Interview mit Sami Yli-Sirniö von Kreator

Mit „Gods Of Violence“ gelang KREATOR unlängst die fulminante Rückkehr auf den Thron des „Teutonic Thrash Metal“. Gitarrist Sami Yli-Sirniö über die Entstehung des Albums, NWOBHM-Einflüsse, gnadenlose Booker und seine Tricks, auf Tour auch an einem schlechten Tag in die richtige Stimmung für eine gute Show zu kommen.

Hallo Sami, wie geht es dir? Wo seid ihr gerade?
Hi! Alles gut, danke der Nachfrage. Wir sind gerade in Metz in Frankreich, wo wir die Pre-Production für unsere Tour bestreiten, die am 01.02. startet. Die Stimmung ist absolut spitze!

Was erwartest du dir von den Konzerten der angesprochenen Tour mit Sepultura, Soilwork und Aborted?
Ich kenne alle Bands schon von früher und mag ihre Musik ziemlich gerne. Es wird eine unvergessliche Metal-Nacht! Wir haben jede Menge visuelle Extras in unserer Show und die ganze Band ist aufgeregt, die neuen Songs endlich vor Publikum zu spielen.

Hattest du schon Gelegenheit, das neue Sepultura-Album „Machine Messiah“ anzuhören? Was hältst du von dem Album?
Ja, die erste Single habe ich mir schon vor einiger Zeit angehört. Die Streicher-Arrangements am Ende des Songs sind einfach der Wahnsinn. Außerdem ist ihr „neuer“ Schlagzeuger ein Tier! Ich kann gar nicht erwarten, ihn das live runterreißen zu sehen!

Und was dürfen wir uns konkret von eurer Show erwarten? Es war ja von der aufwändigsten Tour-Produktion, die ihr je hattet, die Rede. Was ist diesmal so besonders?
Wir haben LED-Leinwände mit einem Haufen Effekten, Nebelwerfer… all so Zeug. Ich will nicht alles schon verraten. Aber die Hauptsache ist, dass wir die neuen Songs vom neuen Album spielen. Momentan sind mindestens sechs Neue in der Setlist!

Glaubst du, es ist ein Nachteil, dass das Album erst so kurz vor der Tour erschienen ist und viele Fans die Songs noch nicht gut kennen?
Ganz zu Anfang vielleicht, aber dafür bekommen sie die Stücke ja auf der Tour zu hören.

Ihr spielt diesmal 22 Shows mit nur wenigen Tagen Auszeit dazwischen – freust du dich auf diesen Kraftakt noch genauso wie damals, als du als Musiker das erste Mal auf Tour gegangen bist, oder siehst du heute auch die Schattenseiten?
Unser Booker gönnt uns nicht viele Ruhetage. Aber das ist vor allem für die Crew heftig. Für uns Musiker ist das kein Problem – zumindest in unserem Fall. Das Herumreisen fühlt sich wie Arbeit an – das Musikspielen nicht. Zumindest noch nicht.

Was magst du am Touren besonders, was überhaupt nicht?
Ich mag es, jeden Morgen in einer anderen Stadt aufzuwachen. Natürlich nicht mehr so wie damals, als ich 20 war, aber trotzdem immer noch. Neue Orte zu sehen und neue Leute zu treffen macht immer Spaß. Was ich nicht mag, sind Flughäfen und die Warterei. Aber so lange Leute kommen, um sich unsere Shows anzusehen, würde ich mich nie darüber beschweren!

Jeder hat mal einen schlechten Tag. Was machst du auf Tour an einem solchen, um trotzdem in die Stimmung für eine gute Show zu kommen?
Natürlich, das geht jedem so. An einem solchen Tag buche ich mir manchmal ein Hotel, um zumindest für ein paar Stunden aus dem ganzen Trubel rauszukommen. Aber das passiert wirklich selten.

Sodom und Destruction haben ihre neuen Alben „Decision Day“ beziehungsweise „Under Attack“ bereits vor einiger Zeit veröffentlicht, jetzt habt ihr mit „Gods Of Violence“ nachgelegt. Kennst du ihre letzten Alben und baut das in gewisser Weise Druck auf, sie zu überbieten?
Sodom und Destruction machen natürlich ähnliche Musik wie wir, aber innerhalb des Genres ist unser Stil trotzdem ziemlich unterschiedlich. Ich habe nicht das Gefühl, dass es da einen Wettstreit zwischen uns gibt. Sie machen ihr Ding und wir machen unsres. Musik ist immer Geschmacksfrage, deswegen kann es da meiner Ansicht nach gar keinen Konkurrenzkampf geben.

Euer neues Album, „Gods Of Violence“, ist auffällig gitarrenlastig – die Sologitarren und Melodien dominieren die Musik. War diese Entwicklung Absicht oder Zufall?
Wir hatten beim Songwriting keine Regeln oder Dogmata aufgestellt. Alles geht einfach seinen Weg, ganz abhängig davon, was wir denken, dass die Songs noch brauchen. Wir haben bei KREATOR immer schon extrem viele Leadgitarren und Soli. Das ist der Grund, warum ich so viel Spaß daran habe, diese Musik zu spielen. Das ist die Art von Musik, die ich selbst liebe – warum also nicht versuchen, es auch selbst so zu machen?

Einige Stellen erinnern fast an NWOBHM oder gar Power Metal. Siehst du das auch so und sind das Genres, die du selbst magst?
Ich verstehe die NWOBHM-Referenz, nachdem wir allesamt seit frühester Kindheit Maiden-Fans sind, auch wenn wir selbst einen anderen Sound machen. Was Power Metal angeht, muss ich dabei immer an hochgepitchten Gesang im Opern-Stil denken. Das haben wir bei KREATOR nicht – und auch musikalisch sind wir, glaube ich, einen anderen Weg gegangen. Aber um ehrlich zu sein, weiß ich nicht so viel über Power Metal. Helloween oder Stratovarius sind auf ihre Art gute Bands, klingen in meinen Ohren aber sehr anders als KREATOR.

Wie läuft bei euch generell das Songwriting? Schreibt ihr an den Songs über Jahre hinweg oder seid ihre eine der Bands, die nur ein paar fokussierte Wochen brauchen, um ein Album zusammenzustellen?
Das geht bei uns über Jahre. Aber die Zeit, bevor wir ins Studio gehen, ist natürlich die, in der wir am fokussiertesten arbeiten.

Persönlich gefällt mir das Artwork nicht sonderlich – ich finde, es schaut ziemlich zusammenhangslos zusammengestückelt und auch recht unspezifisch aus – vom KREATOR-Schädel abgesehen könnte es für eine beliebige Band aus dem Death- / Thrash-Sektor Verwendung finden. Wie stehst du zu dem Bild und warum ist es deiner Ansicht nach die perfekte Visualisierung für „Gods Of Violence“?
Bezüglich „perfekt“ weiß ich nicht so recht, aber es gibt dir eine Idee. Die Musik diente dem Künstler als Inspiration. Außerdem gibt es ja zwei verschiedene Versionen.

Richtig, die amerikanische Ausgabe hat ein anderes Artwork. Warum?
Beide Angebote kamen quasi gleichzeitig rein.

Wie viel Einfluss habt ihr generell auf das Layout eines Albums? Seid ihr da noch die Ideengeber und Entscheider oder habt ihr das an euer Label abgegeben?
Mille hat den Künstler ausgewählt und stand auch in Kontakt mit ihm.

Mille hat vor einiger Zeit in einem Fan-Chat auf Facebook gesagt, es gäbe Pläne für eine gemeinsame Tour der „Big Teutonic 4“ des Thrash Metal – KREATOR, Destruction, Sodom und Tankard. Gibt es dazu schon konkretere Infos?
Nicht, soweit ich weiß. Aber wir haben in der Vergangenheit ja bereits mit diesen Bands getourt. Insofern sehe ich nichts, was dagegenspräche, es wieder zu tun. Die Bands sind allesamt großartig – nur dieser ganze Slogan klingt in meinen Ohren ein bisschen naiv.

Zu guter Letzt: Was hast du mit deinen anderen Bands, WALTARI und BARREN EARTH, als nächstes so geplant?
Bei WALTARI spiele ich live nicht mehr mit. Wir haben im Oktober letzten Jahres unsere Geburtstagsshow zum 30-jährigen Jubiläum absolviert, mit einem Streicher-Sextett, einem Opernsänger und diversen anderen Gastmusikern – das hat Spaß gemacht. Mit JIMSONWEED, einem anderen alten Bandprojekt von mir, haben wir vor ein paar Monaten das Album „Ghosts Of Kopli“ via Svart Records veröffentlicht. Wenn dich das interessiert: Das Album ist auf Spotify zu finden! Was BARREN EARTH angeht, bereiten wir uns gerade darauf vor, unser viertes Album und damit den Nachfolger zu „On Lonely Towers“ aufzunehmen, das dieses Jahr noch über Century Media erscheinen soll. Alles in allem also viel los, was bedeutet, dass ich definitiv nicht müde geworden bin, Gitarre zu spielen.

Vielen Dank für das Interview! Zum Abschluss ein kurzes Brainstorming
Donald Trump: Hat die Wahlen nach Bürgerstimmen verloren, ist jetzt aber leider der Präsident der USA. Ich bin enttäuscht.
Brexit: Wird unser Leben als Europäer schwieriger machen. Manchmal sollten die Leute besser nicht das Recht haben, über solche Angelegenheiten abzustimmen.
Winter in Finnland: Zu lang. Sollte man vermeiden.
Metallicas „Hardwired… To Self-Destruct“: Bluesige Soli, aber ein paar coole Songs. Ich muss ihm mal noch einen Durchlauf gönnen.
KREATOR in zehn Jahren: Hoffentlich noch aktiv, aber das muss sich dann zeigen.

Danke für deine Zeit und Antworten – die letzten Worte gehören dir:
Vielen Dank für dein Interesse – wir sehen uns auf Tour!