Review Serenity – Codex Atlanticus

Symphonic, Power und Progressive Metal – das sind die Subgenres, mit denen die Musik von SERENITY für gewöhnlich in Verbindung gebracht wird. Daran hat sich auch auf dem fünften Full-Length namens „Codex Atlanticus“ der Österreicher nichts geändert, wobei sich jedoch die Gewichtung mit der Zeit immer mehr in Richtung Symphonic Metal bewegt hat, während die beiden anderen Spielarten hintangestellt wurden. Diesen Trend haben SERENITY beibehalten, sodass die neue Platte vor allem eines ist: vorhersehbar.

Der eröffnende Titeltrack ist das obligatorische orchestrale Intro, das sich immer mehr aufbaut, dann jedoch abrupt endet und auf „Follow Me“ in eine entspannte Piano-Melodie mündet. Ebenjener Track gehört zu den mitreißenderen Songs der Platte und steht in vielfacher Hinsicht exemplarisch für die besseren Momente des Albums. Eher leise Strophen mit Clean-Gitarren wechseln sich mit kräftigen, bemerkenswert eingängigen Refrains ab. Auch harte Midtempo-Gitarren und Synthesizer kommen zum Einsatz und in der Bridge stößt man auf talentbekundende Soli, die jedoch das einzig einigermaßen Progressive darstellen, das man SERENITY attestieren kann. Ansonsten sind die Gitarren oftmals sehr melodisch, zum Teil auch Power-Metal-typisch knatternd („Sprouts Of Terror“). Der auf diesem Album neu hinzugekommene Gitarrist scheint sein Handwerk also durchaus zu beherrschen, erhebt jedoch nur selten Anspruch auf das Spotlight. In den Strophen von „Reason“ finden sich beispielsweise wirklich schöne Melodien, denen im Mix leider derart wenig Priorität eingeräumt wird, dass es schwer fällt, sie als Bereicherung wahrzunehmen.
Der Fokus liegt größtenteils auf den Vocals, die dafür einen gewohnt positiven Eindruck hinterlassen. Experimentiert wird zwar nicht allzu viel, aber alle Töne werden perfekt getroffen und hin und wieder packend variiert wie zum Beispiel im Refrain des Highlight-Tracks „Fate Of Light“, in dem sich der Frontmann gesanglich mit jedem Mal steigert. Erfreulich ist auch, dass der schmeichelnd glatte Gesang bei SERENITY praktisch nie die Peinlichkeitsgrenze überschreitet, wie es leider bei vielen Vertretern des Genres der Fall ist. Als einzige Ausnahme sei „Spirit In The Flesh“ genannt, doch auch das ist zu verschmerzen. Die besungenen Texte sind zwar nicht gerade kunstvoll formuliert und stützen sich zu sehr auf gängige Phrasen, heben sich aber immerhin durch die behandelten Themen ab, unter anderem geht es um Leonardo da Vinci, die Illuminati und Verschwörungstheorien.
Eine wichtige Zutat im SERENITY-Eintopf ist natürlich die Orchestrierung, die die üblichen Pianos, Chöre, Streicher und Bläser beinhaltet. Bis auf ein paar stimmige Piano-Intros sind die symphonischen Elemente leider nur Standard, sie vermögen nie wirklich zu begeistern. Störend sind sie aber auch nie, lediglich die balladesken Nummern „My Final Chapter“ und „The Perfect Woman“ übertreiben es mit dem Kitsch. Die Melodien in Letzterem fühlen sich auch noch hundertfach gehört an und die Musical-Passage bringt zwar Abwechslung, irritiert aber letztlich nur. Das abschließende „The Order“ zeigt im Gegenzug, wie’s richtig geht: hier sind sogar die Gitarren episch und der Refrain simpel, aber effektiv.

Langer Rede kurzer Sinn: SERENITY legen mit „Codex Atlanticus“ ein eher durchschnittliches Symphonic-Metal-Album vor, das jedoch ein paar vereinzelte Schätze enthält. Professionell gehen die Österreicher allemal vor, aber es fehlt ein wenig die Bereitschaft, musikalische Risiken einzugehen. Meist geben sich SERENITY bemüht majestätisch und theatralisch, es gelingt ihnen jedoch nicht in allen Fällen. Fans der Band und Symphonic-Sympathisanten werden mit der Platte wohl zufrieden sein, als überragend ist die Platte aber keinesfalls zu bezeichnen. Da greift man dann lieber doch zur neuen Platte „Haven“ von Kamelot.

Wertung: 6.5 / 10

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