Review Nightmare – Genetic Disorder

Fast 30 Jahre nach der Bandgründung (1979) sind NIGHTMARE mit ihrem sechsten Album „Genetic Disorder“ am Start. Die lange Pause zwischen 1987 und 1999 muss man aber auch beachten, so ist diese Scheibe das vierte nach der Reunion. Und dass sie nach dieser langen Zeit immer noch Lust auf krachenden Power Metal haben, merkt man dem Material deutlich an.

Optisch ist schon mal alles gut, „Genetic Disorder“ ziert ein schickes Coverartwork. Soundtechnisch ist man ebenfalls bestens gerüstet, im Studio Fredman wurde ein mächtig knallender Klang gezaubert. Jetzt muss ja nur noch die Musik passen, und genau daran hapert es leider. Ihren Power Metal spielen die Franzosen schnörkellos, direkt und stets headbangkompatibel, mit einem Schüsschen Progresivität und völlig frei von unnötigen Spielereien. Hier tritt aber schon das erste Problem auf, denn allzu viel Abwechslung begegnet man innerhalb der Songs nicht. Ist das eine Lied recht langsam, tritt man im nächsten wieder mehr aufs Gaspedal. Meiner Meinung nach fallen die schleppenden Tracks wie „The Dominion Gate (Part II)“ eher ab, Kracher „Battleground For Suicide“ oder „The Winds Of Sin“ machen da wesentlich mehr Party. Sänger Jo Amore hilft NIGHTMARE, aus der Masse ein wenig herauszustechen, meist klingt er ein wenig wie der raue und aggressive Bruder von Andi Deris. Will heißen, er singt nicht hoch, sondern rau und in mittleren Tonlagen, stimmlich ähneln die beiden sich aber etwas.

An sich wären das gute Voraussetzungen für ein gutes Power Metal Album, der Funke aber springt zu keiner Sekunde wirklich über, „Genetic Disorder“ lässt mich völlig kalt. Das mag zu einem großen Teil daran liegen, dass NIGHTMARE zu sehr perfekten klassischen Power Metal aus dem Lehrbuch spielen. Irgendwie kennt man es einfach schon, egal ob nun anders, besser oder schlechter, es war einfach schon tausendmal da. Hier fehlt die eigene Note durchgehend, sieht man mal vom Gesang ab, dazu kommt noch, dass sich kaum einer der Refrains wirklich einprägt. Klar, beim wiederholten Hören denkt man sich „Ah, die Stelle kenn ich ja“, nachdem die CD aber aus dem Player genommen wurde, ist fast alles wieder weg. Live mögen NIGHTMARE gerne eine Wucht sein, auf Konserve aber ist das alles wenig mitreissend.

„Genetic Disorder“ hätte eine Menge Potential gehabt und bei den ersten Durchgängen täuscht der mächtige Sound noch über die Schäwchen hinweg, die im Grunde ja keine wirklichen sind… NIGHTMARE machen so gesehen ja nichts falsch, aber machen auch nichts anders als alle anderen. Klassischer Durchschnitt eben, weswegen ein „Album des Monats“ im französischen RockHard doch recht verwunderlich und nicht nachvollziehbar ist. Eigentlich braucht „Genetic Disorder“ niemand so recht, und wer es sich doch kauft, braucht sich nicht wundern, irgendwann eine dicke Staubschicht von der CD kratzen zu müssen.

Wertung: 5 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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