CD-Review: Finntroll - Nattfödd

Besetzung

Tapio Wilska – Gesang
Routa – Gitarre
Skrymer – Gitarre
Tundra – Bass
Trollhorn – Keyboards
Beast Dominator – Schlagzeug

Tracklist

01. Vindfärd/Människopesten
02. Eliytres
03. Fiskarens Fiende
04. Trollhammaren
05. Nattfödd
06. Ursvamp
07. Marknadsvisan
08. Det Iskalla Trollblodet
09. Grottans Barn
10. Rök


Die Geschichte von FINNTROLL hätte schon nach zwei spannenden Alben wieder vorbei sein können: 2003 starb Gitarrist Teemu „Somnium“ Raimoranta nach einem Sturz von einer Brücke und Sänger Kattla musste wegen eines Tumors an den Stimmlippen das Singen aufgeben. Doch während die Band auf ihrer EP „Visor Om Slutet“ mit Tapio Wilska bereits einen vielversprechenden zweiten Sänger eingelernt hatten, waren es, wie man hört, vor allem die Eltern von Teemu, die FINNTROLL darin bestärkten, weiterzumachen. Und so geht die Geschichte der Humppa-affinen Finnen nun mit dem dritten Album namens „Nattfödd“ weiter.

Nach dem atmosphärischen Intro „Vindfärd“, in dem tatsächlich vornehmlich Wind zu hören ist, steigt der Opener „Människopesten“ (als Song in einem Track mit dem Intro verschmolzen) nach gut einer Minute mit schnellen Gitarren und gegrunzten Vocals ein. Das eigentlich Besondere kommt jedoch erst etwas später dazu: Frisch und frei kombinieren FINNTROLL ihre Riffs mit einer ordentlichen Portion Humppa und einer Prise Folklore. Noch deutlicher wird das im darauffolgenden, noch etwas schnelleren „Eliytres“, in dem sich hektische Gitarren, treibende Keyboards und eine schöne Melodie zu einem absolut unverkennbaren Sound mischen.

Beachtlich ist dabei, dass FINNTROLL zwar heitere Elemente verwursten, dabei jedoch zu keiner Zeit nach reiner Party-Musik klingen: Selbst das etwas gemächlicheren „Fiskarens Fiende“ mit seinem eingängigen Refrain und dem sehr präsenten Akkordeon klingt durch die harten Riffs und Wilskas bösartig gegurgelten Gesang weit weniger fröhlich als man aufgrund der Beschreibung meinen könnte. War gerade von einem eingängigen Refrain die Rede? Nicht der Rede wert gegen „Trollhamaren“ – den Titeltrack der zeitgleich zum Album erschienenen EP. Wer einfach mal kurz wissen will, wie FINNTROLL oder Black Pagan Metal mit Humppa klingt, sollte sich einfach dieses kleine Meisterwerk anhören: Ohrwurm von der ersten bis zur letzten Minute, Live-Hymne und dabei, erneut: musikalisch anspruchsvoll und weit von Klamauk entfernt.

Ob etwas pathetischer („Nattfödd“), voll auf griffige Melodien ausgelegt („Ursvamp“, „Det Iskalla Trollbloded“) oder etwas traditioneller Folkloristisch inklusive Maultrommel („Grottans Barn“) – FINNTROLL kosten das Konzept, das sie sich für „Nattfödd“ überlegt haben, voll aus, ohne den Bogen jedoch zu überspannen: Alle Songs klingen durch unterschiedliche Tempi und ein unterschiedliches Maß an „Humppaisierung“ verschieden genug, um keine Langeweile aufkommen zu lassen. Vor allem aber sind es die großartigen Lead-Melodien, die von Song zu Song immer wieder zu begeistern wissen. Höchstens auf das Interlude „Marknadsvisan“ hätte man eventuell verzichten können.

Mit „Nattfödd“ gehen FINNTROLL den bereits mit „Jaktens Tid“ eingeschlagenen Weg des Black Pagan Metal mit Humppa-Elementen und fröhlichen Melodien mehr als konsequent weiter. Der neue Sänger Tapio Wilska unterstützt diese Entwicklung mit seinem „trollischen“ Gesang ebenso wie der etwas rundere, vollere Sound. Stilistisch nicht jedermanns Sache, dafür aber ein eigenständiges, von vorne bis hinten rundes Album, das allein für seine grandiosen Melodien gehört werden sollte. Und schlussendlich hat „Nattfött“ mit 36 Minuten genau die richtige Länge: Genug Platz für neun starke Songs, aber kurz genug, um nicht doch noch Gefahr zu laufen, als „zu düdelig“ empfunden zu werden.

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Bewertung: 9 / 10

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