines Mannes, der ein oder zwei Gläser Glühwein zu viel zu sich genommen hat. „Leise rieselt der Schnee“ wird mit einem Drogenexzess und verspultem Gesang eingeläutet, bevor es an rockiger Fahrt aufnimmt und insgesamt drei verschiedene Tempi verzeichnen kann. Besonders zu erwähnen sei noch „White Christmas“, das nach einem Acappella-Intro in Ska übergeht. „In Dulci Jubilo“ vereint Chorgesang und Orgelklänge in sich, bevor es urplötzlich im Punk erblüht. Die Produktion übernahm der bandeigene Produzent Jon Caffery , der 22 Jahre lang für fast alle Alben der Toten Hosen zuständig war und gewohnte Qualität anbietet.

Mit „Wir warten auf’s Christkind“ veröffentlichten die DIE ROTEN ROSEN ein Album, dass von der Mischung aus humoristischen Elementen und eigenen tragikomischen Stücken lebt. Der Spaßfaktor besteht vor allem in der musikalisch untypischen Herangehensweise an Weihnachtsklassiker und den Mut das heilige Fest mit unheiligen Themen zu bestücken. Trotzdem ist es auch ein ernstzunehmendes Rockalbum mit weihnachtlicher Thematik, das sich fernab vom Prädikat peinlich bewegt. Qualität liefern die Düsseldorfer sowieso. Auch 2015 ist dieses Release jedem zu empfehlen, der den typischen Kitsch der Weihnachtszeit nicht verträgt.

Bewertung: 8 / 10

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