CD-Review: Satyricon - Satyricon

Besetzung

Satyr - Gesang, Gitarre, Bass
Frost - Schlagzeug

Gastmusiker:
Sivert Høyem - Gesang

Tracklist

01. Voice Of Shadows
02. Tro Og Kraft
03. Our World, It Rumbles Tonight
04. Nocturnal Flare
05. Phoenix
06. Walker Upon The Wind
07. Nekrohaven
08. Ageless Northern Spirit
09. The Infinity Of Time And Space
10. Natt


Die erste Hörprobe nach fünf Jahren, ein erstes musikalisches Lebenzeichen von Satyr und Frost seit „The Age Of Nero“, die Beendigung ihrer mehrjährigen Kreativpause – anhand dieser Fakten unterliegt bereits das dramaturgische Intro „Voice Of Shadows“ hohen Erwartungen. SATYRICON verkündeten im Jahr 2009 einen musikalischen Wandel, um Stagnation vorzubeugen, sie versprachen Dinge auszuprobieren, die nicht jedem Fan gefallen würden und trotzdem gut für die weitere Entwicklung der Black-Metal-Urgesteine sei. Eines der Lieder, „Tro Og Kraft“, verspricht (wortwörtlich) Glaube und Wucht, aber ob der Glaube des Hörers, noch immer eine Instanz des Black Metal vor sich zu haben durch die Wucht der vorhergesagten Veränderungen bestätigt wird, zeigt sich in den kommenden 50 Minuten.

Mit „Our World, It Rumbles Tonight“ und „Ageless Northern Spirit“ besitzt das selbstbetitelte Album zwei potenzielle Hits im Stile eines „The Pentragram Burns“ („Now, Diabolical“) oder „Fuel For Hatred“ („Volcano“), beide enden aber doch gediegener, als es der Hörer von SATYRICON gewünscht hätte. Damit knüpft das norwegische Duo an etwas an, was bereits in „Now, Diabolical“ herauszuhören war: Schnell beginnende Lieder, die sich zu Mid-Tempo-Nummern mit schleppenden, mitunter kraftlos wirkenden Passagen entwickeln. Das Riffing kommt weder an die Härte der ersten beiden Veröffentlichungen noch an die Experimentierfreude von „Rebel Extravaganza“ heran. Im Gegenteil: Satyr entschied sich dieses Mal für einen sehr ursprünglichen, rohen Sound ohne Effektspielerei. Zwar weiß Frost hinter den Drums mit seinem agilen Spiel zu begeistern, trotzdem scheint er die Lieder nur noch zu begleiten anstatt ihnen seine Note zu verleihen. Rück- anstatt Fortschritt.

Trotz dieser negativen Eindrücke bietet das selbstbetitelte Album auch Überraschungen: Das ungewohnte blues-lastige Solo von Satyr an der Gitarre in „Nocturnal Flare“, der zum ersten Mal vorkommende Klargesang (von Sivert Høyem) im auffallend melodiös konzipierten „Phonix“ oder die angenehm ambienten Samples im instrumentalen „Natt“. Das schnell nach vorne preschende „Walker Upon The Wind“ bleibt ebenso im Gehörgang wie das schlichtweg cool und groovy produzierte „Nekrohaven“. Erschreckend jedoch ist, dass auf jedes dieser gelungenen Lieder ein erstaunlich langweiliges folgt. Von einer etablierten Größe wie SATYRICON kein leicht verdaulicher Fauxpas. Besonders die auf Atmosphäre sowie auf ein Wechselspiel von Aggression und Sanftheit gedrillten Songs wie „Tro Og Kraft“, „Ageless Northern Spirit“ und „The Infinity Of Time And Space“ wollen schlichtweg nicht zünden. Was bei „Dark Medieval Times“ (vom gleichnamigen Album) super und bei „To The Mountains“ („Now, Diabolical“) zumindest noch halbwegs funktionierte, verliert sich hier in minutenlanger Belanglosigkeit ohne auflockernde Arrangements, geschweige denn Innovation.

Der neuste Output von SATYRICON entfernt sie von ihrem letzten Album und noch weiter weg von ihrem Debüt. Im Vergleich zu „The Age Of Nero“ entschlackten SATYRICON noch mehr an schroffer Härte und erhöhten die Anzahl an gediegeneren Parts. Die von Satyr versprochenen neuen Aspekte sind deutlich zu hören, entschuldigen aber nicht, dass die Norweger an vielen Stellen ihren Esprit einbüßten. „Satyricon“ verdeutlicht, dass die Kreativpause hauptsächlich eine Reduzierung des Sounds bewirkte.

Bewertung: 6.5 / 10

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1 Kommentar zu “Satyricon – Satyricon”

  1. Hagen von Tronje

    Ich muss zugeben, dass ich die Vorgänger „Now, Diabolical“ und „The Age Of Nero“ mittlerweile zwar doch öfters höre als damals vermutet. Aber in der SATYRICON Diskografie bilden beide Alben für mich das Schlusslicht.
    Ich weiß nicht was hier passiert ist aber „Satyricon“ oder „Same“ packte mich gleich beim ersten Hören. Es ist kein „Nemesis Divina“ oder „Volcano“ aber dennoch eines der besseren SATYRICON Alben.

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