CD-Review: Paradise Lost - Shades Of God

Besetzung

Nick Holmes - Gesang
Gregor Mackintosh - Gitarre
Aaron Aedy - Gitarre
Stephen Edmondson - Bass
Matthew Archer - Schlagzeug

Tracklist

01. Mortals Watch The Day
02. Crying For Eternity
03. Embraced
04. Daylight Torn
05. Pity The Sadness
06. No Forgiveness
07. Your Hand In Mine
08. The Word Made Flesh
09. As I Die


Nun ja, so ganz schlüssig waren sich vielleicht nicht mal PARADISE LOST selber, als sie Anfang der 90er ihren Stilwechsel vollzogen. Im Endeffekt ist „Shades Of God“ so etwas wie ein Zwischenspiel geworden, in der Retrospektive betrachtet nicht mehr der mitunter rohe Death Metal der Vorgänger, aber auch noch nicht so „gothic“ wie die sich anschließende Erfolgsära.

Nun kann „Shades Of God“ für sich zumindest reklamieren, den ersten echten Hit der Band zu beinhalten. Die Rede ist natürlich von „As I Die“, 1992 sicherlich eine aufsehenerregende Nummer, trotzdem kann er aus heutiger Sicht nicht so wirklich mit dem Rest mithalten. Denn das, was das Album auszeichnet, kommt bei dem nicht einmal vier Minuten langen Rausschmeißer eindeutig zu kurz. Es ist die elegische Epik, die PARADISE LOST mit beinahe ausufernden Songstrukturen erschaffen. Sicherlich war die Sache nie als progressive Idee gedacht, trotzdem bewegt man sich in der Regel zwischen fünf und sieben Minuten, vielleicht ist dies der Grund, warum die Frühwerke immer noch auch in der Ecke des Doom Metals angesiedelt werden.
Ein anderer ist die relative Langsamkeit der Lieder, die eher schleppend, aber dafür mächtig konzipiert sind, der Gesang passt sich an, leicht angeraut entfaltet er nicht mehr die Aggressivität, verzichtet aber noch auf die wunderbare Melodik, die Nick Holmes auf den Alben „Icon“ und „Draconian Times“ für sich und die Band entdeckte.
Aber wo liegen jetzt eigentlich Stärken und Schwächen der Platte? Möglicherweise in ein- und demselben Umstand, denn so die Lieder insgesamt ein durchaus gehobenes Niveau aufweisen, sticht eigentlich keines so richtig heraus. Man kann sich „Shades Of God“ als düsterer Todesmetaller sehr gut am Stück anhören und sich bei keinem Song langweilen, aber der absolute Aufhorcher fehlt noch etwas, auch wenn man die Genese von PARADISE LOST aller Widersprüchlichkeit zum Trotz gerade an diesem Album am besten feststellen kann. So legt man viel Wert auf Abwechslungsreichtum, bekommt es im Gegensatz zum unmittelbaren Vorgänger „Gothic“ aber auch entsprechend hin. Waren ein Jahr zuvor Akustikeinspielungen noch mehr störend und mit mäßig viel Sinn und Verstand in den Gesamtklang integriert, haben sie auf „Shades Of God“ eine echte Daseinsberechtigung.

Ziehen wir ein Fazit: PARADISE LOST zeigen sich vor allem im Bereich Songwriting gereift, trotzdem kann man nicht übersehen, dass noch nicht alles wirklich rund ist. „Shades Of God“ ist in der Bandhistorie eine absolut logische Platte, die die entsprechenden Kinderkrankheiten aufweist. Ginge es rein um Death Metal, würde man bei anderen Bands des Genres sicher etwas glücklicher werden, aber hier kann auch der geneigte Gotiker mit leichtem Hang zur Härte bestens reinhören.

Bewertung: 7 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: