Review Lamb Of God – Into Oblivion

  • Label: Century Media
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Thrash Metal

Wer auf der Suche nach einem guten Beispiel für die Macht der Bildsprache ist, wird derzeit bei LAMB OF GOD fündig: Die Thrasher aus Richmond, Virginia, hatten mit „Into Oblivion“ ihr neues Album angekündigt – und noch ehe sich irgendwer mit der Musik beschäftigt hatte, entbrannten Diskussionen über das neue Bandlogo. Befeuert wurde diese dadurch, dass Sänger Randy Blythe schnell mit einer Erklärung für die Änderung zur Stelle war: Das alte Logo habe „wie die Speisekarte eines Falafel-Restaurants“ ausgesehen. Wie glücklich jene Fans über diese nun ins Gehirn gebrannte Assoziation sind, die sich das Logo in den vergangenen 25 Jahren tätowieren ließen, ist nicht bekannt. Klar hingegen ist: Das Spiel mit Assoziationen im Internet ist gefährlich.

Während also Blythes Aussage in den Kommentarspalten wie auch auf Reddit eher kritisch bis humorvoll kommentiert wird, sind sich die Fans dort einig: Das neue Logo, von dem sich LAMB OF GOD nun offensichtlich besser repräsentiert fühlen, erinnert eher an ein generisches Firmen- oder Produktlogo, etwa für billige Arbeitsstiefel, ein Free-to-Play-Game oder – vor allem gemeinsam mit dem Albumcover – das Schachteldesign von Computer-Hardware aus den 2000er-Jahren. Mit anderen Worten: an etwas ziemlich Langweiliges.

In diesem Punkt wiederum haben LAMB OF GOD schon recht, wenn sie die Visualisierung ihres neuesten Outputs für gelungen halten – denn „Into Oblivion“ ist ein sehr langweiliges Album geworden. So monumental der Opener und Titeltrack den Reigen auch eröffnet – bis zum Ende dieses Songs sind die LAMB-OF-GOD-Trademarks in Riffing, Gesang und Arrangement dann auch schon abgearbeitet. Aber LAMB OF GOD machen weiter und weiter … und weiter. So wie sich der wohl absichtlich zähe Song „Sepsis“ zu Beginn zieht, zieht sich auch das Album – das aber wohl ungewollt.

Mit „El Vacio“ kommt in der Mitte des Albums der obligatorische Track mit Clean-Gitarren-Intro – und veranschaulicht besser als alle anderen das Problem des Albums: Dass ein LAMB-OF-GOD-Song nach diesem Konzept funktionieren kann, hat die Band schon öfter, beispielsweise mit „Overlord“ auf „VII – Sturm und Drang“, eindrucksvoll bewiesen. Die neueste Version wirkt dagegen wie ein lauwarmer Aufguss. Dass „St. Catherines Wheel“ sehr aktiv versucht, zu klingen, als wäre es eigentlich ein „Sacrament“-Song, kann man gut finden oder langweilig. Fakt ist: Mehr als „more of the same“ bekommt man auf „Into Oblivion“ nicht geboten – vor allem aber fehlt es den Songs nicht nur an Charakter, sondern an Pep.

Wenn Gitarrist Mark Morton für den Pressetext zu Protokoll gibt, der Kerngedanke des Albums sei gewesen, „nicht das Gefühl zu haben, irgendwelchen Trends oder Erwartungen gerecht werden zu müssen“, sondern „in Sachen Kreativität Raum zum Atmen zu haben“, fragt man sich doch, in welcher Hinsicht er sich beim Songwriting für die letzten Alben limitiert gefühlt haben mag. Zu hören ist der Unterschied jedenfalls nicht, ein befreites Aufspielen ist zumindest für Außenstehende nicht herauszuhören. Unüberhörbar hingegen ist die Sozialkritik im Textwerk, bis hin zum Albumtitel „Into Oblivion“ – in die Bedeutungslosigkeit, auf die Amerika in den Augen von Randy Blythe zusteuert: „Im Allgemeinen handelt das Album vom anhaltenden und raschen Zerfall des Gesellschaftsvertrags, insbesondere hier in Amerika. Dinge, die vor 20 Jahren noch entsetzt hätten, werden heute hingenommen.“ Dass der Mann damit recht hat, steht außer Zweifel – dass LAMB OF GOD das in Zeiten wie diesen aber (für eine US-amerikanische Band) auch so unmissverständlich zum Ausdruck bringen, verdient Anerkennung.

Nach knapp 40 Minuten muss man dennoch konstatieren: Das Problem von LAMB OF GOD war nie ihr Logo. Das Problem dieser Band ist, dass „Into Oblivion“ so fad klingt, wie schlechte Falafel schmecken. Immerhin: Dazu passt das Albumkonzept, vom generischen Logo bis zum Titel. Denn wenn LAMB OF GOD so belanglos weitermusizieren, gibt dieser klar die Richtung vor: „Into Oblivion“ – in die Bedeutungslosigkeit.

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Wertung: 6.5 / 10

Moritz Grütz

Publiziert am von

5 Kommentare zu “Lamb Of God – Into Oblivion

  1. Review triffts genau!
    Ich dachte ich wäre alleine, aber anscheinend finden das neue Album doch einige Leute ziemlich lahm. Ich würde sogar sagen, dass es das schlechteste LOG Album ist. Leider. Hab mich auf was richtig geiles gefreut und wurde leider durchweg enttäuscht. Man muss die LOG-Fanboy-Brille abnehmen und es objektiv betrachten. Dann ist das nur ein weiteres Groovemetalalbum ohne besondere Bedeutung.

  2. Ganz ehrlich, ich kann mich dieser Review nicht anschliessen. Ich finde das Album sehr gut, eine klare 8/10. Es ist abwechslungsreich, grooved as hell, die Gitarrenarbeit ist formidabel und der Gesang ist abwechslungsreicher denn je.
    Ich habe auf mehreren Webzines gesehen, dass sie mit solch einer Wertung abgestraft wurden, wobei die User-Wertungen sich eher mit meiner decken.
    Keine Ahnung woran das liegt.

    1. Bin auch etwas überrascht über das harte Urteil. Dass das alles nur mehr vom Immergleichen sei, habe ich bei den letzten paar Alben so empfunden (die ja zumindest wertungstechnisch bei Metal1 wesentlich besser wegkamen), weshalb ich die auch quasi nie höre, aber gerade hier auf „Into Oblivion“ zumindest nur noch teilweise. Die zweite Hälfte fällt zwar leider deutlich ab hinsichtlich Qualität, aber die erste Albumhälfte finde ich stärker als den kompletten Output der letzten Jahre. Auch „Sepsis“ z.B., der ja hier im Review als zäh bezeichnet wird. Für mich jedenfalls das spannendste Album seit mindestens „Resolution“.

      1. Und @Dennis es gibt aber auch mehrere durchaus kritische Webzines, die es anders sehen. Angrymetalguy z.B., die ja ein ziemlich strenges Wertungssystem fahren, nennen es mit 3.5/5.0 „the best thing Lamb of God has done since Wrath“.

      2. Ich denke, da spielen zwei Aspekte rein. Zum einen ist Erwartungshaltung bei einem komplett geänderten auftreten in Sachen Logo und Visualisierung – zumindest bei mir – dass ich auch musikalische etwas entwickelt. Zum anderen finde ich die Songs (auch für traditionell im bandeigenen Stil gehalten) einfach langweiliger.

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