CD-Review: Neaera - Armamentarium

Besetzung

Benjamin "Benny" Hilleke – Gesang
Tobias Buck – Gitarre
Stefan Keller – Gitarre
Benjamin Donath – Bass
Sebastian Heldt – Schlagzeug

Tracklist

01. Spearheading The Spawn
02. Tools Of Greed
03. Armamentarium
04. Synergy
05. Harbinger
06. In Loss
07. The Orphaning
08. The Escape From Escapism
09. Mutiny Of Untamed Minds
10. The Need For Pain
11. Liberation


Jaja, „Was zum Teufel – Melodic Death Metal?“ werden einige sofort lauthals von sich geben. Aber was bleibt mir anderes übrig? Und außerdem ist das doch nicht so schlimm, NEAERA waren doch schon mit ihrem Debüt-Album eine der unmelodischsten (Achtung: im Sinne von kaum cleane Vocals…) Bands auf dem Metalcore-Sektor, „Let The Tempest Come“ hob den Härtegrad ein weiteres Mal an, und sehet her – hier folgt der nächste Streich, betitelt mit dem etwas komplizierten Titel „Armamentarium“.

So weit so gut, etwas verwirrend wirkt dabei die förmliche Flut an Neuerscheinungen, nämlich 2005, 2006 und nun 2007. Woran das liegt kann ich nicht beantworten, was ich aber sehrwohl kann, ist eine Rezension zu den einzelnen Scheiben zu verfassen. NEAERA gelten mittlerweile als eine der wenigen wirklich etablierten *core oder eben (Neo?) Melodic Death Bands. Unter den Deutschen Kandidaten sind NEAERA neben Heaven Shall Burn, Caliban und Maroon wohl der vierte wichtige Name der zu nennen ist, und das sicherlich nicht unverdient.

Es ist nur fraglich ob es die Band verkraftet, eine derartige Flut an Veröffentlichungen zu bringen, nicht immer haben sich Bands damit einen Gefallen getan. Über „Let The Tempest Come“ ist man sich einig, dass es für die Band ein fortschrittliches Album ist, dass es einige Höhepunkte beinhaltet – ob es damit das Debüt toppt, konnte allerdings nicht wirklich geklärt werden, zu unterschiedlich waren die Meinungen diesbezüglich. Bei „Armamentarium“ ist meine Sorge eine etwas andere, immerhin ist einfach „mir nichts, dir nichts“ in einem Jahr keine großartig Evolution des eigenen Stiles zu erwarten, davon abgesehen will man sich wahrscheinlich gar nicht auffällig verändern. Beim ersten Durchhören aber gibt es da doch einige Veränderungen die mir recht schnell und ohne mich unheimlich darauf konzentrieren zu müssen auffallen: Aggressives Riffing, schnelle Blastbeats und schier noch weniger melodisches Gitarrenspiel. Der Opener „Spearheading The Spawn“ zeigt sofort all diese Attribute und zum instrumental sehr wütend wirkenden Bild stößt außerdem noch Bennys tiefes Gegröle hinzu, was er übrigens wunderbar beherrscht. Auch auf das für NEAERA mittlerweile so typisch gewordene Screaming wird nicht verzichtet und so macht das Bild dieser Band vor allem in den Details einen leicht veränderten Eindruck. Der Titelsong „Armamentarium“ zeigt all dies sehr gut, obwohl hier die Angelegenheit zugegebenermaßen recht ähnlich klingt wie in den Tracks zuvor. Neben all den Groove-Monstern, Mosh-Viechern und abartig schnellen Extreme-Parts die man auf diesem Album zu hören bekommt, ist Abwechslung das heikle Thema, denn davon ist eine Spur zu wenig zu vernehmen. Eigentlich sind es für mich nur zwei Songs die wirklich herausstechen und Abwechslung in das Klangbild des Albums bringen, dazu zählen „Harbinger“ – ein etwas langsamerer und vor allem Groove-betonter Song – und „The Orphaning“ – der Pendant zu Krachern wie „Walls Instead Of Bridges“, „Let The Tempest Come“ oder „Definition Of Love“. „Armamentarium“ bietet knappe 52 Minuten Haudrauf-Metal mit viel Biss und Aggression, für eine Kostprobe dessen solltet ihr z.B. auch „Mutiny Of Untamed Minds“ anspielen. Selbst der letzte Track „Liberation“ ist – zugegeben mit vermindertem Tempo – eine gottverdammte Dampfwalze, klingt jedoch in seiner Machart im Wesentlichen so wie die vorhergegangenen Titel.

NEAERA haben klarerweise keine Enttäuschung abgeliefert – „Armamentarium“ ist ein gut produziertes und insgesamt starkes Metal Album. Ein sehr modernes Album, was das „Neo“ Melodic Death von vorhin erklären sollte. Das Manko ist die etwas vernachlässigte Abwechslung, neben den erwähnten Krachern kann sich der Rest der CD nicht aus deren Schatten befreien, was den Eindruck natürlich etwas trübt. Ich muss also meine Punktevergabe zücken und meinen Bewertungskriterien zufolge steigt „Armamentarium“ mit 7 Punkten bei mir nicht ganz so gut aus wie die Alben zuvor.

Bewertung: 7 / 10

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