Review K.I.Z. – Hurra die Welt geht unter

Die Welt ist einmal mehr untergegangen! Diverse Gruppierungen sagen dies ja wiederholt voraus. Das besagte Datum war in diesem Jahr der 10.Juli 2015 und die gemeinte Formation hört auf den Namen K.I.Z., die mit „Hurra die Welt geht unter“ ihr fünftes Studioalbum vorlegt. Doch ist dieses Release wirklich würdig eine endgültige Vernichtung des terrestrischen Planeten herbeizuführen oder eher ein laues Lüftchen?

Die Band mit dem radikalsten Humor der deutschen Rap-Geschichte, wie sich selbst benennen, hat genau diesen nicht verloren und beweist das auch umgehend im Opener mit Zeilen wie „Auf einmal findet jeder hier Schwulsein okay, aber Homosexualität war unsere Idee“. Doch trotz aller Ironie und grenzwertigen Sarkasmus gesellt sich im Jahr 2015 eine gehörige Portion Gesellschafts- und Poltikkritik hinzu. Folgerichtig wird mancher jetzt denken, dass die Berliner diese doch schon früher in ihre Songtexte verpackten. Das ist so richtig, dennoch fällt der kritische Unterton auf „Hurra die Welt geht unter“ direkter und nachdenklicher als im Rahmen der Vorgänger aus. Als Beispiel hierfür sei „Boom Boom Boom“ genannt, dass die aktuelle Situation zu Themen wie Flüchtlingspolitik geradlinig darlegt. In „Käfigbett“ thematisiert Maxim ein ungeliebtes Kind, dass im Refrain „Ich hab zwei Kugeln in der Kammer – eine für Papa und eine für Mama“ gipfelt. Für das Stück „Was würde Manny Marc tun?“ hat man sich ebendiesen, sowie die hochkarätigen Gastrapper Audio88 und Yassin, an Bord geholt. Neben ernsthaften Strophen über Kindesmissbrauch, Demenz und politische Verfolgung bzw. Flucht aus der Heimat steht ein reinrassiger Atzen-Refrain, der zuerst verstörend wirkt und doch eine verwerfliche Einstellung unserer Gesellschaft gekonnt widerspiegelt. Außerdem ist der Gastbeitrag von Henning May (Annenmaykantereit) positiv zu erwähnen, der dem Titelsong mit seinem intensiven Organ eine gänsehautverdächtige Atmosphäre beschert.
Die Beats des neuen Albums haben sich ebenfalls deutlich verändert. Wo früher massiv aufgepumpte Musik das Klangbild dominierte, ist der moderne Einschlag einem oftmals Oldschool-artigen Gewand und gewisser Schlichtheit gewichen. Dazu experimentiert das Quartett mit genrefremden Instrumenten wie einem Akkordeon („Ariane“). Dem leicht veränderten Image der Berliner Rapper steht diese Herangehensweise hervorragend und unterstreicht die Intensität der Texte deutlich.

K.I.Z. gehören auch mit „Hurra die Welt geht unter“, trotz ein bis zwei Durchhängern, weiterhin zur Speerspitze deutscher Rap-Formationen, die trotz vermehrter Ernsthaftigkeit ein gewisses Augenzwinkern nicht verloren haben und aktuelles Weltgeschehen in angemessener Direktheit aussprechen. Vor allem dieser Aspekt der kritischen Herangehensweise plus eine sehr gute Fähigkeit für Texte und Reime sind die große Stärke dieses fünften Studioalbums. Einige Fans werden sich wohl geprellt fühlen oder das gleichzeitig erschienene „Früher waren die besser“-Mixtape bevorzugen, was aber die Qualität dieses Werks in keinster Weise schmälert. Der Weltuntergang wäre somit eher eine Schande, da man sich nicht mehr an diesen 13 Songs erfreuen könnte.

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Wertung: 9 / 10

Publiziert am von Christian Denner

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