Månegarm Ynglingaättens Öde Coverartwork

Review Månegarm – Ynglingaättens Öde

Nach über 25 Jahren segeln die Wölfe von MÅNEGARM noch immer über die Viking-Metal-Meere und haben noch lange nicht alle ihre Geschichten erzählt. Wie gewohnt bedienen sich die Schweden ihrer reichhaltigen Mythologie und nehmen sich auf „Ynglingaättens Öde“ das Gedicht Ynglingatal vor, das den königlichen Stammbaum des Geschlechtes der Ynglinga beschreibt. MÅNEGARM setzen uns aber wie gewohnt keine dröge, pseudo-historische Erzählung vor, sondern verpacken die Thematik auf ihrem zehnten Album absolut mitreißend.

Der Opener „Freyrs Blod“ ist mit knapp über zehn Minuten der längste Track der MÅNEGARM-Discografie – eine spannende Entscheidung in der Tracklist. Die lyrische Verarbeitung (fast) aller Tode des Ynglinga-Geschlechtes braucht eben seine Zeit und MÅNEGARM schaffen es, diesen Longtrack ohne jegliche Längen wie im Flug vergehen zu lassen. Wie einst im hohen Norden geht es auch in diesem Track erstmal wild und ungestüm zu, MÅNEGARM zeigen ihre schwarzmetallischen Wurzeln und kommen mit wilden Uptempo-Attacken und aggressiven Riffs um die Ecke. Gleichzeitig dominiert von Anfang an der typische MÅNEGARM-Sound mit folkigen Melodien und treibender Heavy-Metal-Rhythmik. Mit „Freyrs Blod“ zeigen die drei Schweden mit stark gesetzten Breaks, heroischen Gesängen, eingängigen Melodien und der großartig abgestimmten Mischung aus Folk, Black und Heavy Metal alles, was sie in den letzten Jahren ausgemacht hat und liefern einen karrieredefinierenden Track.

Die sieben weiteren Songs behandeln jeweils einen der Ynglinga im Einzelnen und zeigen dabei die musikalische Varianz von MÅNEGARM. „Adils Fall“ etwa bleibt mit seinem schweren Riff vorwiegend im Midtempo, das getragene „En Snara Av Guld“ besticht mit emotionalen Melodien und dem sanften Gesang von Erik Grawsiös Tochter Lea Grawsiö Lindström. „Hågkomst Av Ett Liv“ bleibt komplett akustisch und transportiert die Hörer ohne Umschweife an ein nächtlich knisterndes Lagerfeuer, an dem man sich mystische Geschichten erzählt. Dass MÅNEGARM das können, haben sie seit ihrer Akustik-EP „Urminnes Hävd – The Forest Sessions“ (2006) auch des Öfteren bewiesen. „Stridsgalten“ mit seinen stampfenden Riffs, „Auns Söner“ mit spannender Black-’n‘-Roll-Dynamik und das düstere „Vitta Véttr“ mit überraschenden Doublebass-Ausbrüchen lassen keinen Zweifel an MÅNEGARMs breitem Spektrum aufkommen. In ihrem Genre decken die Nordmänner fast alle Facetten ab und klingen dabei zu jeder Sekunde einfach unverwechselbar nach MÅNEGARM.

Dass die Texte komplett auf Schwedisch vorgetragen werden, erschwert das Verständnis der Geschichte natürlich. MÅNEGARM schaffen hier aber Abhilfe und haben im Vorfeld zu jedem Song ein eigenes Artwork inklusive Erläuterung sowie englischer Übersetzung der Lyrics veröffentlicht. Das ist große Klasse und zeigt die Begeisterung der Band für ihr Thema. Ebenfalls klasse ist, dass sie nach wie vor in ihrer Muttersprache singen, obwohl sie mit englischen Texten vielleicht ein breiteres Publikum erreichen könnten. Als Quasi-Bonustrack ist mit „The Wolfheart“ eine englischsprachige Version von „Ulvhjärtat“ enthalten. Die Texte sind in den Strophen durch die knorrigen Growls zwar auch hier nur schwer verständlich, der Klargesang im Refrain aber verdeutlicht den Unterschied deutlich und beweist auch, warum MÅNEGARM gut daran tun, auf Schwedisch zu singen: Das klingt einfach organischer, ehrlicher und schlicht besser.

„Ynglingaättens Öde“ ist ein großartiges Viking-Metal-Album voller starker Melodien geworden. Für alle MÅNEGARM-Fans, die die schwarzmetallischere Ausrichtung der ersten beiden Scheiben nicht vermissen, könnte das zehnte Album vielleicht das beste überhaupt sein. „Ynglingaättens Öde“ hat alles, was diese tolle Band ausmacht und zeigt die Schweden auf dem Höhepunkt ihres Schaffens. In einem Genre, in dem oft schon alles gesagt scheint, sind MÅNEGARM einzigartig und klingen durch und durch ehrlich. Eine wundervolle Scheibe voller Hymnen, die auch einfach für eine gute Zeit sorgt.

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Wertung: 9 / 10

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