CD-Review: Omophagia - 646965

Besetzung

Beni – Gesang
Mischa – Gitarre
Henrique – Gitarre
Rafahell – Bass, Gesang
Wild – Schlagzeug

Tracklist

01. Intro
02. 646965
03. Evolve
04. Pride Before Fall
05. Radicalized
06. Mortal Dissociation
07. Narcissus
08. First Light
09. Nothing Special
10. Absolute Zero


„Als Omophagie wird der auf das Zerreißen von lebenden Tieren (und auch Menschen) folgende Verzehr rohen Fleisches im Kult des griechischen Gottes Dionysos bezeichnet.“ ¹ Ob dergleichen im antiken Griechenland praktiziert wurde, oder es sich lediglich um einen Mythos handelt, ist unklar. Klar hingegen ist: OMOPHAGIA ist ein sehr passender Name für eine Death-Metal-Band.

Das dachten sich 2006 auch fünf Schweizer, deren nunmehr drittes Album unter diesem Bandnamen nun erschienen ist. „646965“ lautet der kryptische Titel des Werkes, das dann nach kurzem Intro auch gleich mit dem Titeltrack beginnt. Sänger Beni brüllt dem Hörer abgehackte Digitalcodes und Dystopien hypertechnisierter Zeitalter ins Ohr, während der Rest der Band in allen Belangen Vollgas gibt: Irgendwo zwischen Nile, Decapitated und Cytotoxin zu verorten, lässt sich der Sound von OMOPHAGIA guten Gewissens als waschechter Brutal Technical Death Metal umschreiben.

Und zwar mit gleicher Gewichtung der Bestandteile „brutal“ und „technical“: Denn während die Riffs äußerst wuchtig und, nun ja, eben brutal daherkommen, dürfte die Fingerfertigkeit der Musiker auch gestandene Tech-Death-Fans beeindrucken. Ob nun im ultra-präzisen Schlagzeugspiel oder in den zum Teil überaus filigranen Gitarrenlicks – die Schweizer lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie sich auf ihre Instrumente verstehen. Dass Beni zudem maximale Power in seinen Gesang legt, der dann auch entsprechend druckvoll klingt, rundet die Darbietung der Band stimmig ab: OMOPHAGIA sind Underground, spielen aber schon jetzt wie die Großen. Auch in Sachen Sound braucht sich „646965“ nicht zu vertecken: Modern und steril einerseits, aber trotzdem wuchtig und in sich geschlossen, ist das Album auch vom Klang her ohne Frage auf internationalem Level konkurrenzfähig.

Dass die neun Songs des Albums stilistisch nicht sonderlich weit gefächert sind und die Spannungskurve selbst in vergleichsweise kurzen 37 Minuten etwas abflacht, sollte der Vollständigkeit halber erwähnt sein – misst man OMOPHAGIA jedoch auch hier an „den Großen“, muss man ihnen zugestehen, dass dies im Brutal-Tech-Death alles andere als ungewöhnlich ist. Maximale Brutalität und Abwechslungsreichtum lassen sich nun einmal nur schwer kombinieren.

Dass Vorbands dem Headliner die Schau stehlen, passiert nicht all zu oft – bei der Doppelheadliner-Tour von Nile und Hate Eternal 2019 konnten OMOPHAGIA dennoch zumindest locker mithalten. Auf „646965“ zeigt sich, warum: OMOPHAGIA sind nicht nur eine extrem gut eingespielte Liveband, sondern agieren auch als Studioband auf höchstem Niveau. Ein absoluter Geheimtipp aus dem Underground, wo OMOPHAGIA spätestens mit diesem Album wirklich nichts mehr zu suchen haben.

Bewertung: 8 / 10

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