CD-Review: Metallica - Reload

Besetzung

James Hetfield - Gesang, Gitarre
Kirk Hammett - Gitarre
Jason Newsted - Bass
Lars Ulrich - Schlagzeug

Gastmusiker:
Marianne Faithful - Gesang

Sessionmusiker:
Bernardo Bigalli – Violine
David Miles – Drehleier
Jim McGillveray – Percussion

Tracklist

01. Fuel
02. The Memory Remains
03. Devil’s Dance
04. The Unforgiven II
05. Better Than You
06. Slither
07. Carpe Diem Baby
08. Bad Seed
09. Where The Wild Things Are
10. Prince Charming
11. Low Man’s Lyric
12. Attitude
13. Fixxxer


Kaum eine Phase in der Geschichte METALLICAs ist so umstritten wie ihr Ausflug in den Hard- und Blues-Rock-Bereich auf „Load“ und „Reload“. Für die einen waren die Alben der Untergang der Band, andere halten die Platten für äußerst gelungene Werke, die einfach an den Erwartungen der Fanbase zerschellten. Auch etwa 20 Jahre später hat sich an deren Status nichts geändert und noch immer stellen sie in der ansonsten weitestgehenden Einigkeit über das Schaffenswerk der Band einen wunden Punkt dar. Doch wer hat denn nun eigentlich Recht?

Diese Frage lässt sich so einfach nicht beantworten, da Rezeption und Kritik letztlich, bei allem Bestreben einen objektiven Standpunkt einzunehmen, immer zu einem erheblichen Anteil von subjektiver Wahrnehmung abhängen. In einer solchen spielt auch immer die Erwartungshaltung eine wichtige Rolle, weil sie den Blick auf das Wesentliche mit negativen Emotionen trübt. Am einfachsten wäre es also eigentlich, einem unvoreingenommenen Hörer erst „Master Of Puppets“ zu zeigen und dann „Reload“.
Letztlich muss man jedoch so oder so bei näherer Betrachtung feststellen, dass, ob man den vergleichsweise softeren Stil der Band nun persönlich mag oder nicht, METALLICA mit „Load“ und „Reload“ solide Alben im Kontext dieses Genres geschaffen haben. Sei es nun das stampfende „Better Than You“, das mit einer charakteristischen Gesangsmelodie versehene „Slither“ oder das mitreißende „Attitude“ – sie alle sind Rock- und Metal-Songs, die sich vor der Konkurrenz weder in Sachen Eingängigkeit noch Instrumentalleistung verstecken müssen. Doch letztlich ist eben das auch das größte Problem der Scheibe. METALLICA streben auf „Reload“ einen Stil an, der schlicht schon von anderen totgespielt wurde, ein Stil, in dem bereits alles gesagt wurde. Nun mag das auf Thrash Metal zweifellos auch zutreffen, jedoch hoben sich METALLICA gerade durch ihre eigenen, charakteristischen Elemente immer so weit von der Masse ab, dass ihre Alben auch über 30 Jahre später noch beeindrucken und sie letztlich damit sogar zur inzwischen bekanntesten Metal-Band der Welt wurden. Genau diese fehlen auf „Reload“ größtenteils tatsächlich.

Das macht die Scheibe keinesfalls schlecht. Auch wenn für ihre Verhältnisse erstaunlich viele belanglose Songs auf der Platte zu finden sind – etwa „Devil’s Dance“ oder praktisch der komplette Mittelteil des Albums inklusive „Where The Wild Things Are“, das vom gleichnamigen Kinderbuchklassiker inspiriert wurde – so können einige Stücke doch stark begeistern. Das fetzige „Prince Charming“ beispielsweise, bis heute zu Unrecht weitestgehend übersehen, weiß mit seinen gelungenen Riffs und seiner enormen Energie zu überzeugen. Ebenso die völlig berechtigt zu Fan-Favoriten avancierten Hits „Fuel“, „The Memory Remains“ und „The Unforgiven II“. Sie alle führen die METALLICA-Trademarks des melodischen, eingängigen und trotzdem nicht kitschigen, sondern kraftvollen Songwritings fort, das sowohl die Thrash-Alben als auch ihr diesen Stil andeutendes, selbstbetiteltes Album schon zu großartigen Werken machte. Gerade im Vergleich zu letzterem, das ja durchaus schon mehr Heavy als Thrash Metal beinhaltete, erblasst „Reload“ aber allein schon aufgrund der geringeren Hitdichte. Das ist vor allem insofern unnötig und ärgerlich als die CD mit ihren 76 Minuten ohnehin viel zu lang ist und durch das Streichen einiger Filler-Songs eine weitaus fokussiertere Scheibe hätte werden können.

Die Antwort auf die eingangs gestellte Frage liegt wohl, wie so oft, irgendwo in der Mitte. Tatsächlich kann „Reload“ weitaus weniger hervorragende Songs vorweisen als seine Thrash-Vorgänger und „Metallica“, langweilt sogar stellenweise mit beliebigen, unkreativen Riffs und Gesangsmelodien und lässt viel von dem vermissen, was METALLICA in der Vergangenheit zu einer absoluten Ausnahmeband machte. Nichtsdestotrotz ist die Platte, losgelöst von diesem Kontext und den damaligen Erwartungen betrachtet, ein wirklich gut gemachtes Heavy-Metal-Album, das nicht mehr oder weniger kann als andere, geschätzte Outputs ihrer Metal-Kollegen, die bei häufig genau den gleichen Fans dagegen unverständlicherweise als Meisterwerke angesehen werden.

Bewertung: 7 / 10

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2 Kommentare zu “Metallica – Reload”

  1. Johannes

    Interessant, in einer älteren Rezension wurde deutlich weniger wohlwollend mit diesem Album umgegangen, die Wertung war (imo zurecht) nochmal unter der von „Load“. Wäre ganz schön, wenn ihr die alten Reviews noch mit hochladen könntet.

  2. Simon Bodesheim Post Author

    Hallo Johannes,

    die alten Reviews entsprachen qualitativ und stilistisch nicht mehr unseren Standards und die Redakteure arbeiten inzwischen nicht mehr hier. Die Rezensionen wurden daher im Rahmen unseres METALLICA-Specials zum neuen Album durch aktuelle Reviews ersetzt.
    Zum Inhalt: Dass die „Load“-/“Reload“-Alben unter den Fans umstritten sind, ist klar. Da auch unsere Redakteure sich untereinander uneinig waren, wie gelungen die Alben sind, haben wir es so geregelt, dass ich, der die Alben zwar schwächer als die Restdiskografie der Band, jedoch bei weitem nicht schlecht findet, die Rezension für „Reload“ schreibe und unser Redakteur Pascal Weber die Rezension zu „Load“, welches ich übrigens ebenfalls für das schwächste METALLICA-Album halte. Dieses Review ist beispielsweise noch mal wesentlich negativer ausgefallen als die alte Rezension zu „Load“, bei der das Album noch 5.5 statt 4 Punkte bekam.

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