Review Fight The Fight – Shah Of Time

Man könnte meinen, als Redakteur wäre man angesichts mannigfaltigen Materials, das nur auf fachkundige Besprechung wartet, wunschlos glücklich und stets zufrieden bei der Erkundung neuer Musik. Dem ist auch so – zumindest fast immer. FIGHT THE FIGHT waren dem Schreiber bisweilen kein Begriff. Erst ein Reel auf Instagram – hier ein manisch auf sein Schlagzeug eindreschender Baard Kolstad (u. a. LEPROUS) – brachte diese alte, funkelnde Neugier zurück, die mitunter große Erweckungsmomente ausmacht.

FIGHT THE FIGHT aus Norwegen haben sich dem Progressive Metal verschrieben, agieren dabei jedoch eher unkonventionell und für das Genre recht aufgeräumt, ja geradezu eingängig. Ihr 2024 erschienenes Album „Shah Of Time“ macht da keine Ausnahme, obgleich es das bislang düsterste und härteste Werk der Formation darstellt.
Die dritte Veröffentlichung von FIGHT THE FIGHT startet durch „Serpent Of The Sand“ geradeheraus vertrackt-groovig, ohne den eigenen Kopf zu verlieren. Die Growls erinnern entfernt an Simon Olsen von BAEST, während der Refrain mit wunderschönem, mehrstimmigem Klargesang dargeboten wird. Beim Einsatz von Synthesizern erinnern die Norweger an VOLA, ohne die Songs zu überfrachten.

Der Kniff hier: Es gibt gleich drei interludeartige Stücke. „Ascent“, „A.I.“ und „Descent“ dienen nicht nur der Auflockerung; letztgenannter Titel ist gar der atmosphärische Albumcloser. Diese stimmungsvollen Unterbrechungen rahmen Songs wie „Monarch“ oder „Shining“, die – angetrieben von simplen, aber überaus griffigen Melodien – durch satte Grooves und atmosphärische Refrains überzeugen.
„Heart Of Stone“ zeigt, zu welcher Härte FIGHT THE FIGHT fähig sind. Stilvoll eingesetzte Synths treffen auf wuchtige Riffs und das präzise Drumming von Baard Kolstad. Sogar die Geschwindigkeit schraubt die Band für einen kurzen Moment hoch – etwas, das der Platte als Ganzes gut gestanden hätte. Das sich anschließende „A.I.“ hat mit seinen düsteren Ambientkulissen in Kombination mit seinem Namen fast schon einen unangenehm prophetischen Charakter.

In den folgenden Songs „Alien“ und „In Memory“ zeigt die Band noch einmal ihr ganzes Können. „Alien“ glänzt mit einem fast schwebenden Refrain, während sich die Truppe kompositorisch wendig zeigt und verschiedenste Stile modernen Metals miteinander verbindet. „In Memory“ steigt mit orientalischen Klängen ein und zieht ein schleppendes Riff hinter sich her, nur um sich im Verlauf in schmissigen Grooves und sphärischen Synthesizer-Flächen wiederzufinden. Das letzte Drittel ist dynamisch treibender und führt nahtlos in das Outro „Descent“, das „Shah Of Time“ so düster wie passend abschließt.

Ob es nun die groovigen Riffs eines „Serpents Of The Sand“, das brillante Schlagzeugspiel von Baard Kolstad („12800“) oder die stilvollen Keyboard- und Ambientnuancen sind – FIGHT THE FIGHT stellten mit „Shah Of Time“ 2024 ein Release vor, das sich wunderbar zwischen Bands wie VOLA, GOJIRA und LEPROUS einreiht. Die zehn Songs sind durchweg stimmig und machen Spaß. Komplexe wie tight gespielte Rhythmen, Chöre, diverse Gesangsstile und die orientalische Note als Rahmen der Platte machen „Shah Of Time“ zu einem Album, das sowohl Genrekenner als auch Neueinsteiger für sich gewinnen dürfte.

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Wertung: 8.5 / 10

Philipp Sorger

Publiziert am von

Ein Kommentar zu “Fight The Fight – Shah Of Time

  1. Direkt Schockverliebt! Höre die letzte Zeit eigentlich hauptsächlich überaggressives, politisch maximal aufgeladenes Raw Black Metal Zeugs. Progressive habe ich aktuell weit hinter mir gelassen und bin bei Lavizan Jangal, Luroga oder Perpetually Pist, aber das hier gefällt mir ausgesprochen gut. Natürlich habe ich zuerst in Heart of Stone reingehört – aber (zumindest) das Album wird definitiv gekauft! Danke für den Tipp!

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