CD-Review: Koldbrann - Moribund

Besetzung

Mannevond - Gesang, Gitarre
Kvass - Gitarre
Stian Johnskareng - Bass
Fordervelse - Schlagzeug

Gastmusiker:
Iblis - Gesang
L. Wachtfels - Gesang

Tracklist

01. Alt Er Befengt
02. I Suveren Forakt
03. Steinet Til Jorden
04. Djevelens Treskeverk
05. Smell Of Vitriol
06. Moribund
07. Av Sjel Stagnert
08. Til Skiringsheim
09. Fullt Spekter Dominans
10. Skvadron
11. Bestial Swarm


KOLDBRANN – Eine Band, deren Namen Eingeweihten allein schon das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Veröffentlichten die Norweger bisher lediglich zwei Demos, ein Album in voller Länge, eine Split mit den bisher auch weit unterschätzten Landsmännern LJÅ und eine EP, konnten sie doch großes Aufsehen erregen. Schon auf dem Vorgänger „Nekrotisk Inkvisition“ (2003) zeigen die Norweger, dass der Black Metal in Reinform noch längst nicht tot ist. Ohne sich groß in Klischees zu suhlen oder viele Worte zu verlieren knallte der Vierer dem Hörer ein Brett vor den Latz, das in Sachen Räudigkeit, Primitivität und Produktion seinesgleichen suchte. Auch live wusste die Combo nicht nur durch ihren Minimalismus, sondern auch durch überzeugende Performances zu überzeugen. Dennoch fehlte dem Erstling noch etwas und nur wirkliche Kenner wussten die Truppe zu schätzen. Letzteres wird sich mit „Moribund“ auch nicht ändern, denn erneut wird kompromissloser, tiefschwarzer Metal geboten. Ersteres hingegen wurde noch mehr ausgeglichen, das Songwriting ist noch ausgereifter, in jedem einzelnen Song kann man den Hass fast spüren. Offensichtlich ist wohl, dass KOLDBRANN erneut alles Herzblut in ihre Musik fließen ließen und ihre Emotionen so kompensierten. Denn lange habe ich keine vergleichbare Intensität auf einem rohen Black Metal Album erleben können. Die Krone wird dem ganzen noch durch das herausragende Coverartwork- und Bookletdesign und diverse Gastauftritte vom ENDSTILLE-Sänger Iblis und deren Gitarrist L. Wachtfels aufgesetzt. Auch dies war nur eine Frage der Zeit, denn die Bands sind schon seit Jahren sehr gut befreundet.

Es geht also los mit „Alt Er Befengt“, einem von Beginn an sehr treibenden Song. Kenner des ersten Albums wird natürlich sofort die Produktion auffallen, die zwar um einiges klarer geworden ist, besonders an den Gitarren, jedoch nichts von ihrem rohen Sound einbüßen muss. Ein ganz klar hervorzuhebender Pluspunkt und eine enorme Steigerung zum ohnehin schon super produzierten Vorgänger. In diesem Song wird außerdem stellenweise ein sehr unkonventioneller Schlagzeugrhythmus verwendet, der den Titel noch dynamischer wirken lässt. Auch in schleppenden und teils gar melodisch angehauchten Gefilden wissen die Norweger sehr flexibel zu agieren, ohne jedoch auch noch für einen Moment den Faden zu verlieren. Dies wird erneut im folgenden, anfangs DARKTHRONE-ähnlichen „I Suveren Forakt“ deutlich, welches in eine brutale Blastbeatorgie übergeht. Insgesamt und allgemein gesprochen behauptet sich der Haufen besonders gut darin, alle Gefilde des Schwarzmetall stilgerecht abzuklappern, vom Geknüppel über thrashige Passagen bishin zu Parts mit Rock’n’Roll Attitüde ist alles dabei, ohne den Hörer zu verwirren.

Besonders gut gefällt da „Djevelens Treskeverk“. Ist zu Beginn noch ein richtiger „Groove“ auszumachen, geht der Song jedoch auch sehr schnell wieder in räudigere Gefilde über, um später aber wieder in diese genial schleppenden und hypnotisierenden Atmosphäre zu verfallen. An dieser Stelle gibt auch ENDSTILLE-Gitarrist L. Wachtfels sein Performancedebüt, allerdings nur in Form eines kurzen „Mannevond, yeah!“. Doch gegen Ende scheint sich der Song in eine regelrechte Black’n’Roll Huldigung zu verwandeln. „Smell Of Vitriol“, einer von zwei englischsprachigen Songs auf dem englisch betitelten Album (was fast gar schade ist), hingegen versetzt einen wieder in diese so oft dagewesene Trance um einen dann später wieder herauszureißen. Erwähnen könnte man hier vielleicht noch, dass der schon auf dem ersten Album recht gern eingesetzte Northern Hyperblastartige Schlagzeugbeat auch hier wieder reichlich an Verwendung findet, jedoch, wie alle anderen Elemente auch, nicht bis zum Erbrechen ausgereizt wird. Alle folgenden Songs können die großartige Stimmung perfekt halten, um aber noch auf einen genauer einzugehen, sollte „Bestial Swarm“ besondere Erwähnung finden. Der Song wurde komplett vom ENDSTILLE-Vokalisten Iblis eingesungen und wer daran zweifelt, dass dies gelingen kann, der wird eines Besseren belehrt. Dieser Titel ist zu hundert Prozent das, was ich mir unter einem tiefschwarzen Song und Rausschmeißer vorstelle, denn auch Iblis Stimme passt gerade perfekt auf die Musik KOLDBRANNs und macht „Bestial Swarm“ zum meiner Auffassung nach hasserfülltesten Lied der Scheibe. Genial.

„Moribund“ ist eines der Alben, das zeigt, wie lebendig das Genre noch sein kann und macht KOLDBRANN zu einer der besten, wenn nicht sogar DER besten „neuen“ und aktiven norwegischen Black Metal Band. Vielmehr kann man nicht besser machen, die Schwächen des Erstlings wurden fast komplett ausgebügelt und als wäre das nicht genug, hat man auch mit den reichlich schleppenden Songs ein durchaus gelungenes Experiment gewagt. Bei all diesem Geschwärme muss man jedoch auch eine kleine Einschränkung machen. Das Album ist sehr lange und somit relativ anstrengend, zum Nebenbeihören also erst gar nicht geeignet. Auf eine Gewisse Art und Weise ist es auch schade, dass KOLDBRANN dem Vorgänger in sprachlicher Hinsicht nicht ganz treu geblieben sind. Da aber auch die englische Sprache sehr gut zu den Songs passt, auch wenn die norwegische durch Mannevonds Mund einfach viel edler und giftiger klingt. KOLDBRANN gehören dennoch nun eindeutig zusammen mit Bands wie 1349 zur Speerspitze des rohen norwegischen Black Metals. „Moribund“ ist ein Pflichtkauf für alle Verehrer des Genres und des restlichen Material der Band.

Bewertung: 9 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: