August 2023

Review Endstille – DetoNation

  • Label: Ván
  • Veröffentlicht: 2023
  • Spielart: Black Metal

Taake, Marduk, Shining, Urfaust … als hätten die Labels den frühen Herbsteinbruch vorausgesagt, ist der Spätsommer vollgepackt mit bemerkenswerten Black-Metal-Releases. Der vielleicht spannendste ist in dieser Aufzählung jedoch noch gar nicht erwähnt: Volle zehn Jahre nach ihrem letzten Album melden sich auch ENDSTILLE 2023 mit einem neuen Werk zurück.

„DetoNation“ betitelt und mit einer ordentlichen Wolke aus Rauch und Dreck verziert, macht das Album zunächst nicht den Eindruck, als hätte sich bei ENDSTILLE irgendwas geändert – weit gefehlt! Natürlich bieten ENDSTILLE auch auf „DetoNation“ noch schnörkellosen Black Metal, getragen von Wachtfels‘ Schrammelriffing, MDs straightem Drumming und fiesen Screams von Zingultus. Man muss allerdings nicht allzu genau hinhören, um recht bald festzustellen, dass ENDSTILLE 2023 nicht mehr die Band sind, die sich vor einer Dekade mit „Kapitulation 2013“ vorerst verabschiedet hatte.

Der augenfälligste (ohrenfälligste?) Unterschied liegt direkt im Sound: Hatten sich alle Alben seit „Verführer“ (2009) in einen immer druckvollereen, „pumpenderen“ Sound hineingesteigert, gehen ENDSTILLE nun den entgegengesetzten Weg. Dass ausgerechnet ein „DetoNation“ betiteltes Album keinen Wums hat, entbeert natürlich nicht einer gewissen Komik. Trtzdem tun ENDSTILLE mit diesem „Reset“ das einzig Richtige: Mag „DetoNation“ im direkten Vergleich zu seinen Vorgängern zunächst ziemlich flach und auch merklich leiser klingen – nach etwas Eingewöhnungszeit überzeugt der Sound auf ganzer Linie.

Das Drumming klingt ausgewogen präsent und sehr natürlich, die schmierigen Gitarren kommen den Riffs „des Roten“ sehr entgegen. Und erstmalig, möchte man sagen, dröhnt der Bass nicht nur, sondern verleiht Struktur und – ja, sogar das – Melodik („Vigilante Justice“). Mag der erste Eindruck das auch nahelegen – von „einfach nur true“ (wie etwa Taake) sind ENDSTILLE mit diesem Sound meilenweit entfernt. Allerdings, auch das muss gesagt sein: Die rohe Aggression früherer Alben kann „DetoNation“ schon allein bedingt durch diesen insgesamt sehr runden Sound nicht reproduzieren.

Das macht aber nichts, denn – Überraschung Nummer 2 – ENDSTILLE scheinen es kompositorisch darauf gar nicht darauf angelegt zu haben. Natürlich liefert die Kieler Instrumental-Fraktion auch 2023 rabiaten Black Metal, zu dem der ehemalige Nagelfar-Sänger Zingultus vortrefflich keiffen kann. Für ENDSTILLE-Verhältnisse ist das Riffing aber oft überraschend melodiereich („Destined To Silence“), was stellenweise an Imperium Dekadenz denken lässt. Zudem traut sich das Quartett so manches Experiment: „Tochnit Aleph“ etwa überrascht im letzten Drittel mit pathetischem Sprechgesang und Background-Chören, bei „Victorious“ sind ENDSTILLE dann vor lauter doomiger Melodik kaum wiederzuerkennen. Deutlich typischer ist da schon der Albumausklang mit Titeltrack und „Endstille (Weltkrieg)“ ausgefallen.

Während andere Bands (mit oder ohne Pause) ein ums andere Mal das gleiche Album veröffentlichen, sind ENDSTILLE aus diesem Hamsterrad gesprungen. Die zehnjährige Auszeit mag das Standing der Band in der Szene geschwächt haben – musikalisch geht die Band daraus jedoch gestärkt hervor. Bereits im Jubiläums-Interview (2021) erklärte MD im Hinblick auf das Songwriting: „Wir müssen niemanden etwas beweisen, keine Erwartungen erfüllen, außer unsere eigenen – so frei haben wir uns lange nicht gefühlt.“ Genau so klingt das Resultat. So unbeschwert und authentisch wie auf „DetoNation“ hat man ENDSTILLE seit „Navigator“ nicht mehr gehört.

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Wertung: 8.5 / 10

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