CD-Review: Sólstafir - Masterpiece Of Bitterness

Besetzung

A albjörn Tryggvason - Gesang, Gitarre
Sæþór M. Sæþórsson - Gitarre
Svavar Austmann - Bass
Gu mundur Óli Pálmason - Schlagzeug

Tracklist

01. I Myself The Visionary Head
02. Nature Strutter
03. Bloodsoaked Velvet
04. Ghosts Of Light
05. Ljósfari
06. Ritual Of Fire
07. Náttfari


SÓLSTAFIR ist eine schon etwas ältere Band aus dem kleinen Island, die sich über die Jahre vom Viking / Black Metal wegbewegte und einen unvergleichbar progressiven Stil ansteuerte. Viele werden hier sicher an etwas wie Enslaved oder Borknagar denken, diesen sei jedoch gesagt, dass Sólstafir eine völlig andere Schiene fahren. Zwar sind einzeln noch Strukturen aus dem extremen Metalbereich zu erkennen, allerdings stehen psychedelische Rock / Metal Parts im Vordergrund. Da es mir schwer fällt, hierfür eine Musikrichtung zu finden, bin ich so dreist, das hier in die Progressive Schublade einzuordnen, was eigentlich unnötig ist, denn ich zweifle an, dass der typische Progressive Metal Hörer etwas mit dieser Gruppe anfangen kann. Allgemein kann die Zielgruppe gar nicht besonders groß sein, denn was auf „Masterpiece Of Bitterness“ geboten wird, ist über eine Stunde angstrengenste Musik. Hinzu kommt noch der sehr gewöhnungsbedürftige gequälte Gesang, der erst recht seltsam klingt, sich aber als durchaus passend herausstellt.

„I Myself The Visionary Head“, der mit 20 Minuten längste Song, beginnt mit einem recht ruhigen, melodischen Intro und erhält irgendwann an Geschwindigkeit und Metal Charakter. Der Gesang fügt sich, mal klagend, mal schreiend, perfekt in die tragischen Melodien ein und die sehr gut gewählte Produktion unterstreicht die großartige Atmosphäre dieses Stückes nochmals. Nach ein paar Minuten erklingt ein über 10 Minuten langer, ruhiger Instrumentalpart, der einige Hörer sicher auf die Folter spannt und die Motivation nimmt, da sich scheinbar die selbe Melodie immer wiederholt. Wer jedoch genau hinhört, wird auch hier immer wieder neue Details erkennen. Im letzten Teil des Songs werden die ursprünglichen Riffs noch einmal aufgegriffen und mit noch mehr Härte, sogar mit Blastbeats unterlegt, versehen. Ein exzellenter Song, aber für Normalsterbliche schon fast nicht mehr zumutbar. „Nature Strutter“ folgt, was die Länge angeht, nicht mehr dem Beispiel des Vorgängers, ist aber trotzdem noch ungewöhnlich lang, musikalisch aber mindestens genauso gut. Bei „Bloodsoaked Velvet“ zeigen die Isländer teilweise die härteste Seite und „Ghosts Of Light“ ist wieder genial-melancholisch. Jetzt noch auf jeden Song einzeln und detailliert einzugehen wäre Irrsinn und fast gar unmöglich, da selbige vollgestopft sind mit einer ganzen Palette an musikalischen Elementen und somit unglaublich schwer zu beschreiben sind.

„Masterpiece Of Bitterness“ ist genauso gut wie schwer zu beschreiben. Ich weiß auch überhaupt nicht, wem ich das Album empfehlen kann, da es völlig andere Musik ist und nur wenigen gefallen wird. Offene und interessierte Hörer oder Freunde von neuem Primordial-Material sollten deswegen reinhören und sich selbst ein Bild machen. Zum Zünden braucht das Album seine Zeit, ist dafür aber umso komplexer und großartiger.

Bewertung: 8 / 10

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