CD-Review: Ensiferum - Dragonheads (EP)

Besetzung

Petri Lindroos - Gesang, Gitarre
Markus Toivonen - Gitarre, Klargesang
Sami Hinkka - Bass, Klargesang
Meiju Enho - Keyboard
Janne Parviainen - Schlagzeug

Tracklist

01. Dragonheads
02. Warrior's Quest
03. Kalevala Melody
04. White Storm
05. Into Hiding
06. Finnish Medly


Als irgendwann im letzten Jahr die Meldung aufkam, ENSIFERUM würde eine EP aufnehmen, war die Freude natürlich groß. Genau so groß war aber auch die Furcht vor dem Ergebnis. Immerhin ist nur noch Markus Toivonen von Anfang an dabei und seit den „Iron“-Aufnahmen Ende 2003 sind mit dem einzigartigen Sänger Jari Mäenpää, Jukka-Pekka Miettinen und Oliver Fokin drei Urgesteine nicht mehr dabei. An Norther-Frontmann Petri Lindroos konnte man immerhin schon seit Mitte 2004 als Ensifeurm-Sänger auf der Bühne gewöhnen. Auf der EP „Dragonheads“ muss er sich nun zum ersten mal bei einer Studioaufnahme beweisen.

Das einzig wirklich neue Lied auf der Scheibe ist das eröffnende Titelstück „Dragonheads“ und lässt von Beginn an die Mundwinkel nach unten sinken. Das Riff und die Melodien klingen eher nach einer langweiligen Teräsbetoni-B-Seite denn nach Ensiferum und das Keyboard ist trotz seinem hier noch recht sparsamen Einsatz ziemlich penetrant in den Vordergrund gemischt worden. Erst nach über drei Minuten mag man das erste mal wirklich glauben, dass hier ein neues Lied von Ensiferum läuft, wenn hier mal etwas Spannung nach dem Break reinkommt. Womit ich hier leider meine großen Probleme habe, ist der Gesang. Live fand ich Petris Auftritt wirklich gut und überzeugend, doch auf Konserve kann ich dem leider gar nichts abgewinnen. Im Vergleich zu Jari klingt das alles so lahm, so langweilig, so eintönig. Zu Norther passt seine Stimme durchaus, doch Ensiferum braucht meiner Meinung nach absolut einen Sänger, der wirklich Biss und Power in den Stimmbändern hat, was ich hier nicht behaupten kann. Auch die Chöre können lange nicht an die großartigen Momente von „Into Battle“, „Lai Lai Hei“ oder anderen anschließen und wirken teilweise wirklich billig und schwach, wie etwa bei „Warrior’s Quest“. Das ist übrigens eine Neuaufnahme des damaligen Demosongs, den man auf der Scheibe „1997-1999“ hören konnte. Im Vergleich zu damals ist der Song nahezu gleich geblieben, nur eben das gesangliche wertet die Neueinspielung ab. Außerdem steht auch hier das Keyboard etwas weit im Vordergrund. Sehr enttäuscht war ich aber vor allem von „White Storm“, dass in seiner ursprünglichen Version wirklich genial war, hier aber nur wie ein laues Lüftchen wirkt.
Zwischendrin findet man mit „Kalevala Melody“ ein kurzes, typisch-ruhiges Zwischenspiel. Leider muss ich „Into Hiding“ als absoluten Ausrutscher bezeichnen, ein Cover von der 94er Amorphis-Scheibe „Tales From The Thousand Lakes“. Das Teil passt von der Stimmung her absolut nicht zu Ensiferum und wirkt wie ein seltsamer Fremdkörper, der abgestoßen werden will. Keine Frage, das Original ist klasse, doch das Cover wirkt im Ensiferum-Gewand aber so halbgar und unpassend, dieses doch recht melancholische Stück funktioniert in dieser keyboard-getränkten und fröhlich gehaltenen Version einfach nicht. Immerhin der Abschluss der EP ist schön geworden. Das „Finnish Medly“ ist mit den erst ruhigen und später orchestralen Melodien, dem Frauengesang und hier ganz gut passenden Chören ein einigermaßen versöhnlicher Abschluß geworden. Vielleicht auch, weil Petri hier nicht so langweilig singt, wie auf dem Rest der CD, sondern gar nicht…

Insgesamt ist die „Dragonheads“ eine große Enttäuschung. Während ich beim ersten Hören von „Ensiferum“ und „Iron“ mit offenem Mund vor der Anlage gesessen bin und nicht genug von der Musik kriegen konnte, ist das hier einfach nur eine absolut schwache EP. Leider merkt man der Band den radikalen Besetzungswechsel an, Markus musste halt doch eine fast komplette neue Gruppe zusammenstellen. Ich will hoffen, dass das Songwriting nun nicht auf „Dragonheads“-Niveau bleiben wird, sondern bis zum kommenden Album wächst, dass man wieder an alte Glanztaten immerhin annähernd anschließen kann. Wenn nicht, sehe ich schwarz für eine Band, die sich zurecht eine große Fanbasis aufgebaut hat und die eben zwei großartige Alben veröffentlicht hat. Das dritte Album wird zeigen, wohin der Weg der Finnen geht. „Make it or break it“ eben…

Keine Wertung

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