CD-Review: Memoriam - Requiem For Mankind

Besetzung

Karl Willetts – Gesang
Scott Fairfax – Gitarre
Frank Healy – Bass
Andrew Whale – Schlagzeug

Tracklist

01. Shell Shock
02. Undefeated
03. Never The Victim
04. Austerity Kills 05. In The Midst Of Desolation
06. Refuse To Be Led
07. The Veteran
08. Requiem For Mankind
09. Fixed Bayonets
10. Interment


Als 2017 aus der Asche von Bolt Thrower und Benediction MEMORIAM erwuchsen, hatte die Band leichtes Spiel: Death-Metal-Fans gelten ja als treue Seelen – und nicht unbedingt als innovationssüchtig. So konnte For The Fallen eigentlich nur gut ankommen. Zumal MEMORIAM absolut solide, mitunter sogar herausragende Arbeit ablieferten.

Als nur ein Jahr später „The Silent Vigil“ nachgeschoben wurde, sah es anders aus. Denn was der Death-Metaller als solcher nicht ausstehen kann, ist, ausgeschlachtet zu werden. Wie hier, mit elf gesichtslosen Death-Metal-Songs, die qualitativ absolut unter dem Niveau der durchwegs bekannten Musiker von MEMORIAM lagen. Wieder nur ein Jahr später ist nun „Requiem For Mankind“ erschienen – der nächste Schnellschuss, oder tatsächlich Zeugnis überbordender Kreativität?

Tatsächlich stimmt bereits der Opener „Shell Shock“ versöhnlich: Fettes Riffing, eine schöne, zwischengeschobene Melodie und der etwas weniger aufdringlich abgemischte Gesang machen direkt wieder mehr Freude. Auch der Gesang selbst überrascht: Dass Karl Willetts‘ Gesang nie mehr nach Bolt Thrower klingen wird, ist zwar Fakt. Zumindest bekommt Willetts auf „Requiem For Mankind“ aber wieder ein (wenn auch recht flaches) Growling hin, nicht nur aufdringliches Grölen wie auf „The Silent Vigil“ .

Auch sonst ist „Requiem For Mankind“ das deutlich solidere Album: Das fängt beim wieder spannender anzusehenden Dan-Seagrave-Artwork an, gilt für die 48 Minuten Songmaterial und reicht bis zum Sound. Fehlte dem Vorgänger in diesem Aspekt jeder Druck, kann man sich diesmal nicht beschweren. Russ Russell, der zuletzt etwa „To Drink From The Night Itself“ von At The Gates zu seinem starken Sound verholfen hatte, gelingt hier nämlich, woran andere zuvor gescheitert sind: MEMORIAM kraftvoll und differenziert klingen zu lassen.

Und die Songs selbst? Sind eben Old School Death Metal. Auch auf ihrem dritten Album gehen MEMORIAM weder Kompromisse ein, noch wagen sie große Experimente. Dennoch klingt auch das Songmaterial wieder deutlich ausgegorener als auf dem zweiten Werk: Die schönen Gitarrenleads, die sie immer wieder einstreuen, lockern gelungen auf, während das Riffing wie gewohnt schiebt. Einzig an die traurige Düsternis des Debüts reicht auch das dritte Album von MEMORIAM nicht heran.

MEMORIAM sind 2019 sicher nicht mehr die Überraschungsband, die sie 2017 waren. Die Tatsache, dass sie nun bereits ihr drittes Album in drei Jahren abliefern, hat der Band wohl eher geschadet als genutzt – zu austauschbar, zu schlecht produziert war das zweite Album. Von diesem Ruf der übereifrigen Schundproduzenten müssen MEMORIAM sich jetzt erst einmal wieder befreien. „Requiem For Mankind“ ist da zumindest ein Anfang: Spektakulär oder zwingend ist hier zwar nichts, ganz unterhaltsam ist das Album aber dennoch.

Bewertung: 7 / 10

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