Das Cover von "Gods Of Tomorrow" von Victory

Review Victory – Gods Of Tomorrow

  • Label: AFM
  • Veröffentlicht: 2021
  • Spielart: Heavy Metal

Mit Accept hat der deutsche Heavy Metal sicherlich eine der einflussreichsten Bands überhaupt hervorgebracht, doch auch in der zweiten Reihe geht es noch ziemlich prominent zu: Neben den Urgesteinen Sinner sind dabei vor allem VICTORY zu nennen, die seit 1984 eine wichtige Konstante der Szene darstellen. Alle drei Formationen haben gemeinsam, dass neben den hinlänglich bekannten Köpfen auch Gitarrist Herman Frank irgendwann bei ihnen mitmischte. Neben seinem Beitrag zum Accept-Referenzwerk „Balls To The Wall“ und der nicht weniger gefeierten Sinner-Platte „Touch Of Sin“ ist der Mann vor allem die treibende Kraft von VICTORY. Zehn Jahre nach ihrem letzten Output „Don’t Talk Science“ und nur kurz nach der letzten Herman-Frank-Platte „Two For A Lie“ erscheint mit „Gods Of Tomorrow“ endlich ein neues Album der Hannoveraner.

Offensichtlich konnte sich Herr Frank auf seinem letzten Soloalbum „Two For A Lie“ hinreichend schwermetallisch austoben, denn mit VICTORY schlägt der Mann deutlich andere Töne an: Schon die AC/DC-Vibes im Opener „Love & Hate“ zeigen, dass es hier weit mehr Hard und Stadion-Rock als beim Soloschaffen des Bandkopfs gibt und auch eine Nummer wie „Hold Me“ verströmt fast schon bluesiges Cinderella-Feeling. Insgesamt geht es auf „Gods Of Tomorrow“ – wie eigentlich schon immer bei VICTORY – weit weniger teutonisch zu, stattdessen sind die Riffs von coolen Stampfern wie „Cut To The Bone“ oder „Leave You Alone“ stark vom US-Westküsten-Sound der 80er geprägt.

Natürlich verlaufen die Grenzen zwischen Hard Rock und Heavy Metal auf „Gods Of Tomorrow“ nicht ganz eindeutig – das ist auch gut so, denn VICTORY sind immer am besten, wenn sie mit dem Metal flirten. Entsprechend sind treibende Uptempo-Nummern wie der Titeltrack, „Into The Light“ oder „Rising Force“ ganz typische VICTORY-Songs, die auch auf legendären Platten wie „Culture Killed The Native“ oder „Temples Of Gold“ hätten stehen können. An ebenjene Werke fühlt man sich im Laufe dieser Platte ohnehin immer wieder erinnert. Das liegt neben dem authentischen Songwriting vor allem an Sänger-Neuzugang Gianni Pontillo (The Order), der tatsächlich stark nach Fernando Garcia und damit der vielleicht besten Stimme, die diese Band je hatte, klingt.

Bei stolzen 14 Songs lässt sich der ein oder andere Füller natürlich nicht ganz vermeiden und so wären etwa der gefällige Radio-Rocker „Unconditional Love“ oder das ziemlich gewöhnliche „My Own Desire“ gut und gerne verzichtbar gewesen. Mit gut 50 Minuten Spielzeit ist „Gods Of Tomorrow“ überhaupt ziemlich lang geraten, was bei derart regelkonformem Hard Rock nicht nur von Vorteil ist. Dennoch: VICTORY klingen auch 2021 noch unüberhörbar nach sich selbst und liefern mit ihrem Quasi-Comeback eine absolut glaubwürdige Platte ab – dem starken Songwriting und der überragenden Performance ihres neuen Frontmanns sei dank.

Eine Zeitlang sah es so aus, als wäre „Don’t Talk Science“ der Schlusspunkt der Karriere von VICTORY gewesen – dass sich die Band zehn Jahre später mit einem neuen Album zurückmeldet, kam also als ziemliche Überraschung. Umso schöner ist es, dass Bandkopf Herman Frank nicht bloß ein weiteres Solo-Album unter anderem Namen veröffentlicht hat, sondern eine absolut authentisch VICTORY-Platte vorlegt. „Gods Of Tomorrow“ enthält unverkennbar das Erbgut des typischen Sounds dieser Band und klingt dabei doch nie nach Selbstkopie. Vielleicht ist dieses Album eine Idee zu lang geraten, dank der großartigen Performance der Band und vor allem des neuen Frontmanns verzeiht man das aber gerne.

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Wertung: 8 / 10

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