Review Prong – State Of Emergency

PRONG sind ein Phänomen: Seit 1986 (!) aktiv, ist die Band aus der Metal-Szene nicht wegzudenken. Doch obwohl so ziemlich jeder in der Szene den Namen kennt und Tommy Victor als Gitarrist von Danzig und ehemals auch Ministry schon auf den größten Bühnen dieser Welt gestanden hat, haben es PRONG nie aus den mittelgroßen Clubs herausgeschafft. Das überrascht insofern, als die Truppe einerseits einen unverwechselbaren, andererseits gefälligen und für Fans vieler Genres interessanten Stil pflegt. Das gilt für das neueste Album, „State Of Emergency“ mehr denn je.

Beim Einstiegsriff von „The Descent“ dürfte so mancher Fan in der Metal-Disko (gibt es das heutzutage überhaupt noch?) als Schnellschuss „Angel Of Death!“ schreien – denn tatsächlich weist das markige Thrash-Riff Parallelen zum Slayer-Klassiker auf, ehe PRONG geschickt auf den für sie typischen Crossover-Thrash switchen: Das zugleich lässig und wuchtig gespielte Drumming von Jungspund und Bandneuzugang Griffin McCarthy ergänz sich perfekt mit Victors grooviger Gitarrenarbeit (plus: Gast-Leadgitarre von Marc Rizzo!), und spätestens der Gesang macht sowieso klar: Hier hört man PRONG!

Obwohl die Band im Titeltrack erstmal etwas Tempo rausnimmt, wird schnell klar: Das dystopische Cover und die düsteren Texte sind keine Farce, kein rein theoretisches Konzept: Auch musikalisch agiert Tommy Victor 2023 so düster und roh wie lange nicht. Dass das Album zudem in Sachen Sound (Mix: Steve Evetts/Master: Arthur Rizk) einen herrlich rauhen Ton pflegt, passt da perfekt ins Bild. Doch wie gehabt, lassen sich PRONG auch 2023 in keine Schublade quetschen, ohne schon mit der nächsten Nummer den Kopf aus einer anderen wieder herauszustecken: „Breaking Point“ kommt mit viel Zakk-Wylde – aber auch Pantera-Flair daher (der Mann ist schließlich nicht grundlos der Ersatzmann für Dimebag). Und bei „Non-Existence“ packt Tommy Victor dann jene catchy Alternative-Rock-Hooks aus, die PRONG in den letzten Jahren vermehrt zu Hits verholfen haben.

Damit ist der Rahmen grob abgesteckt – in Folgenden pendeln PRONG geschickt zwischen diesen Polen und bleiben so über die gesamten 41 Minuten so abwechslungsreich, dass nach dem schmissigen „Back (NYC)“ (mit Danzig-Bassist Steve Zing als Gastsänger) auch „Working Man“ als Eigenkomposition abgekauft hätte. In Wirklichkeit handelt es sich dabei natürlich um ein Cover der legendären Rush. Doch auch diesen Rock-Klassiker verPRONGt Victor so geschickt, dass die im Original 1974 erschienene Nummer auf „State Of Emergency“ nicht aus dem Rahmen fällt.

Das schöne an PRONG ist, dass man weiß, worauf man sich freuen darf – und doch jedes Mal wieder überrascht wird. Das gilt uneingeschränkt auch für „State Of Emergency“: Im Großen und Ganzen ein typisches PRONG-Album, variiert Tommy Victor den eigenen Stil genau so viel, wie nötig ist, um sich nicht bloß zu wiederholen. In Kombination mit dem besten Sound seit langem und einem atmosphärischen Artwork (Marcelo Vasco) ist dieses für langjährige Fans ebenso empfehlenswert wie für alle, die endlich mal herausfinden wollen, wie diese PRONG eigentlich klingen.

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Wertung: 8.5 / 10

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