Review Lacrimas Profundere – Lay Me Down O Silent Fear

LACRIMAS PROFUNDERE haben in 33 Jahren ihrer Existenz einen beachtlichen Karriereweg hinter sich und dabei nie die Veränderung gescheut. Denn obwohl sich die Band auch in Sachen Besetzung im Grunde einmal runderneuert hat – ex-Sänger Christopher Schmidt agiert bekannterweise nur noch als Texter im Hintergrund und bis auf Gründungsgitarrist Oliver Nikolas Schmid ist aus dem Gründungs-Lineup kein Mitglied mehr in der Band verblieben – war an kreativen Stillstand nie zu denken. So wurde der Sound der Truppe in den letzten Jahren wesentlich härter, und Elemente aus dem Doom- und Melodic Death Metal ergänzen seither das melancholische Klangfundament.

„Lay Me Down O Silent Fear“, das derweil 14. Album der Formation, schickt sich vier Jahre nach dessen Vorgänger „How To Shroud Yourself With Night“ an, Neues zu bewahren und an Altes zu erinnern. Mit „Days Of Doom“ und „Nevermore“ startet die Platte zuerst zurückhaltend. Die treibenden Arrangements von Gitarrist Oliver und Schlagzeuger Dominik sorgen einleitend eher für Drive als die große Emotion. Die feinen kleinen Lead-Melodien, die aber schon hier immer wieder durchschimmern, lassen auf Größeres hoffen. Sänger Julian zeigt indes, dass sowohl sein Klargesang als auch Growls und Screams eine neue Stufe der Qualität erreicht haben.

Und wo wir gerade bei Qualität sind: Mit Songs wie „O Silent Fear“ und „Faceless“ schöpfen LACRIMAS PROFUNDERE gänzlich aus dem Vollen. Ersterer punktet direkt mit amtlichen INSOMNIUM-Vibes an den Gitarren und zeigt auch in Sachen Dynamik und Genrevielfalt, dass die Truppe längst nicht mehr nur eine melancholische Rock-Band ist. Wer zum Beispiel „Disappear In You“ („How To Shroud Yourself With Night“) geliebt hat, der wird mit der tollen Gitarrenarbeit und den treibenden Schlagzeug-Arrangements von „O Silent Fear“ seine pure Freude haben.

Schade jedoch ist, dass nicht jeder der zehn neuen Songs dieses hohe Niveau halten kann. Das bedeutet freilich nicht, dass Titel wie „Agony (In Dread And Dust)“ und „Arcane Promises“ schlecht wären. Denn obwohl jede Menge Keyboard-Epik durchaus eine gewisse Atmosphäre mitbringen, wirkt die Komposition bei diesen Tracks vergleichsweise austauschbar. Das ist besonders deshalb bedauerlich, weil die abschließenden Positionen „Veil XV“ und „At The End Of A Dream Lies The Hope You Once Killed“ noch einmal die großen Stärken von „Lay Me Down O Silent Fear“ bündeln. Catchy Refrains und viel Theatralik treffen noch einmal auf dicke Grooves und tolle Melodien. Damit liefern die Jungs am Ende genau das, was man von ihnen erwarten darf.

Eines muss man LACRIMAS PROFUNDERE lassen: Sie ziehen ihren Stiefel unbeirrbar durch und halten sich (trotz gelegentlicher genrekonventioneller Kitsch-Eskapaden) mit ihren Alben auf konstant hohem Niveau. Noch mehr als zuletzt spürt man auf „Lay Me Down O Silent Fear“ einerseits die Wertschätzung gegenüber der eigenen Vergangenheit und gleichsam ein absolutes Bewusstsein für die Moderne der heutigen Zeit, ohne sich (zumindest musikalisch) anbiedern zu müssen. Dass es bei der Performance von Sänger Julian teils frappierende Ähnlichkeiten zu HIM, SLIPKNOT, BULLET FOR MY VALENTINE und TRIVIUM gibt, fällt sicherlich auf, vor dem Hintergrund dieser ansonsten sehr soliden Veröffentlichung jedoch nicht ins Gewicht.

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Wertung: 7.5 / 10

Philipp Sorger

Publiziert am von

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