CD-Review: Long Distance Calling / Leech - 090208 (Split)

Besetzung

Long Distance Calling:
Dave - Gitarre
Florian - Gitarre
Jan - Bass
Janosch - Schlagzeug
Reimut - Atmosphäre

Leech:
Marcel Meyer – Gitarre, Klavier, Synthesizer
Urs Meyer – Gitarre, Klavier
David Hofmann – Bass, Gitarre
Serge Olar – Schlagzeug
Tobias Schläfli – Synthesizer

Tracklist

Long Distance Calling:
01. Metulsky Curse Revisited
02. Black Bird Vs. Red Bug
03. Intermission

Leech:
04. Oktober
05. Inspiral


„090208“ ist, man ahnt es beim Lesen der Interpreten recht bald, eine Split-CD und vereint zwei der geachtetesten Undergroundbands des Post Rock überhaupt. LONG DISTANCE CALLING machten zuletzt mit „The Satellite Bay“ auf sich aufmerksam, während LEECH die Presse mit „The Stolen View“ zu begeistern wussten, welches relativ zeitnah zur Split erschien . Technisch gesehen werden 5 Songs geboten, wobei jede Band zwei Stücke beigesteuert hat und eine „Intermission“ zwischen den Beiträgen überleitet.
LONG DISTANCE CALLING beginnen mit dem „Metulsky Curse Revisited“, einem siebeneinhalb-Minüter, der sich bereits beim ersten Hören als wahnsinnig einprägsame, warme Nummer präsentiert. Der Ohrwurm ist also garantiert, denn egal ob die gefühlvollen Basslinien oder die schwelgenden Gitarren – Alles bleibt ohne wenn und aber in den Gehörgängen sitzen. Zwischendurch gibt’s immer mal wieder Abstecher in rifflastigere, fast metallisch anmutende Gefilde. Verfeinert durch das ein oder andere Sample und mit einem hohen Maß an Abwechslung bekommt man also genau das serviert, was einen guten Post Rock-Song ausmacht. Auf „Red Bird vs. Black Bug“ trifft das ebenso zu, aber auf gänzlich andere Weise, werden hier doch zwischen lässigen Bass-Vibes immer mal wieder unheilvolle, in diesem Milieu sogar verstörende Klänge aufgefahren. Alles übrigens gänzlich ohne Gesang, was der Musik überaus zuträglich ist – zwischen derartigen Soundcollagen hätte eine Stimme wohl Probleme, sich angemessen zu behaupten.

Daumen hoch also für den ersten Teil der Split, und weil es so schön ist, tun uns LEECH den Gefallen und machen genau da weiter, wo LONG DISTANCE CALLING aufgehört haben. Natürlich erst nach der „Intermission“, welche in ihrer Funktion zwar Sinn macht, aber eigentlich nicht weiter hervorsticht. „Oktober“ klingt dann wie es heißt, melancholischer als die Kollegen, ohne Samples, dafür aber mit Explosions in the Sky-Touch wird hier ebenfalls recht breitwandig aufgespielt. Auch „Inspiral“, ein Track von „The Stolen View“, wirkt wie das gesamte Material der Scheibe äußerst durchdacht und geplant, aber dennoch in seiner emotionalen Wirkung spontan und intuitiv. „Inspiral“ ist mit 13 Minuten dann auch der einzige Longtrack der Scheibe.

Fassen wir zusammen, wir haben also vier Knaller-Songs, die sich rauf und runter hören lassen, ohne irgendwann weniger spannend zu werden. „Pflichtkauf“ ist die logische Folgerung, und hierzu muss ich auch ein klares „Jein“ äußern: Denn die Songs mögen allesamt äußerst cool sein, bringen es aber mit dem Zwischenspiel auf gerade 33 Minuten. Nimmt man den Longtrack „Inspiral“ weg, der ja auch auf „The Stolen View“ ist, was man sowieso besitzen sollte, bleiben 20 Minuten Spielzeit. Zudem kann man sich fast alle Songs auch auf den MySpace-Seiten der Bands anhören.
Im Endeffekt bleibt es also eine Geldfrage – Vollpreis würde ich für diese Split nicht unbedingt zahlen wollen, qualitativ ist ein Kauf aber in jedem Fall gerechtfertigt. Primär rate ich also zu den aktuellen Alben beider Bands, die quantitativ doch deutlich ergiebiger sind, wer einen „Appetizer“ braucht, ist mit „090208“ aber auch gut beraten.

Keine Wertung

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