Review The Rolling Stones – Havana Moon

  • Label: Universal
  • Veröffentlicht: 2016
  • Spielart: Rock

Konzerte sind schon eine feine Sache. Mal mehr, mal weniger Menschen treffen sich und schauen sich an, wie eine Band auf der Bühne ihre Songs zum Besten gibt, dazu gibt es Bier, vielleicht ein Tourshirt und am Ende des Abends eventuell eine schöne Erinnerung. Manchmal jedoch, sind Konzerte eben mehr als das. Als 1991 mit AC/DC, Metallica, The Black Crows und Pantera das erste Mal Bands aus dem Land des Klassenfeindes in Moskau auftreten durften, wollten das eine halbe Million Menschen sehen, denn diese Show war eben mehr als ein Konzert. Sie war Ausdruck der Überwindung über den Kommunismus.

25 Jahre später finden sich erneut viele Menschen zusammen, diesmal sogar 1,2 Millionen, um erneut einem Konzert beizuwohnen, dass so viel mehr ist, als bloße musikalische Darbietung. Denn mit dem von Präsident Barack Obama eingeläuteten Ende der US-Isolationspolitik Kubas normalisieren sich gegenwärtig die Beziehungen zwischen dem Inselstaat – der vielleicht letzten echten Bastion des Kommunismus – und der westlichen Welt. Welche Truppe wäre geeigneter dies zu feiern, als die ROLLING STONES, die nicht wenigen als die Verkörperung des westlich-dekadenten Lebensstiles gelten. „Havana Moon“, so der Titel der nun in allen möglichen Formaten verfügbaren Show, ist also zugleich Konzertmitschnitt und zeitgeschichtliches Dokument.

Zeitgeschichtliches Dokument würde als Beschreibung auch auf die Mitglieder der ROLLING STONES passen. Denn die Herren Jagger, Richards, Woods und Watts sind nicht nur älter geworden, sie sehen vielmehr aus wie Lederturnbeutel, die zu oft nass geworden und deshalb stark zerknittert sind. Damit einhergehend ist auch ein arg eingeschränkter Bewegungsumfang, gerade auch im Vergleich zu beispielsweise „Shine A Light“. Nichtsdestotrotz legen die alten Männer sich ordentlich ins Zeug, was „Havana Moon“ auch widerspiegelt – ebenso wie die offensichtliche Spielfreude der Band.
Doch die muss das Ganze ja nicht allein bewältigen. Neben Backroundsängerinnen, einem Bassisten und einem Keyboarder sowie einigen Bläsern sind da ja auch noch die 1,2 Millionen Kubaner, die sich als äußerst textsicher herausstellen. Dies sorgt – neben einem nahezu perfekten Sound, der auch die Liveatmosphäre einfängt – dafür, dass die mit Hits gespickte Show zu einer tollen Sache wird. „Paint It Black“, „Sympathy For The Devil“ und „You Can’t Always Get What You Want“ werden ebenso begeistert aufgenommen wie „Angie“, „Gimme Shelter“ oder „Brown Sugar“. Besondere Freude löst Frontman Mick Jagger auch damit aus, einige Ansagen in feinstem Spanisch darzubieten.
Das Großartigste sind jedoch weder Sound noch Setlist. Es sind die Zuschauer selbst. Denn an deren Reaktionen und deren Enthusiasmus wird deutlich, was ein Konzert Menschen bedeuten kann, etwas das man im gesättigten deutschen und europäischen Konzertmarkt oft vergessen kann. Ganz im Gegensatz dazu zeigt „Havana Moon“ Menschen, die vor Freude weinen, da vor ihren Augen etwas geschieht, das sie sich nicht zu träumen gewagt hätten – die ROLLING STONES spielen auf Kuba.

Diese überbordende Emotion, die „Havana Moon“ meisterlich einfängt, ist es auch, die diesen Konzertmitschnitt zu etwas Besonderem macht. Hier ist nicht nur eingefangen, wie Menschen eine Band feiern, hier ist aufgezeichnet worden, wie sich die Leben vieler Menschen verändern und nicht wenige scheinen dies auch während des Konzerts zu begreifen – beeindruckende Bilder. Dass es neben der Show (abgesehen von ein paar Bonustracks) kein Bonusmaterial gibt, fällt dabei nicht ins Gewicht. Die ROLLING STONES schreiben erneut Geschichte, mit einer großartigen Show, die auf „Havana Moon“ trotzdem nur die zweite Geige spielt.

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Wertung: 9.5 / 10

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