CD-Review: Edguy - Vain Glory Opera

Besetzung

Tobias Sammet - Gesang
Jens Ludwig - Gitarre
Dirk Sauer - Gitarre
Tobias "Eggi" Exxel - Bass
Dominik Strauch – Schlagzeug

Tracklist

01. Overture
02. Until We Rise Again
03. How Many Miles
04. Scarlet Rose
05. Out Of Control
06. Vain Glory Opera
07. Fairytale
08. Walk On Fighting
09. Tomorrow
10. No More Foolin’
11. Hymn


1998 war ein Jahr mit Höhen und Tiefen des deutschen Metals, Blind Guardian brachten mit Nightfall in Middle Earth ein Meisterwerk der Musik heraus, aber ansonsten war das Jahr eher mau. Helloweens Better Than Raw war durchwachsen und die Mannen um Kai Hansen legten eine kreative Album-Pause ein. Im hessischen Fulda jedoch produzierten fünf junge Männer ihr drittes Studio-Album, welches bis heute der Meilenstein ihrer Karriere ist. Vain Glory Opera ist die Emanzipation Edguys zu einer Band mit einem eigenen Stil.

Das Werk beginnt mit einem anderthalb minütigen Intro, welches, für Edguy-Verhältnisse, düster angehaucht ist und sehr schön aufs Album einstimmt.
Mit „Until We Rise Again“ startet das Album dann richtig mit einem hervorragenden Double-Base Hammer, der zu Beginn schnell wie ein Presslufthammer auf den Hörer einschlägt, sich dann in einen sehr schön aufgebauten Refrain steigert und mit Double Base Passagen in ein Gitarren Solo übergeht . „How Many Miles“ ist, an dritter Stelle auf dem Longplayer platziert, ein eher schwächerer Song, der nicht sehr eingängig ist und von seinem Up-Tempo lebt, sehr dynamisch, aber weniger melodiös, und daher eher durchschnittlich.

Nach den zwei schnelleren Songs steht mit „Scarlet Rose“ die erste Ballade auf dem Programm und zusammen mit „Land of the Miracle“ ist es die Killer-Ballade überhaupt aus dem Hause Edguy. Sammet beweist mit diesem eigentlich zuerst vollkommen unmetallisch klingenden Song, der teils mit E-Gitarre, teils mit einer akustischen Gitarre unterlegt ist, seine gesanglichen Fähigkeiten, die auch in ruhigeren Stücken hervorragend sind. Zum Refrain hin erfolgt ein sehr guter Spannungsaufbau, indem zum ersten Mal die Drums einsetzen und der Song etwas dramatisches bekommt, bis er wieder musikalisch mit dem weiteren Einsetzen der Akustischen Gitarre abflacht nur um in ein E-Gitarren Solo mit anschließendem Höhepunkt zu münden.

Das etwas düstere „Out of Control“ ist mein persönlicher Edguy Lieblingssong, der auch auf jedem Konzert den Abschluss stellt. Hier kann man auch Blind Guardians Hansi Kürsch, sowie Stratovarius Gitarren – und Kaballa – Mann Timo Tollki, zum ersten Mal auf dieser CD hören. Vielleicht ist die Kraft und Außergewöhnlichkeit seiner Stimme (im Kontrast zu Sammets Stimme) das, was „Out of Control“ zu einem der besten deutschen Metal Songs macht. Das hohe Niveau wird gehalten und mit Nummer sechs folgt mit „Vain Glory Opera“ die Titelhymne. Der Anfang des 6 Minuten Songs wird mit Fanfaren und galoppierenden Gitarrenriffs eingeleitet, und wie der Name es verspricht, hat der Hörer es hier mit einem abwechslungsreichen, Metal-opernhaften Stück Musik zu tun, das Sammets kompletten musikalischen und songwriterischen Fähigkeiten zeigt und mit dem wiederholten Einsatz von Hansi Kürschs Stimme verfeinert wird.

Nach diesen beiden großartigen Songs ist es schwer das Niveau so hoch zu halten und so ist es auch bei „Fairytale“ der Fall. Hier fällt der oft zitierte Kritik Punkt des „Tralala – Metals“ stark ins Gewicht, da dieser Song einfach nichts anderes als ein solcher ist und keinen eigenen Charakter besitzt. Auch „Walk On Fighting“ besitzt dieses Problem, wenn auch nicht im gleichen Ausmaß wie der vorherige Song. Aber wieder plätschert der Song nur vor sich hin, ohne Höhepunkte, aber auch ohne Tiefpunkte mit einem diesmal eher sperrigen Refrain, der stark mit Double Base unterlegt wurde.

Nach diesen zwei Schwachpunkten steigt das Niveau in Form einer weiteren Ballade wieder. Inhaltlich kann man „Tomorrow“ teils mit der eigenen Bandgeschichte vergleichen. Ein junger Adler, der auf dem Weg des erwachsen Werdens ist, geht seinen eigenen Weg, durch eine Welt voller Lügen. Genauso wie der Adler haben Edguy mit diesem Album ihren eigenen Weg gefunden und sind musikalisch „erwachsen“ geworden.

„No More Foolin’“ ist in Punkto Härte und Double Base Arbeit der große Bruder von „Nailed To Wheel“ vom letzten Studio Album Mandrake und genau das Gegenteil zur vorherigen Ballade. Vor 6 Jahren passte dieser Song nicht ins Bild der melodischen Happy-Metaller, heutzutage ist es der Vorläufer von dem eben genannten „Nailed To Wheel“ und den schon hörbaren Stücken vom neuen Album „Hellfire Club“ wie „Mysteria“.

Das Cover des Ultravox Disco Hits „Hymn“ stellt den Abschluss der CD dar. Diese Umsetzung ist schneller, metallischer (wen wundert’s?!) und vor allem besser zum Mitsingen geeignet als die Ultravox Variante. Absolut brilliantes Metal-Cover zum Abschluss eines sehr hochwertigen Albums.

Fazit: Vain Glory Opera stellt das bisherige Highlight in der Karriere der Fulderaner dar. Zum ersten Mal überzeugen Edguy mit einem eigenen Gesicht und mit eigenen Zügen, weg vom Metal á la Helloween, hin zum Power Metal mit `ner Menge Kraft und großartigen Balladen. Die Steigerung zu den beiden vorherigen Silberlingen ist beeindruckend. Kritiker, die Edguy eine Verpoppung vorwerfen, sollten hier ‚reinhören und sich eine ordentliche Meinung bilden, denn das hier ist das Meisterwerk der Band.

(Ben)

Bewertung: 9 / 10

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