CD-Review: Satyricon - Deep Calleth Upon Deep (+)

Besetzung

Satyr - Gesang, Gitarre, Bass, Keyboard
Frost - Schlagzeug

Session-Musiker:
Anders Odden - Gitarre, Bass
Håkon Kornstad - Saxophon (Track 06), Gesang (Track 04, 05)
Frode Carlsen - Kontrafagott
Jan Olav Martinsen - Waldhorn
Kjetil Bjerkestrand - Mellotron, klassische Arrangements
Tom Ottar Andreassen - Holzbläser
Hans Josef Groh - Cello
Bjarne Magnus Jensen - Violine

Tracklist

01. Midnight Serpent
02. Blood Cracks Open The Ground
03. To Your Brethren In The Dark
04. Deep Calleth Upon Deep
05. The Ghost Of Rome
06. Dissonant
07. Black Wings And Withering Gloom
08. Burial Rite


Ein Schock dürfte durch die Reihen der SATYRICON-Bewunderer gegangen sein, als vor knapp zwei Jahren bekanntgegeben wurde, dass Frontmann und Mastermind Satyr an einem Hirntumor leidet. Obwohl bei Fans seitdem immer die Sorge im Hinterkopf verankert ist, dass es plötzlich vorbei sein könnte, blieben schlimme Folgen bisher allem Anschein nach glücklicherweise aus. Satyr konzentrierte sich weiter auf seine Musik und so liefern die Norweger SATYIRCON nun vier Jahre nach dem letzten, selbstbetitelten Werk ihr mittlerweile neuntes Studioalbum ab.

Obwohl der Vorgänger eine neue, sanftere, rockigere und weniger Black-Metal-orientierte Richtung andeutete, die bei manchen Fans auf Ablehnung, bei einigen aber auch auf Wohlwollen stieß, scheint Satyr es sich nun doch wieder anders überlegt zu haben: „Deep Calleth Upon Deep“ ist kein weiterer Schritt in diese Richtung, es ist auch kein erneuter Stilwechsel, sondern ein durch und durch typisches Black-‘n‘-Roll-SATYRICON-Album im Stile der jüngeren Veröffentlichungen seit „Volcano“. Ähnlich wie „Now, Diabolical“ oder „The Age Of Nero“ bietet es eine düstere, kalte Grundstimmung sowie trocken und simpel gehaltene Riffs, die sich schnell im Gehörgang festsetzen. Frosts songdienliches Spiel überzeugt wie eh und je und auch Satyrs unheilvoll knurrende Vocals haben nichts von ihrer Wirkung verloren. Und trotzdem: Großartige Innovation sucht man auf SATYRICONs neuer Platte vergebens.

Jene, die nach „Satyricon“ auf eine Neuausrichtung oder zumindest Weiterentwicklung gehofft hatten, dürfte das enttäuschen. Wer allerdings schon an den anderen Alben aus der Black-‘n‘-Roll-Phase der Band großen Gefallen fand, der wird dies sehr wahrscheinlich auch an „Deep Calleth Upon Deep“ tun. Denn in Sachen Groove und Eingängigkeit stehen Songs wie der Titeltrack oder das mit an klassische Musik erinnernden Melodieläufen aufwartende, äußerst gelungene „Blood Cracks Open The Ground“ einem „K.I.N.G.“ oder einem „Now, Diabolical“ in nichts nach. Auch langsame, atmosphärisch-düstere Stücke wie „To Your Brethren In The Dark“ brauchen den Vergleich mit Hits wie „To The Mountains“ nicht zu scheuen.

Doch ganz auf Neuerungen verzichten müssen SATYRICON-Fans dann nicht. Im Titeltrack sowie in „The Ghost Of Rome“ setzen SATYRICON Chor und Clean-Gesang ein, für den auch eine Gastsängerin ins Boot geholt wurde. Mit dem siebenminütigen „Black Wings And Withering Gloom“, dessen frostige Melodien zeitweise tatsächlich die Atmosphäre des 90er-Black-Metals aufleben lassen, hat die Band dann sogar noch einen Song für ihre Old-School-Fans aus der „Nemesis-Divina“-Ära mit dazugepackt, auch wenn sich hier trotz hervorragendem Songwriting leider zeigt, dass sich die moderne Rock-Produktion gerade hinsichtlich des trockenen Schlagzeugs nicht wirklich optimal für diese Art Black Metal eignet.

Auf „Deep Calleth Upon Deep“ agieren SATYRICON letztlich nicht auffallend anders als man sie schon auf ihren letzten Langrillen gehört hat. Insofern richtet es sich eher an diejenigen, die sich noch nicht sattgehört haben und nach wie vor für neue Songs in bekanntem Gewand offen sind. Nichtsdestotrotz wäre es langsam doch mal ratsam, auf einen neuen Kurs zu setzen. Wie oft die Fans der etablierten Black-Metal-Größe noch bereit sind, sich in Alben mit genau diesem Stil einzuarbeiten, wenn sie stattdessen auch einfach zum 20. Mal „Now, Diabolical“ auflegen könnten, wird allmählich dann doch fraglich.

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Bewertung: 7.5 / 10

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3 Kommentare zu “Satyricon – Deep Calleth Upon Deep (+)”

  1. Neffe

    Das Album ist zwar kein Meisterwerk geht aber dennoch ganz gut ins Ohr. „Satyricon“ bleibt wohl ewig mein Favorit.
    6,5 / 10

  2. Simon Bodesheim Beitragsautor

    @Ulli: Den Begriff habe nicht ich erfunden, und ich bin, aus den von dir genannten Gründen, auch nie zufrieden mit ihm gewesen (ich finde auch das hat herzlich wenig mit Rock ’n‘ Roll zu tun). Er hat sich aber nun mal für Satyricons Stil seit vielen Jahren durchgesetzt. Sogar auf Wikipedia findet sich diese Beschreibung wieder. (https://en.wikipedia.org/wiki/Satyricon_(band)). Dass du daraus auf fehlende „grundlegende Beurteilungskompetenz“ unsererseits schließt – nun ja… Vielleicht etwas vorschnell geurteilt. Schade, aber dann viel Erfolg auf der Suche nach einem Magazin, das deinen Anforderungen entspricht.

  3. Ulli

    Black ’n‘ Roll? Wer kommt denn auf so was??
    Rock ’n‘-Roll-Rhythmen kann man hier echt mit der Lupe suchen…

    Sorry, aber mit metal1.Info werde ich wohl nicht glücklich, für meinen Geschmack fehlt mir hier doch eine grundlegende Beurteilungskompetenz. Zwei Rezensionen zu einem Album, +/-, die trotzdem so weit von meiner eigenen Wahrnehmung des Albums entfernt sind. Kurios.

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