In Aphelion - Moribund

Review In Aphelion – Moribund

  • Label: Edged Circle
  • Veröffentlicht: 2022
  • Spielart: Black Metal

„Moribund“ – war da nicht was? Richtig, unter ebendiesem Titel veröffentlichten die Norweger von Koldbrann 2006 ein völlig unterbewertetes, weil extrem starkes Black-Metal-Album. Nun geben ihre schwedischen Kollegen IN APHELION dem Titel eine neue Chance: Nach ihrer extrem vielversprechenden EP „Luciferian Age“ (2021) setzt das Trio nun unter dem Namen „Moribund“ mit ihrem ersten Full-Length nach.

Nachdem zwei der insgesamt zehn Songs bereits in identischer Version von der EP bekannt sind, sind sowohl der Sound des Albums als auch die generelle stilistische Ausrichtung von IN APHELION keine Überraschung mehr. Mit bissig-scharfem Gitarrensound sägen sich die beiden Necrophobic-Gitarristen Sebastian Ramstedt (auch Gesang) und Johan Bergebäck durch knapp eine Stunde schwedischen Black Metal. Dabei punkten IN APHELION auch im Albumkontext mit all jenen Elementen, die bereits „Luciferian Age“ so hörenswert gemacht haben: neben rasanten, thrashig angehauchten Riffs und Ramstedts gefauchten Screams sind das immer wieder auch melodische Cleangitarren, eingängige Leadgitarren und furiose Gitarrensoli.

Bemerkenswert ist die Dynamik der Kompositionen: Nach einem kurzen, aber atmosphärisch spannenden Orgelintro startet der Opener direkt mit maximaler Intensität, bevor IN APHELION mit dem EP-Track „Draugr“ zunächst etwas Tempo rausnehmen – nur um dann in allen Belangen umso intensiver aufzudrehen, ehe der Song mit gemächlichen Leadgitarren ausklingt. Dieses Auf und Ab zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Album: „Let The Beast Run Wild“ beginnt mit der aggressiven Schärfe von Watain, findet im hinteren Teil aber über groovige Drums einen Ruhepunkt, ehe nochmal die Sologitarren aufheulen dürfen. „Luciferian Age“ groovt tatsächlich – wie bereits angedeutet – wie wenig schwedischer Black Metal seit Naglfars „Harvest“. Und im gemächlichen „This Night Seems Endless“ geben sich IN APHELION gar keine große Mühe, ganz anders als Necrophobic zu klingen.

Damit ist erst die erste Hälfte (!) dieses mit 58:01 Minuten für ein Black-Metal-Album ungewöhnlich lang ausgefallenen Werkes beschrieben – und doch eigentlich alles gesagt. Natürlich ließe sich über jeden der anderen fünf Songs genauso ausgiebig berichten, an der zentralen Aussage würde das aber nichts ändern: Da IN APHELION in der ersten Albumhälfte Außerordentliches abliefern und in der zweiten zu keiner Sekunde nachlassen, kann „Moribund“ jedem Black-Metal-Liebhaber nur vorbehaltslos empfohlen werden: IN APHELION vereinen auf „Moribund“ Black-Thrash mit der Melodik von Necrophobic („This Night Seems Endless“), dem Groove von Naglfar („Luciferian Age“) und der Finsternis von Watain („Let The Beast Run Wild“) zu einem verdammt stimmigen Gesamtprodukt. Sicherlich, als „Newcomer“ gehen IN APHELION nicht mehr durch – ein solches Debüt für ein neues Projekt muss man aber auch als Routinier erst einmal zustande bringen.

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Wertung: 9 / 10

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