In Extremo w/ Hämatom

  • München, Zenith
  • 29. September 2016

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„Quid Pro Quo“ (zu dt. „dieses für das“) geben IN EXTREMO auf ihrem gleichnamigen Longplayer, der die sieben Szeneveteranen unter anderem mit einigen fremdsprachigen Nummern ein bisschen zurück zu ihren musikalischen Wurzeln führt. Mit dem dritten Nummer-Eins-Album der Bandgeschichte ziehen Micha und Co. nun fleißig durch die Lande und beweisen erneut, dass im Live-Bereich immer noch die großen Stärken der Kapelle liegen. Mit dabei haben InEx mit HÄMATOM eine weitere Live-Bastion aus dem weit gefassten Bereich des NDH/Crossover.

haematom44Schwere Geschütze fahren HÄMATOM auch im Münchner Zenith auf. Mit riesigem Backdrop im Hintergrund und später auch einer T-Shirt-Kanone zelebrieren Nord, Ost, Süd und West ihren aktuellen Longplayer „Wir sind Gott“, direkt zu Beginn mit dem gleichnamigen Titelsong. Acht Stücke geben die vier Himmelsrichtungen in rund 40 Minuten zum Besten und verändern ihren Kurs dabei wenig: „Seelenpiraten“, „Auge um Auge“ und das Marteria-Cover „Kids“ schlagen in die gleiche Kerbe wie das Material von „Wir sind Gott“. Nur beim eher hymnischen „Alte Liebe rostet nicht“, kurz vor der obligatorischen Zugabe „Leck mich!“, wird es etwas ruhiger. Akustisch meistern HÄMATOM die alte Industriehalle, paradoxerweise sind die vier Musiker dafür im zu spärlichen Frontbühnenlicht kaum zu erkennen und verlieren mit ihrer energiegeladenen Show dadurch an Wirkung.

inextremo87Wie Akustik und Optik vortrefflich kombiert werden, beweisen IN EXTREMO anschließend direkt beim Opener, ebenso dem namensstiftenden Titellied „Quid Pro Quo“. Am Anfang nehmen die glorreichen Sieben keine Gefangenen: „Feuertaufe“ und „Zigeunerskat“ als Steilvorlage gipfeln früh im ersten großen Hit „Vollmond“. Danach hat München Betriebstemperatur erreicht, ebenso wie die Musiker, die früh mit ersten Feuerfontänen das alte Gemäuer erhellen. Nach „Störtebeker“ kommen InEx mit „Gaukler“ und „Unsichtbar“ etwas zur Ruhe, musikalisch wie optisch. Erst zu „Sängerkrieg“ schießen die Feuersäulen wieder nach oben und heizen ordentlich ein, ehe sich Micha am Mikro ein paar Momente Zeit nimmt, um „Lieb Vaterland, magst ruhig sein“ anzukündigen. Kein politisches Bekenntnis, sondern im weitesten Sinne eine Bestandsaufnahme – so das Letzte Einhorn. Wie sehr den sieben Musikern jener Song und dessen Botschaft am Herzen zu liegen scheinen, beweist die folgende intensive Darbietung. „Mein rasend Herz“ als klarer Kontrast kommt daraufhin beinahe etwas schnell und unvorbereitet.

Im aktuellen Live-Hit-Mix verpacken IN EXTREMO mit „Rotes Haar“ und „Ai Vis Lo Loop“ auch noch ein mittelalterliches Doppel, zweiteres erst traditionell eingeleitet und anschließend modern aufgemotzt. „Sterhagelvoll“ ist der indirekte Nachfolger zu „Viva La Vida“ und verfehlt seine Wirkung nicht, unter anderem wegen des überraschenden Konfettiregens. Nach „Roter Stern“ folgt mit „Черный Ворон“ (Black Raven) spät im Set die zweite Hommage an Russland, kompositorisch womöglich die gelungenere. Vor dem Abschluss des regulären Sets, „Moonshiner“, erzählt Micha von seiner Inspiration zu diesem Lied, das von illegalen Schnapsbrennern aus Virginia handelt. Im obligatorischen Zugabenblock feuern InEx im wahrsten Sinne des Wortes nochmals aus allen Rohren. Zu Songs wie „Liam“, „Erdbeermund“ und dem sehr gelungenen Abschluss „Pikse Palve“ gesellen sich diverse Feuerelemente, Pyros und erneut Konfetti, ehe die tobende Menge die Musiker gebührend verabschiedet.

inextremo60Das bewährte Erfolgsrezept von IN EXTREMO geht auch auf der aktuellen Tour auf: Acht der insgesamt 13 neuen Lieder von „Quid Pro Quo“ schaffen es ins Set, das sich ansonsten mühelos aus den über 20 Bandjahren speist. Unterlegt mit viel Show und exzellentem Licht trimmen IN EXTREMO ihre Show größtenteils auf einen mittelalterlich-folkrockigen Feiermarathon, der dieses Mal mit „Lieb Vaterland, magst ruhig sein“ ein besonderes Higlight in den wenigen ruhigen Momenten bereithält. Angereichert mit Traditionellem lässt das Septett wohl kaum einen Fan enttäuscht zurück.

Fotos: Janina Stein

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