CD-Review: Tusmørke - Riset Bak Speilet

Besetzung

Benediktator - Gesang, Bass, Keyboard
Krizla - Gesang, Flöte, Keyboard
HlewagastiR - Schlagzeug
The Phenomenon Marxo Solinas - Keyboard

Gastmusiker:
Johnny Olsen - Trompete, Saxofon

Tracklist

01. Offerpresten
02. Gamle Aker Kirke
03. Black Swift
04. All Is Lost
05. Riset Bak Speilet


TUSMØRKE is a strange beast“, heißt es auf der Internetseite des Plattenlabels über die Gruppe. Und besser hätte ich es nicht sagen können. Bei jedem Hördurchgang ihrer neuen Scheibe „Riset Bak Speilet“ versuche ich, neue Informationen aufzuschnappen, aber ein Wort blockiert meinen Gedankenfluss in großem Maße: ’skurril‘.

Wer sich das schwarz-weiße, eher depressive Cover ansieht und damit rechnet, eine typisch düstere, norwegische Platte in der Hand zu halten, hat sich geschnitten. TUSMØRKE spielen eine astreine, farbenfrohe Mischung aus Folk und Progressive Rock. Was vielleicht erst auf den zweiten Blick auffällt, ist, dass die Norweger ohne Gitarren arbeiten und stattdessen die Keyboards und die Flöte in den musikalischen Vordergrund stellen. Vielleicht ist es gerade das, was ihren Stil neben den äußerst ausgefallenen Promofotos und Musikvideos so besonders macht.

Jeder der fünf Songs hat Überlänge, was jedoch keineswegs negativ auffällt, da es zu dem verdrehten Konzept der Musiker exzellent passt. Fast jeder der Titel bietet selbst so viel Abwechslung, dass Langeweile beim Hören nicht auftreten dürfte. Als Beispiel dafür nehme man „Offerpresten“, den ersten Song des Albums: Ruhige und freundliche, fast zauberhafte Töne klingen von der Flöte an und das Stück, das ausschließlich auf Norwegisch eingesungen wurde, beginnt. Während des lebhafteren Mittelteils kommen Trompeten zum Einsatz, die das unterbewusste Gefühl, im Text würde es um ein paar aufgedrehte Hippies gehen, die singend durch ein Blumenfeld der Freiheit entgegen tanzen, noch weiter verstärken. Sieht man sich jedoch das dazugehörige Musikvideo an, sind die Hippie-Illusionen schnell erloschen und die Tragik, die hinter all dem farbenfrohen Schein steckt, kommt zum Ausdruck. So auch im letzten Song „Riset Bak Speilet“, in welchem die musikalische Grundstimmung jedoch von Beginn an depressiver ist.
Der einzige kleine Stimmungskiller des Albums ist das Lied „All Is Lost“: Bei einem ersten Hördurchgang ist auch dieses Stück ‚ganz lustig‘, eine tiefere Logik und Schönheit lässt sich allerdings nicht entdecken, weshalb es durch den etwas schrägen Gesang bei mehrfachem Hören tatsächlich anstrengend, wenn nicht sogar nervig werden kann.

Wer sich jeden Tag darüber ärgert, nichts Einzigartiges zu besitzen, schaffe sich schnellstmöglich „Riset Bak Speilet“ an und hoffe darauf, dass andere Musiker nicht auch in den Fluss der Eigenartigkeit gerissen werden und sich von den musikalischen Ergüssen der norwegischen Truppe TUSMØRKE inspirieren lassen. Dass „Riset Bak Speilet“ wirklich für jedermann ist, darf bezweifelt werden. Wer jedoch großer Fan von Skurrilem ist, sollte hier seine Erfüllung finden und eine Menge Spaß mit der Scheibe haben.

Bewertung: 8 / 10

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