Das Cover von "The McAuley Schenker Group Story" von MSG

Review MSG – Bad Boys: The McAuley Schenker Group Story 1987-92

  • Label: Cherry Red
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Heavy Metal

MICHAEL SCHENKER gilt nicht nicht nur als einer der einflussreichsten Gitarristen der Welt, sondern wird auch als Mensch mit … komplexer … Persönlichkeit wahrgenommen. Allerdings gib es einen Mann, für den der blonde Saitenhexer zumindest zeitweilig Platz im Rampenlicht machte: ROBIN MCAULEY. Der irisch-stämmige Sänger beeindruckte Herrn Schenker offenbar so sehr, dass er nicht nur drei Studioalben mit ihm aufnahm, sondern auch seine MSG in MCAULEY SCHENKER GROUP umbenannte. Die Früchte der fünfjährigen Zusammenarbeit der beiden waren lange Zeit aus dem Handel verschwunden, weshalb es umso schöner ist, dass nun alle Veröffentlichungen der MCAULEY SCHENKER GROUP in einer Box namens „Bad Boys: The McAuley Schenker Group Story 1987-92“ erscheinen.

In seiner Zusammenarbeit mit ROBIN MCAULEY klang MICHAEL SCHENKER so amerikanisch wie noch nie – auf „Perfect Timing“ begibt sich der Gitarrist ins Territorium der zu dieser Zeit angesagten Hair-Metal-Ikonen, allen voran RATT. Das liegt sicherlich auch daran, dass Mr. McAuley auf diesen Aufnahmen wie der junge Stephen Pearcy klingt, aber auch musikalisch flirten MSG hier gänzlich unverhohlen mit dem Sound beagter Bands. Das ist in Nummern wie „Gimme Your Love“ und „Here Today – Gone Tomorrow“ zunächst fast enttäuschend, denn für die bisherigen Verhältnisse des Bandkopfs sind diese Titel in ihrer Einfachheit geradezu banal. Lässt man sich darauf ein, wird jedoch deutlich, dass der Sunset-Strip-Sound hier durch die Linse von Herrn Schenker betrachtet wird. In tollen Songs wie, „Don’t Stop Me Now“, „Get Out“ oder dem hitverdächtigen „Love Is Not A Game“ werden die bekannten Elemente des Genres mit intelligenten Harmonien aus der Feder des Gitarristen kombiniert, was oftmals ziemlich gelungen ist.

Mit dem zwei Jahre später erschienenen „Save Yourself“ kehrte Herr Schenker glücklicherweise zu seinem bekannten (und weitaus individuelleren) Sound zurück. Schon das eröffnende Titeltstück präsentiert sich mit lockerer Rhythmik und Leadgitarren im Überfluss als typisches MSG-Stück und auch Songs wie „Bad Boys“ und „What We Need“ dürften alles beinhalten, was Fans des Gitarristen kennen und lieben – erweitert um den großartigen Gesang von Robin McAuley. Auch auf „Safe Yourself“ gibt es mit „Get Down To Bizness“ breitbeinigen Hair Metal, allerdings mit den für Herrn Schenker typischen Verschnörkelungen, die diese Formel etwas interessanter gestalten. Auch AOR-Nummern wie „Anytime“ und „Shadow Of The Night“ liefern 80er-Jahre-Bombast, wobei die Stimme des Sängers dafür auch wie gemacht scheint. Dieses Album wird nicht ohne Grund als Höhepunkt der Zusammenarbeit der beiden Musiker angesehen.

Der selbstbetitelte Abschluss der MCAULEY-SCHENKER-GROUP-Trilogie schließlich erscheint als ideale Mischung seiner beiden Vorgänger. Mit dem Opener, „Paradise“ oder auch dem an SKID ROW erinnernden „Invincible“ gibt es hier auf jeden Fall Hair Metal direkt vom Sunset Strip, was dank des Gitarrenspiels des Bandkopfs an eine härtere Version seines etwa zeitgleich betriebenen Nebenprojekts CONTRABAND erinnert. AOR-Ausflüge macht die Truppe hier ebenfalls erneut, etwa in Songs wie „We Believe In Love“, „This Broken Heart“ und „This Night Is Gonna Last Forever“. Wie auch immer man zu dieser Phase des Schenker’schen Schaffens stehen mag, es steht fest, dass diese Nummern mit keinem anderen Sänger umsetzbar gewesen wären. Das Live-Album „Unplugged Live“ ist ebenfalls ein Produkt seiner Zeit – das war Anfang der 90er einfach „in“. Für sich genommen ist es aber gar nicht verkehrt. Die reduzierten Arrangements der Songs bringen vor allem Mr. McAuleys Stimme zum Glänzen und der Bluegrass-Vibe der Darbietung ist durchaus charmant.

„Bad Boys: The McAuley Schenker Group Story 1987-92“ sieht aus wie viele der in letzter Zeit veröffentlichten Sammelboxen – CDs in Papphüllen nebst Booklet mit Liner Notes in einer einigermaßen robusten Kartonbox. Das ist nicht unbedingt luxuriös, dem Inhalt tut das aber keinen Abbruch und es ist schlicht erfreulich, dass die vier Werke aus einer der interessantesten Phasen der Solo-Karriere von MICHAEL SCHENKER endlich wieder erhältlich sind. Ob der stolze Preis (48,99 € zum Zeitpunkt des Reviews) trotz der unzeremoniellen Verpackung und höchstens rudimentärem Remastering gerechtfertigt ist, kann nur individuell beantwortet werden, ein relevantes Stück Rock-Geschichte bekommt man mit „Bad Boys: The McAuley Schenker Group Story 1987-92“ aber in jedem Fall.

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Thomas Meyns

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