Es war einmal, in güldener Vorzeit, da war ein Live-Album noch ein Live-Album – also der Mitschnitt einer Show, der für die Ewigkeit konservieren sollte, wie sich ein Konzert der besagten Band anfühlt. Die Energie. Die Dynamik. Die Ansagen. Die Spielfehler. In Zeiten des Perfektionierungswahns ist man von diesem Konzept längst abgekommen: Nicht nur zur Sicherheit werden gleich mehrere oder gar alle Shows der Tour aufgenommen – sondern vorsätzlich, um sich am Ende das beste Material herauszusuchen. Das mag vernünftig sein, aber ganz sicher nicht der Sinn der Sache. Warum, zeigt „Live And Uncleansed“ von PRONG anschaulich, aber ungenießbar.
Sieben Shows wurden im August 2025 mitgeschnitten – und zwar von der Clubshow im Aschaffenburger Colos-Saal bis zum WACKEN-Gig. Daraus wurden 14 Songs ausgewählt – maximal vier von einer Show. Von „uncleansed“ (ungereinigt) kann da wirklich keine Rede mehr sein.
Dass die Setlist der besagten Tour knapp 30 Songs lang war, das „Live-Album“ also nicht ansatzweise Show-Charakter hat, kümmert PRONG dabei ebenso wenig wie eine kohärente Stimmung, einheitlicher Sound oder eine sinnstiftende Songreihenfolge: So startet die CD so unvermittelt mit „Revenge… Best Served Cold“, dass man sich fragt, ob man vielleicht eine CD 1 übersehen hat. Irgendwo mittendrin schreit Tommy Victor „Fuck yes, Switzerland“, und bei Track 11 von 14 kündigt der PRONG-Fronter noch „one more“ an – was sich nur erschließt, wenn man weiß, dass die Vinyl-Version hier endet, während auf dem Silberling noch Platz für drei „Cleansing“-Klassiker war (aufgenommen in Nürnberg und Aschaffenburg).
Spätestens an dieser Stelle muss man sich dann doch fragen, wie egal einem die Atmosphäre und die Authentizität eines Live-Mitschnitts eigentlich sein können, für den die Fans dann aber doch bitte irgendwas zwischen 15 € für 58:47 Minuten (CD) und 35 € für 41:36 Minuten Spielzeit (Vinyl) bezahlen sollen. Da hilft es leider auch nicht, dass sich Victor und seine beiden neuen, aber offenbar auch irrelevanten (siehe Cover-Design) Mitstreiter in Sachen Performance souverän und in der Fotocollage im Booklet sympathisch präsentieren.
Vielleicht gibt es tatsächlich ein oder zwei Konzertbesucher:innen der 2025er-Tour, die sich über die maximal vier Einzel-Aufnahmen freuen, in deren kaum vernehmbar abgemischtem Jubel ihre Stimme verewigt wurde. Für alle anderen – selbst eingefleischte Fans – ist dieser Release komplett irrelevant: Zwar fehlt es der Diskografie von PRONG tatsächlich noch an einem Live-Album – daran ändert dieser Frankenstein-Release aber rein gar nichts.
Wertung: 3 / 10


