CD-Review: In Extremo - Quid Pro Quo

Besetzung

Michael "Das Letzte Einhorn" Rhein - Gesang
Van Lange - Gitarre
Die Lutter - Bass
Flex der Biegsame - Dudelsack, Drehleier
Yellow Pfeiffer - Dudelsack, Nyckelharpa
Dr. Pymonte - Harfe, Dudelsack
Specki T.D. - Schlagzeug
Gastmusiker:
Hansi Kürsch - Gesang
Heaven Shall Burn - Gesang, Gitarre

Tracklist

01. Störtebeker
02. Roter Stern
03. Quid Pro Quo
04. Pikse Palve
05. Lieb Vaterland, magst ruhig sein
06. Flaschenteufel
07. Dacw 'Nghariad
08. Moonshiner
09. Glück auf Erden
10. Schwarzer Rabe
11. Sternhagelvoll


„Verehrt und Angespien“ – als IN EXTREMO ihr fünftes Album so benannten, ahnten sie sicher nicht, dass dieser Titel über eine Dekade später noch bedeutungsschwer werden sollte, denn im Fanlager scheiden sich seit einigen Veröffentlichungen die Geister. Während die einen der Band vorwerfen, sich zu weit von ihren Wurzeln zu entfernen, gibt es den Teil, der auch an den neueren, etwas moderner klingenden Alben, abfeiert. Nun ist „Quid Pro Quo“ so weit, an die Hörerschaft gebracht zu werden und in der Tat handelt es sich um ein Album, welches insbesondere das erstgenannte Klientel versöhnlich stimmen könnte, ohne Neuhörer zu vergraulen.

Denn bereits ein Blick in die Tracklist dürfte genügen, um die Herzen älterer Fans zu erwärmen: Die Fremdsprachen sind wieder da! So bietet „Quid Pro Quo“ mit „Pikse Palve“, „Dacw ‚Nghariad“ und „Schwarzer Rabe“ (der Originaltitel ist auf Kyrillisch) immerhin drei Songs, in denen Sänger Micha Rhein kein Wort auf Deutsch verliert. Wer die Special Edition erwirbt, darf sich mit „Palästinalied 2“ darüber hinaus auf eine Fortsetzung des beliebten Hits von „Weckt die Toten!“ freuen, welche atmosphärisch und qualitativ vom Erstling gar nicht mal weit entfernt ist. Aber auch musikalisch erinnert das Album wieder mehr an vergangene Zeiten, so wurde der von einigen insbesondere auf dem Vorgängeralbum „Kunstraub“ angekreidete Deutschrock-Anteil (böse Zungen behaupten, dass sich IN EXTREMO seit einigen Alben wie die Toten Hosen mit Dudelsack anhören) wieder merklich zurückgefahren und im Gegenzug eine ordentliche Schippe krachenden Metals draufgelegt, was sich insbesondere beim Titelsong, „Roter Stern“ oder „Flaschenteufel“ bemerkbar macht. Zugleich wird aber der mittelalterlichen Instrumentalfraktion genügend Platz gelassen sich voll zu entfalten und fantastische Melodien zu kreieren, sodass auf „Quid Pro Quo“ gesteigerte Härte und atmosphärischer Mittelalter-Sound gekonnt aufeinander abgestimmt sind und miteinander harmonieren. Wie gewohnt beweisen IN EXTREMO jedoch einmal mehr auch ein Händchen für ruhige Töne: „Pikse Palve“ etwa stellt den traditionellen Sound merklich ins Zentrum und könnte mit seinen genialen und enorm eingängigen Melodien zum Pflicht-Hit für künftige Mittelalter-Veranstaltungen avancieren. Doch auch das direkt folgende, bedächtige „Lieb Vaterland, magst ruhig sein“, in dem Micha Rhein auf sanftmütige Weise einen gelungenen Antikriegs-Text vorträgt, weiß auf ganzer Linie zu überzeugen.

Herausstechend sind auch die Gastbeiträge, die sich auf „Quid Pro Quo“ finden lassen. Blind Guardian-Fronter Hansi Kürsch klingt in „Roter Stern“ aufgrund der sehr hohen Stimmlage und des deutschen Textes etwas gewöhnungsbedürftig, harmoniert jedoch gut mit Micha Rhein und sorgt für einen tollen Gastbeitrag auf einem ordentlichen Ohrwurm. Auch die harschen Vocals durch Heaven-Shall-Burn-Sänger Marcus Bischoff auf „Flaschenteufel“ sind etwas, das im Rahmen einer In-Extremo-Platte etwas Eingewöhnungszeit braucht, am Ende aber stimmiger klingt, als es sich vermuten lässt – wenngleich der Song insgesamt nicht ganz an den Großteil des restlichen Materials heranreicht, wovon auch die Nachfolger „Dacw ‚Nghariad“ und „Moonshiner“ im Albumkontext betroffen sind. Doch handelt es sich hierbei mitnichten um schwache Lieder und IN EXTREMO bieten mit Nummern wie „Störtebeker“, dem wahnsinnig eingängigen Titelstück, „Pikse Palve“ oder dem launigen Rausschmeißer „Sternhagelvoll“ genügend neue Hits und Ohrwürmer, um einzelne leichte Qualitätsabstiege mehr als kompensieren zu können.

Letztendlich ist „Quid Pro Quo“ vielleicht das Album, das sich IN-EXTREMO-Anhänger der älteren Ära seit einigen Outputs gewünscht haben. Stilistisch drängt sich am ehesten der Vergleich zu „Mein rasend Herz“ auf. Eine exakte Kopie älterer Werke ist nicht zu erwarten, aber die Rückbesinnung auf alte Tugenden ergibt einen Sound, der für alle Hörer etwas bieten sollte und „Quid Pro Quo“ zu einem der besten Alben der Band aus ihrer jüngeren Schaffensphase macht.

Bewertung: 8.5 / 10

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