Review Memoriam – The Silent Vigil

  • Label: Nuclear Blast
  • Veröffentlicht: 2018
  • Spielart: Death Metal

Für Bolt-Thrower-Fans erfüllte sich mit dem Memorial-Projekt MEMORIAM für den 2015 verstorbenen Schlagzeuger Martin „Kiddie“ Kearns zumindest die Hoffnung, nochmal Musik von Karl Willetts und Andrew Whale zu hören. Die Reaktionen auf das Debüt fielen allerdings eher durchwachsen aus. Nur ein Jahr nach „For The Fallen“ legen die Briten nun mit „The Silent Vigil“ nach. Dafür, dass zunächst unklar war, ob es überhaupt noch ein zweites Album geben würde, ging das erstaunlich schnell.

Wie nicht anders zu erwarten, bieten MEMORIAM auch auf ihrem zweiten Album Midtempo-Death-Metal mit unüberhörbarem Punk-Einschlag, wie er schon beim Debüt für Freude bei den einen und Unverständnis bei den anderen gesorgt hatte. Mit Bolt Thrower, wie die Fans sie liebten, hat auch „The Silent Vigil“ jedenfalls nicht allzu viel zu tun. Vielmehr klingen Songs wie „From The Flames“ nach Six Feet Under (auf Speed) in dubioser Kollaboration mit The Exploited: Während erstere Assoziation durch das groovige Midtempo-Riffing geweckt wird, rührt zweitere von den primitiven Songstrukturen und Willetts Gebelle her: Dessen Gesang klingt diesmal so heiser und kraftlos wie noch nie und ist technisch nicht mehr weit vom Gegröle eines Wattie Buchan entfernt, wenn der mal wieder einen schlechten Tag erwischt hat.

Auch von der getragenen, doomig angehauchten Melodik des Debüts ist leider wenig übrig: Das Wechselspiel zwischen primitiven Riffs mit viel Schub nach vorne und getragenen Leadgitarren, das beispielsweise einem „Reduced To Zero“ seinen Charme verleiht, fehlt diesmal völlig. Das größte Problem der Platte ist jedoch ein ganz anderes: ihr Sound. Während das Debüt diesbezüglich vielleicht einen Tick zu „hohl“ ausgefallen war, fehlt bei „The Silent Vigil“ jedweder Druck: An sich angenehm roh produziert, klingt alles an dem Album (vor allem aber der Gitarrensound) extrem mumpfig und kraftlos. Das Todesurteil für Old school Death Metal, der vornehmlich eine Aufgabe hat: zu knallen.

MEMORIAM machen auf ihrem zweiten Album zwar nicht alles falsch, aber leider sehr vieles: Sound und gesangliche Leistung sind indiskutabel, das Songwriting allenfalls Durchschnittlich. In Kombination mit dem gelungenen Artwork von Dan Seagrave, einem vernünftigen Mix und kraftvollem Gesang hätte es vielleicht noch zu einem anständigen Death-Metal-Album gereicht. So jedoch wird der Schnellschuss „The Silent Vigil“ zum Rohrkrepierer, der weder dem starken Debüt als Nachfolger noch den großen Namen im Lineup auch nur ansatzweise gerecht wird.

Wertung: 4.5 / 10

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