CD-Review: Vreid - Pitch Black Brigade (+)

Besetzung

Sture - Gesang, Gitarre
Ese - Gitarre
Hváll - Bass
Steingrim - Schlagzeug

Gastmusiker:
Strom - Soli auf Nr. 2 und 4
Buene - Synthesizer
Vegard Bakken - Gesang

Tracklist

01. Då Draumen Rakna
02. Left To Hate
03. Pitch Black
04. The Red Smell
05. Hengebjørki
06. Our Battle
07. Hang 'Em All
08. Eit Kapittel For Seg Sjølv


VREID sollten mittlerweile jedem etwas an Black Metal interessierten Menschen bekannt sein, alleine vom Namen her. Die Gruppe formierte sich kurz nach Terje „Valfar“ Bakkens Tod und der damit verbundenen Auflösung WINDIRs. Um nicht das ganze nochmals aufzurollen, VREID spielen nicht den Black Metal, der zur Ära WINDIRs präsentiert wurde, VREID sind eine eigenständige Truppe und die Musik war nie als Bindeglied gedacht. Von Anfang an wurde das eigene Ding gemacht, natürlich sind Einflüsse aus „alten Zeiten“ immer mal wieder vorhanden, jedoch war es nie die primäre Absicht der Gruppe. Wie dem auch sei, schon mit „Kraft“ konnte mich der Vierer aus Sogndal auf voller Länge überzeugen, Old-School Black Metal wurde auf ein völlig neues, individuelles und frisches Niveau gehoben, rohes Gekloppe mit Herz, aber auch atmosphärische, emotionsgeladene Momente waren vertreten. „Pitch Black Brigade“ fängt da an, wo „Kraft“ aufhört, zwar wird immer noch in der selben Manier in die Fresse geschlagen, allerdings haben auch VREID sich in vieler Hinsicht entwickelt. Das Album wurde erneut im eigenen Studio „1184“ aufgenommen, was kaum zu überhören ist. Die charismatische Produktion vom Vorgänger ist auch hier wieder vorhanden und gibt den ohnehin großartigen Songs den letzten Schliff.

Mit einem langen Pickslide wird „Då Draumen Rakna“ eingeleitet und nach einem kurzen Intro legt der Vierer auch schon los. Ab dem ersten Moment wird genau das geboten, besser gesagt überboten, was man erwartet hat, erneut stecken VREID viel Energie in die Songs und gehen noch vielseitiger zu Werke. Geschwindigkeitswechsel und die Nutzung von kurzzeitigem Einsetzen gewisser Monotonie und Dissonanz verleiht dem Opener eine unglaubliche Atmosphäre. Das Gaspedal wird angezogen, bevor ein ruhiger Part einsetzt, in dem klare Gitarrenpassagen zum Einsatz kommen und wieder mit stürmischen Stakkatoakkorden unterbrochen aber weitergeführt werden. Im Gegensatz zum meist eindeutig Black Metal lastigen Vorgänger besitzt „Left To Hate“ wieder eine extreme Rock’n’Roll Attitüde und wäre wohl sehr gut mit „Raped By Light“ vom Vorgänger zu vergleichen. Gegen Mitte beweist ehemaliger WINDIR-Leadgitarrist Strom seine Fertigkeiten und zaubert ein zwar simples aber unglaublich atmosphärisches Solo dahin, das den Hörer wieder stark an Alben wie „Likferd“ zu erinnern vermag. „Pitch Black“ fährt wieder eine sehr groovige Schiene, hierzu wurde gar ein Video gedreht. Auch hier sorgen Geschwindigkeitswechsel für Abwechslung, wobei dieser Song fast gar den auf gewisse Weise banalsten bisher darstellt. „The Red Smell“ leitet mit einem Black Metal lastigen Riff ein, geht dann aber in unvergleichbare Gefilde über, die ich mit nichts vergleichen könnte. Wieder werden Cleangitarren genutzt und unterlegen die großartigen Riffs und im letzten Drittel wird der Song zu einem absoluten Killer. Jeder Ton sitzt, das Schlagzeug untermalt die perfekt gewählte Stimmung, Sprechgesang wird eingesetzt und erneut sind Stian Bakketeigs (aka Strom) Gitarrenkünste zu bewundern.

Wer erinnert sich nicht an „Helvete“, den Song auf „Kraft“, der mit einem langen und ungewöhnlichen Synthesizerintro begann und dann in einen mitreißenden Black Metal Song überging? Selbiger erhielt eine Fortsetzung in Form von „Hengebjørki“, programmiert von einem Freund Valfars, Buene, mit dem er zu Lebenszeiten viel elektronische Musik produzierte. Auch dieser Song wird in VREID-Manier fortgesetzt und besonders toll klingen hier schon die Leadgitarren zu Anfang. Valfars Bruder, Vegard Bakken, der auch seinem verstorbenen Bruder auch schon am Abschiedskonzert die Ehre erwies, einen Großteil der Livevocals zu tätigen, übernimmt hier auch teilweise den Gesang. Seinen Höhepunkt erreicht das Lied nach einem kurzen Interludium, denn hier ist wieder die ganze Melancholie und Dramatik zu verspüren. Melodische, auf eine unheimliche Art und Weise unglaublich traurig wirkende Melodien, typisch geschrieener und auch klarer Gesang machen diesen Titen zu etwas bsolut großartigem und meinem Favoriten auf dem Album, denn viel besser kann man einfach nichts mehr machen. „Our Battle“ hingegen klingt wieder bitterböse und teilweise sogar ein wenig Death Metal angehaucht, bleibt aber aufgrund der Refrainmelodien ziemlich leicht im Ohr hängen. Auch ein Song, den ich zum Reinhören absolut empfehlen würde! „Hang ‚Em All“ besitzt einen wirklich sehr, sehr starken Neo-Darkthrone-Touch, was auch kein Wunder ist, wenn man mal von den Aussagen Hválls ausgeht, wirkt aber trotzdem nicht kopiert, da die Band erneut verschiedenen Elemente miteinbringen. Eine Art Outro ist dann noch „Eit Kapittel For Seg Sjølv“, der wohl eigenartigste Song auf der Platte. Hier wird unglaublich viel experimentiert, dem einen gefällt’s, dem anderen überhaupt nicht. Ich finde, dass VREID einen perfekten Abschluss mit dieser Mischung aus Elektronik, Black Metal und Ambiente geschafft haben.

Viel zu sagen ist hierzu wohl nicht mehr, viel besser hätten VREID dieses Album nicht machen können. Hier stimmt fast alles, kleinste Schwächen bügeln die Norweger mit der unglaublichen Portion an Emotion aus. Trotzdem lasse ich mal noch etwas Spielraum nach oben, da ich noch lange nicht glaube, dass VREID ihr Potential schon völlig ausgeschöpft haben. Von dem Vierer wird man in Zukunft noch einiges zu hören bekommen, das ist erst der Anfang!

Bewertung: 9 / 10

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