Hört man sich durch die frühe Phase von ELDER ist man immer wieder überrascht, wie doomig und heavy die Truppe um Mastermind Nick DiSalvo zu Beginn ihrer Karriere klang. Davon ist seit einigen Jahren kaum noch etwas übrig, allerdings hätten ELDER ohne diesen Stilwandel wohl kaum den Status, den sie inzwischen im Psychedelic-Prog-Rock haben. Völlig zu Recht gilt ihr Album „Lore“ als Meilenstein des Genres, an dem sich jede neue Veröffentlichung der Band messen lassen muss. Seit dem letzten Album „Innate Passages“ sind mittlerweile vier Jahre vergangen, höchste Zeit also, dass mit „Through Zero“ endlich neues Material erscheint.
Und so divers wie auf „Through Zero“ klangen ELDER vielleicht noch nie. In knapp einer Stunde Spielzeit verwebt das Quartett Post-Rock, Shoegaze, Prog-Rock, Stoner Rock und spacige Synthies zu einer extrem spannenden Mischung. Was überrascht: „Through Zero“ ist sowohl erfeulich heavy, als auch super smooth und relaxed.
„Sigil To Ruin“ eröffnet „Through Zero“ mit einer Basis aus recht klassischem 70er-Rock. Im Laufe der Spielzeit von über zehn Minuten schichten ELDER darauf diverse Lagen Space-Rock und Prog-Riffs und verleihen dem Song damit eine kosmische Epik. Erst das folgende „Capture/Release“ zeigt aber die volle Bandbreite der Kreativität, die Anno 2026 in ELDER schlummert: Flirrende Gitarren, schwere Riffs, ein packender Groove und hymnischer mehrstimmiger Gesang sorgen für das erste große Highlight auf „Through Zero“.
Doch damit sind ELDER noch nicht am Ende: „Strata“ ist nicht nur der längste, sondern auch der packendste Track des Albums. Eine melancholische, spacige Melodie fungiert als eine Art Intro, bevor ELDER aus Pedal treten und Wände aus Post-Rock-Riffs höher und höher aufbauen. Trotz der heavy Riffs behält sich „Strata“ aber durchgehend eine gewisse Psychedelic-Note bei, was sicherlich auch am erneut mehrstimmigen Gesang und Zwischenspielen aus Ambient und Synthies liegt. Scheint der Song in ein Fade-Out zu münden, drehen ELDER doch nochmal auf und leiten nahtlos in das Instrumental-Stück „Sight Unseen“ über. Hier besinnen sich ELDER auf ihre Frühzeit, denn abgesehen von ein paar Ambient-Parts, wird massiv im Metal gewildert. Schnell, hart und mit fetten Riffs drehen ELDER völlig frei.
Schade ist nur, dass „Through Zero“ damit noch nicht zu Ende ist. „Blighted Age“ ist das letzte und leider auch schwächste Stück der Scheibe, wobei ELDER sich die Frage gefallen lassen müssen, ob es sich dabei wirklich um ein fertiges Stück für „Through Zero“ handelt. Statt der bis dato nahezu in Perfektion gespielten Mischung verschiedener Genres, laut und leise, hart und sanft, schnell und langsam, verlieren sich ELDER in viel zu langen Ambient-Spielereien. Wo beispielsweise BLOOD INCANTATION aus überlangen Ambient-Synthie-Tracks spannende Kunst erschaffen, driftet das Quartett relativ ziellos umher.
ELDER setzen ihren Weg unbeirrt fort und liefern mit „Through Zero“ ihren bisher wildesten und vielfältigsten Ritt durch Psychedelic, Prog, Space-Rock und Co. Beeindruckend ist dabei nicht nur, wie nachvollziehbar und mitreißend Nick DiSalvo komponiert, sondern auch, wie sehr er sich stimmlich entwickelt hat. Besonders Spaß macht dabei vor allem die Balance zwischen Ruhe und von der Band so schon lange nicht mehr gehörter Härte. An ELDER führt damit in diesem Bereich nach wie vor kein Weg vorbei.
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Wertung: 8 / 10


