CD-Review: Satyricon - Deep Calleth Upon Deep (-)

Besetzung

Satyr - Gesang, Gitarre, Keyboard
Frost - Schlagzeug

Session-Musiker:
Anders Odden - Gitarre, Bass
Håkon Kornstad - Saxophon (Track 06), Gesang (Track 04, 05)

Tracklist

01. Midnight Serpent
02. Blood Cracks Open The Ground
03. To Your Brethren In The Dark
04. Deep Calleth Upon Deep
05. The Ghost Of Rome
06. Dissonant
07. Black Wings And Withering Gloom
08. Burial Rite


Edvard Munch war ohne Frage ein großer Künstler. Ob deswegen jede Skizze, die er zu Papier gebracht hat, als große Kunst anzusehen ist, mag streitbar sein. Fest steht jedenfalls: Spätestens in der für das Cover des neuen SATYRICON-Albums „Deep Calleth Upon Deep“ zugeschnittenen Version könnte der „Todeskuss“ von Munch auch am Kühlschrank stolzer Montessori-Eltern hängen.

Damit passt das Artwork leider nur all zu gut zu den gebotenen musikalischen Ergüssen. Denn auch was SATYRICON selbst auf „Deep Calleth Upon Deep“ abliefern, hat etwas von ersten Gehversuchen und einem Resultat, auf das allenfalls Erzeuger stolz sein können. War schon das selbstbetitelte Vorgängerwerk wahrlich kein Meilenstein in der großen Karriere der Black-Metal-Legende, ist mit „Deep Calleth Upon Deep“ ein neuer Tiefpunkt erreicht.

Vom Opener „Midnight Serpent“ bis zum letzten Track, „Burial Rite“, eint die Stücke auf „Deep Calleth Upon Deep“ nicht etwa eine mitreißende Atmosphäre wie auf „Nemesis Divina“ oder eine gelungene Black’n’Roll-Attitüde wie bei „Volcano“, sondern schlicht die Tatsache, dass sie durch die Bank blutleer klingen.

Im Zentrum der Misere stehen dabei absolut belanglose Riffs, die größtenteils plump aneinandergereiht wurden: Spannungsbögen oder Überraschungsmomente? Fehlanzeige. In der Folge klingen die Stücke nur selten so, als hätte sich jemand Gedanken darüber gemacht, welche Stimmung sie transportieren sollen oder welche Funktion die jeweiligen Riffs im Song einnehmen, außer Spielzeit zu füllen.

Auch sonst gibt es über „Deep Calleth Upon Deep“ wenig Erfreuliches zu berichten: Satyr singt, wie Satyr eben seit „Now Diabolical“ singt, und Frost tut brav, wie ihm geheißen: Anders als durch vollkommene Hörigkeit seinem Bandleader Satyr gegenüber ist nicht zu erklären, dass ein Weltklasse-Schlagzeuger wie Frost sein Kit derart uninspiriert und stumpf bearbeitet.

Zu guter Letzt geht auch noch der Versuch, durch die Beigabe diverser, vermeidlich niveausteigernder Instrumente künstlerischen Anspruch zum Ausdruck zu bringen, komplett in die Hose: Weder der verquere Chor in „Ghost Of Rome“, noch das chaotische Saxophon à la Shining (Nor) in „Dissonant“ (der Titel ist Programm!) oder die kratzenden Geigen im finalen „Burial Rites“ bereichern „Deep Calleth Upon Deep“ nennenswert.

“This is a new beginning, a new chapter. The rules of the game have changed.” ließ Satyr im Vorfeld der Albumveröffentlichung vollmundig wissen. Wenn „Deep Calleth Upon Deep“ etwas beweist, dann, dass sich zumindest eine Spielregel nie ändern wird: Ist der Bandname nur prominent genug, findet man für jedes noch so schwache Album ein Label, das das Machwerk dankend annimmt und veröffentlicht. Eine Newcomerband wäre mit dieser Leistung vom A&R-Manager wohl hochkant rausgeworfen worden.

Bewertung: 4 / 10

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8 Kommentare zu “Satyricon – Deep Calleth Upon Deep (-)”

  1. Ulli

    Ich sehe bei dem Munch-Coverbild anderes als Montessori-Kritzeleien (leider eine sehr unbeholfene Äußerung). Und beim genauen Hören über Kopfhörer (hier gerade der 2. Hördurchgang. Mein erstes Satyricon-Album überhaupt, bin also kein Fan-Boy, dem mit dieser aus meiner Sicht grandios daneben liegenden Rezension auf die Füße getreten wurde ) kann ich die Rezension überhaupt nicht nachvollziehen. Ein äußerst spannendes und intelligent aufgebautes Album.
    Und, Entschuldigung bitte, wenn ein Lied „Dissonant“ heißt, was ist dann an einer ebensolchen musikalischen Umsetzung falsch? Wenn Nutella draufsteht, ist es doch ok, wenn Nutella drin ist, oder?

  2. Neffe

    Der Rezensent scheint entweder noch in den 90ern zu leben oder hat das Album nicht aufmerksam gehört. Mag ja sein, dass Satyricon schon Besseres verbrochen haben, aber 4 Punkte sind einfach nur daneben. 6,5 / 10

    1. Moritz Grütz Post Author

      Zunächst sei darauf hingewiesen, dass bei +/-Reviews beide Kritiken in jede Richtung eher überspitzt als gnädig ausfallen, das ist ja der Witz der direkten Konfrontation zweier Reviews. Was deine sonstige Kritik angeht: Nun, in den 90ern lebe ich nicht mehr, auch wenn ich durchaus der Meinung bin, dass damals (zumindest in Sachen Black Metal) vieles besser war. Was hingegen an diesem Album hörenswert sein soll, haben mir auch unzählige unsägliche Durchläufe der CD nicht offenbaren können. Zumindest finde ich auf dem Werk nichts, was mir auf „Volcano“, „Now, Diabolical“ oder „The Age Of Nero“ nicht schon deutlich stärker untergekommen wäre.

      1. Stephan Rajchl

        Ich hab die Platte immer noch nicht gehört, aber inhaltlich muss ich meinem Kollegen insofern zustimmen, als er offensichtlich nicht in den 90ern feststeckt. Die Alben, die er genannt hat, sind alle nach 2000 erschienen. Er hat also nichts gegen die neueren, nicht mehr typischen Black-Metal-Alben von Satyricon. Andernfalls müsste er alles nach „Nemesis Divina“ schlecht finden.
        Ansonsten muss ich aber auch festhalten, dass ich die 90er ebenfalls als äußerst interessante Phase im Black Metal ansehe. Da wurde viel Bahnbrechendes geschaffen.

  3. Neffe

    Geschmäcker mögen ja verschieden sein, aber 4 Punkte sind meiner Meinung nach einfach nicht objektiv. Mit „Midnight Serpent“, „Black Wings And Withering Gloom“, „Burial Rite“ und vor allem „To Your Brethren In The Dark“ sind gleich 4 potenzielle Hits drauf. Der Rest ist dann solider Durchschnitt, so dass am Ende 6 Punkte in Ordnung gehen sollten.

  4. Neffe

    Übrigens finde ich, dass das selbstbetitelte Vorgängerwerk DAS Satyricon-Album schlechthin ist. Das Teil läuft bei mir seit Jahren fast täglich.

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