CD-Review: Paradise Lost - Draconian Times

Besetzung

Nick Holmes - Gesang
Gregory Mackintosh - Gitarre, Keyboard
Aaron Aedy - Gitarre
Steve Edmondson - Bass
Lee Morris - Schlagzeug

Tracklist

01. Enchantment
02. Hallowed Land
03. The Last Time
04. Forever Failure
05. Once Solemn
06. Shadowkings
07. Elusive Cure
08. Yearn For Change
09. Shades Of God
10. Hands Of Reason
11. I See Your Face
12. Jaded


Klassiker sind meistens nicht ganz leicht zu definieren. Häufig gehen die Meinungen hier durchaus auseinander. Dies liegt aber vermutlich nicht gerade daran, dass Scheibe a wirklich so viel besser ist als CD b, sondern vielmehr daran, wie die Musik in die Welt des Betreffenden tritt. Die Frage, ob jetzt „Shades Of God“ der einzige und wahre Klassiker von PARADISE LOST ist oder ob „Icon“ oder „Draconian Times“ mehr Potential aufweisen, stellt sich also nur unter Einflussnahme der temporär-emotionalen Bedingungen. So war es also das Jahr 1995, als die britische Düstertruppe ein Album herausbrachte, welches mich nicht nur sofort begeisterte, sondern auch heute noch regelmäßig in den Player wandert.

Mein Vorteil in diesem Fall war sicherlich, dass es sich quasi um die Erstberührung handelte, den Vorgänger „Icon“ lernte ich erst etwas später kennen. Hörer früherer Stunden bemängeln, dass „Draconian Times“ im Prinzip „Icon, Pt. II“ sei, ich möchte dagegen halten, dass es sich eher um eine Verfeinerung, ja sogar eine Verbesserung des Stils handelt. Die Dichte an hochkarätigen Songs ist höher, die Arrangements sitzen besser, die Atmosphäre ist noch angenehmer… auch wenn einem im Zusammenhang mit PARADISE LOST spontan vielleicht eher Songs wie „As I Die“ oder „Ember`s Fire“ in den Sinn kommen, steckt „Draconian Times“ voll von absolut hörenswerten Songs. Der Oberhammer schlechthin bleibt vielleicht aus, aber dafür ist das hohe Niveau insgesamt recht ausgeglichen und ein Totalausfall bleibt einfach mal aus, fein. Beleg dafür ist, dass Holmes und Co. auch fast fünfzehn Jahre nach dieser Veröffentlichung immer noch auf Songs dieses Albums zurückgreifen, sei es das flotte, kurz und knackig gehaltene „The Last Time“, das etwas schwerer zugängliche „Hallowed Land“, das mit Zitaten von Charles Manson unterlegte „Forever Failure“ – welches erstaunlicherweise von Problemen mit Drogen zu berichten weiß – oder auch der Opener „Enchantment“, der mit Pianoanfang und einer interessanten Dynamik in Gesang bzw. Text zu gefallen weiß. Auch die „hinteren“ Songs weisen jeder für sich seine Vorzüge auf, mal geht das Gaspedal ein Stückchen tiefer, dann geht es düsterer und bedächtiger zur Sache und so kommt es, dass trotz einer ähnlichen Ausrichtung aller Lieder die Abwechslung groß geschrieben wird. Dies würde ich sogar dahingehend präzisieren, dass für mich als Hörer irgendwie immer das richtige Lied zur richtigen Zeit kommt. Die CD wurde also für mich geschrieben.

Ein schnelles Fazit: so gut wie auf „Draconian Times“ waren PARADISE LOST zuvor nur recht selten, besser wurden sie später auch nicht mehr. Dieses Werk ist also das, was man gemeinhin als Zenit des Schaffens ansieht, „Draconian Times“ gehört aufgrund eines hohen Niveaus und einer enormen Ohrwurmdichte einfach in jede Metalsammlung, selbst dann, wenn einem Gothic sonst eher suspekt ist. Man muss sich auch nicht zu sehr fürchten, visuell überaus klischeehaft kommen die Briten nämlich nicht daher und selbst textlich verzichtet man zu Gunsten von teils beißender Ironie auf eine starke Betätigung der Tränendrüse.

Bewertung: 9 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: