CD-Review: Memoriam - The Silent Vigil

Besetzung

Karl Willetts – Gesang
Scott Fairfax – Gitarre
Frank Healy – Bass
Andrew Whale – Schlagzeug

Tracklist

01. Soulless Parasite
02. Nothing Remains
03. From The Flames
04. The Silent Vigil
05. Bleed The Same
06. As Brides Burn
07. The New Dark Ages
08. No Know Grave
09. Weaponised Fear
10. Dronestrike V3
11. Prisoners Of War


Für Bolt-Thrower-Fans erfüllte sich mit dem Memorial-Projekt für den 2015 verstorbenen Schlagzeuger Martin „Kiddie“ Kearns zumindest die Hoffnung, weiterhin von Karl Willetts und Andrew Whale zu hören. Die Reaktionen auf das an sich starke MEMORIAM-Debüt fielen dennoch durchwachsen aus. Dafür, dass zunächst unklar war, ob es überhaupt noch ein zweites Album geben würde, ging dann alles ganz schnell: Nur ein Jahr nach ihrem Erstling „For The Fallen“ legen die Briten nun mit „The Silent Vigil“ nach.

Wie nicht anders zu erwarten, bieten MEMORIAM erneut Midtempo-Death mit, man kann es nicht anders sagen, Punk-Flair, wie er schon beim Debüt für Freude bei den einen und Unverständnis bei den anderen gesorgt hatte. Denn klar ist: Mit Bolt Thrower, wie die Fans sie so liebten, hat auch „The Silent Vigil“ nicht viel zu tun.

Vielmehr klingen Stücke wie „From The Flames“ nach Six Feet Under (auf Speed) in dubioser Kollaboration mit The Exploited: Während erstere Assoziation vornehmlich durch das groovige Death-Metal-Riffing im höheren Midtempo geweckt wird, stützt sich zweitere vor allem die Primitivität der Songstrukturen und das Gebelle von Willetts. Der klingt diesmal so heiser und leider auch kraftlos wie noch nie und ist damit technisch nicht mehr weit vom Gegröle eines Wattie Buchan entfernt, wenn der mal wieder einen schlechten Tag erwischt hat.

Auch von der getragenen, doomig angehauchten Melodik des Debüts ist musikalisch leider wenig übrig: Das Wechselspiel zwischen primitiven Riffs mit viel Schub nach vorne und getragenen Leadgitarren, dem beispielsweise ein „Reduced To Zero“ seinen Charme zu verdanken hatte, fehlt diesmal völlig. Das größte Problem der Platte ist jedoch ein ganz anderes: der Sound.

Während das Debüt dahingehend vielleicht einen Tick zu „hohl“ ausgefallen war, fehlt bei „The Silent Vigil“ der Druck gänzlich: An sich angenehm roh produziert, klingt der gesamte Mix (vor allem die Gitarren) nicht nur im direkten Vergleich extrem dünnbrüstig … schlussendlich so etwas wie das Todesurteil für Old school Death Metal, der vornehmlich eine Aufgabe hat: zu knallen.

MEMORIAM machen auf ihrem zweiten Album nicht alles falsch, aber – man kann es nicht anders sagen – vieles: Sound und gesangliche Leistung sind indiskutabel, das Songwriting ist zwar 08/15, hätte in Kombination mit dem absolut gelungenen Artwork von Dan Seagrave mit einem vernünftigen Mix und kraftvollem Gesang aber zumindest zu einem anständigen Death-Metal-Album gereicht. So jedoch ist „The Silent Vigil“ ein Schnellschuss, ein Rohrkrepierer oder auch beides zugleich, der weder dem starken Debüt als Nachfolger noch den großen Namen in der Besetzungliste auch nur im Geringsten gerecht wird.

Bewertung: 4.5 / 10

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