CD-Review: Kreator - Enemy Of God

Besetzung

Mille Petrozza - Gitarre, Gesang
Sami Yli-Sirniö - Gitarre
Christian "Speesy" Giesler - Bass
Jürgen "Ventor" Reil - Schlagzeug

Tracklist

01. Enemy Of God
02. Impossible Brutality
03. Suicide Terrorist
04. World Anarchy
05. Dystopia
06. Voices Of The Dead
07. Murder Fantasies
08. When Death Takes Its Dominion
09. One Evil Comes - A Million Follow
10. Dying Race Apocalypse
11. Under A Total Blackened Sky
12. The Ancient Plague
13. Impossible Brutality (video clip)


Mit „Enemy Of God“ bringen KREATOR, ihres Zeichens eine der erfolgreichsten Thrash-Metal-Bands aller Zeiten, ihr elftes Studioalbum an den Mann. Und was die Deutschen auf diesem Album zustande gebracht haben, hätten vermutlich nicht viele erwartet, wenn auch die „Violent Revolution“ aus dem Jahre 2001 wieder den richtigen Weg aufgezeigt hat. Es ist also erneut an der Zeit, die „Flag Of Hate“ zu hissen! Das Cover Artwork stammt aus der Feder Joachim Luetkes, der auch schon mit Dimmu Borgir und Rage zusammenarbeitete.

Den Anfang macht gleich der Titelsong, den interessierte Fans schon einmal über die offizielle Bandseite neben den beiden folgenden Titeln anhören durften. Bei „Enemy Of God“ bezieht sich Gitarrist und Sänger Mille Petrozza auf die Geschehnisse vom 11. September 2001. Direkt beim Anspielen der CD wird schnell deutlich, welche Richtung man mit diesem Werk eingeschlagen hat. Feuriges Riffing, donnerndes Schlagzeug und Thrash Metal in allerbester Manier. Bereits diese Nummer lässt viel Spannung auf den weiteren Verlauf des Albums aufkommen. Weiter geht es mit „Impossible Brutality“, einer gigantischen Nummer mit imposanter Drum-Einleitung. Hier floss sehr viel Aggression ein und schon der erste Eindruck „Impossible Brutality“s, was ganz zu Recht die erste Single des Albums ist, ist bärenstark. Auch der Videoclip wird laut Plattenfirma SPV für Furore sorgen. Als Thema nahm man sich der Abgestumpftheit der Menschheit an, die scheinbar die noch so schrecklichsten Tragödien seelenruhig am Bildschirm mitverfolgen können. Auffällig finde ich auch den freundlichen Gruß an Metallica inmitten des Tracks: Das Drumming gleicht im Grunde genommen dem von Metallicas „One“ wenn die Endphase eingeleitet wird.In beeindruckender Form wird dem Hörer mit „Suicide Terrorist“ das nächste Zeichen gesetzt. Schnelle Riffs und scharfe Hooks werden von nahezu durchgängigem Doublebass-Geschoss begleitet. Und wo wir vorhin schon bei Grüßen waren: Der nächste steckt in „World Anarchy“. Ein Schelm, wer beim einleitenden Schrei an Slayers „Angel Of Death“ denkt. Der Song hat eine ausgezeichnete Struktur, mal geht sehr typisch mit Gitarren- und Drumgefechten zu, im letzten Drittel hört man den guten Mille mit geradezu einfühlsam cleanen Vocals.
Auch Nummero fünf, „Dystopia“, hat seine Besonderheiten. Dies wird gleich zu Beginn klar, wo Mr. Petrozza eine recht ungewöhnliche Betonung aufsetzt. Der Song wartet mit einem schönen Solo auf und ist wunderbar abwechselungsreich. Durch gänzlich unverzerrte E-Gitarre wird „Voices Of The Dead“ eingeleitet. Die dann einsetzende klare Stimme lässt anfangs vermuten, hierbei hätte es der Hörer mit einer Ballade zu tun. Allerdings wirkt der folgende Schrei dann wie ein Befreiungsschlag und nahezu schwedische Riffs ergreifen das Zepter. Auch hierbei wird an Vielfalt ganz und gar nicht gegeizt. Der Chorus ist überaus eingängig und regt live ganz bestimmt zum Mitsingen an.

Die zweite Hälfte der „Enemy Of God“ wird durch klassische Heavy-Riffs beim Song „Murder Fantasies“ gestartet. Ganz ehrlich muss ich aber sagen, dass es der gute Refrain ist, der diesen Song noch zu retten weiß, ansonsten ist er der bis dato unauffälligste, auch wenn Arch Enemy-Gitarrist Michael Amott ein Solo beisteuerte. Ganz anders dagegen findet man mit „When Death Takes Its Dominion“ wieder eine harte Nummer mit tollen Staccato-Riffs und abwechselungsreichem Drumming. Wer inmitten dieses Titels den Kopf still halten kann, sollte sich Bon Jovi anhören…
„One Evil Comes – A Million Follow“ ist meiner Meinung nach wieder etwas unauffälliger, wenn auch ein kompliziertes Solo gegen Ende des Songs belebend wirkt. Einer meiner persönlichen Killersongs auf dem Album heißt „Dying Race Apocalypse“, welcher durch zurückhaltendes Gitarrenspiel angeläutet wird. Wieder könnte man ein sehr ruhiges Lied vermuten und wieder macht Mille den Balladen-Fans mit einem gewaltigen Schrei einen Strich durch die Rechnung und geht es nur noch „straight forward“. Der Chorus ist in der Tat sehr mitreißend und beeindruckend. Auch die weitere Gitarrenarbeit zeigt, warum Kreator mit die absolute Speerspitze der Thrash-Szene ausmachen.
Munter ans Werk geht es weiter bei „Under A Total Blackened Sky“. Auf ein songeigenes Intro wurde verzichtet und man startet gleich voll durch. Hierbei haben wir es erneut mit einer extrem eingängigen Nummer zu tun, die sich schnell in den Gehörgang beißt. Den Abschluss macht letztendlich eine ganz starke Hymne namens „The Ancient Plague“. Der Anfang hört sich sehr mysteriös an, aber dann wird schnell wieder auf die Tube gedrückt. Das Riffing ist genial und über die vollen knapp sieben Minuten des Titels wird es nicht ansatzweise langweilig. Alleine wegen diesem gigantischen Übersong lohnt es sich für kommende Kreator-Anhänger sofort zuzuschlagen, einen solchen Songs hört man selten!

Was soll man zu diesem Album vor lauter Begeisterung noch sagen? Kreator haben mit diesem Paukenschlag deutlich gemacht, wer die Nummer 1 des Genres in Deutschland ist. „Enemy Of God“ schlägt vielleicht die „Reign In Blood“ aufgrund ihrer Historie nicht, aber mir fällt nach vielen Durchläufen dieser Platte kein Album der letzten Jahre ein, welches so verdammt stark ist. Empfehlen braucht man dieses Album nicht, entweder als Freund des Thrash Metals schlägt man zu, oder man lässt sich das beste Thrash Metal Album seit Mitte/Ende der Achtziger entgehen!

Bewertung: 9.5 / 10

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