CD-Review: Valborg - Nekrodepression

November 2012

Besetzung

Christian Kolf – Gesang, Gitarre
Jan Buckard – Bass, Gesang
Florian Toyka – Schlagzeug

Tracklist

01. Sakrale Vernichtung
02. Ich fresse die alte Sommernacht
03. Zyklop
04. Tempelberg
05. Kloster
06. Kugelblitz
07. Under The Cross
08. Massaker in St. Urstein
09. Springtime Woman
10. Taufe
11. In Ekklesia
12. Opfer


2009, 2010, 2011, 2012 – an Kontinuität hinsichtlich ihrer Album-Releases macht VALBORG wohl niemand etwas vor … vor allem, wenn man bedenkt, dass die involvierten Musiker quasi nebenbei noch sehr aktiv eine ganze Reihe anderer Projekte betreiben.

Bei einer derart hohen Veröffentlichungs-Frequenz stellt sich natürlich die Frage, ob die Quantität nicht zu Lasten der Qualität geht – und weniger nicht manchmal mehr wäre. Und in der Tat, das vierte Album „Barbarian“ litt vielleicht unter genau diesem Phänomen, schließt man aus, dass das Trio spontan das Schreiben eines spannenden Albums verlernt haben könnte.
Und dennoch ist es beruhigend, festzustellen, dass dem tatsächlich nicht so ist – das neue Album „Nekrodepression“ ist hierfür mehr als ein handfester Beweis.
Roher als seine Vorgänger und auf das Nötigste reduziert, bis nur noch die Essenz des Dreckigen, Bösen übrig geblieben ist, trifft die von der Band formulierte Beschreibung den Nagel eigentlich auf den Kopf: „Punk und Primitivität. Metal und Massaker. Parolen statt hochtrabend pseudo-poetische Texte.“ steht dort geschrieben, und so puristisch, wie es sich im Wortlaut anhört, klingt auch das Album.
Los geht es mit „Sakrale Vernichtung“, dessen Main-Riff stampft und pumpt wie eine ganze industrielle Großanlage aus dem 19. Jahrhundert – und das mit ebenso viel Wucht. Ein Einstieg, der sich gewaschen hat… wobei diese Redewendung bei dem schmutzigen, räudigen Sound nicht wirklich passen mag. Was VALBORG in den folgenden 45 Minuten beweisen, ist vor allem eines: Primitivität ist kein Kriterium für Kreativität oder Vielseitigkeit eines Albums. So ist „Nekrodepression“ nämlich trotz minimalistischer Herangehensweise und eines sehr klar erkennbaren roten Fadens vielseitiger und unterhaltsamer als so manch pseudo-progressives Machwerk anderer Formationen. Einen beträchtlichen Anteil an der packenden Atmosphäre hat dabei der Gesang, welcher durch das gekonnt arrangierte Zusammenspiel aus den rauen Death-Vocals von Christian Kolf und Jan Buckards Klargesang sehr abwechslungsreich daher kommt.
Wie man es von VALBORG kennt, wurde auch „Nekrodepression“ live eingespielt – „ohne verfälschendes Editing“, wie die Band nicht ohne Stolz zu Protokoll gibt. Und das mit Recht, ist das Ergebnis doch wirklich lebendig und strotzt vor Dynamik.

Mit „Nekrodepression“ legen VALBORG nicht nur ihr bislang vielleicht stärkstes Album vor, sie schaffen damit auch die Quadratur des Kreises – gelingt es dem Trio aus Nordrhein-Westphalen mit seinem fünften Album doch, dem eigenen, unverwechselbaren Stil treu zu bleiben, und sich zugleich auf gewisse Art neu zu erfinden. Ein absoluter Geheimtipp aus der Welt der düsteren Klänge, der nicht nur Fans des bisherigen Schaffens der Band beeindrucken dürfte.

Bewertung: 9 / 10

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