Review Wolf – Devil Seed

  • Label: Century Media
  • Veröffentlicht: 2014
  • Spielart: Heavy Metal

WOLF mögen ihren Stahl konservativ, daran konnte es noch nie einen Zweifel geben. Seit 2000 bringen die Schweden ihren durch und durch klassischen Heavy Metal an den Mann, und es scheint, als ob die Zeit für sie spielt. War Anfang der 2000er mit dieser Musik noch wenig zu gewinnen, kann man damit heute wieder punkten, hat sich die Gruppe der Fans des Old School Heavy Metals doch deutlich vergrößert. WOLF jedenfalls haben sich in den letzten vierzehn Jahren nicht eine Sekunde beirren lassen und zeigen uns mit „Devil Seed“ ein weiteres Mal, wie sich diese Musik anzuhören hat.

Denn dieses Album hat alles, was es braucht, um Heavy-Metal-Fans in Rührung zu versetzen: treibendes, präsentes und nicht steriles Drumming, robustes Bass-Backbone und Twin-Gitarren-Läufe. Was das für eine Energie entfaltet, zeigt schon das rein instrumentale „Overture In C-Shark“, das sofort in Vorfreude und gespannte Erwartung versetzt. Wenn dann im grandiosen Headbanger „Shark Attack“ die hohe und klare Stimme von Sänger Olsson hinzukommt, weiß man, dass man bei WOLF in guten Händen ist. Ähnliche Hymnen finden sich auch im weiteren Verlaufe der Scheibe immer wieder, wie das etwas langsamere „Skeleton Woman“, der stampfende Midtempo-Kracher „Dark Passenger“ oder der epische Refrain von „Frozen“.

Die Einflüsse der Band sind natürlich unschwer zu erkennen: Iron Maiden, ältere Accept und mindestens einmal auch Mercyful Fate („I Am Pain“) standen Pate. Dennoch haben die Schweden einen eigenen Sound entwickelt, der nicht nur durch den Gesang unverwechselbar ist. Man mag nun einwenden: „Gut, das machen die doch schon lange so“. Damit hätte man aber gleichzeitig Recht und Unrecht. Zwar stimmt es, dass WOLF weder genremäßig noch in ihrem eigenen Backcatalogue das Rad völlig neu erfinden. Aber das hat gute Gründe – sie sind inzwischen souverän genug, um sich einige Variationen einfallen zu lassen, was „Devil Seed“ in gewissem Rahmen auch von den Vorgängeralben abhebt.

So geht es mehrmals für die Verhältnisse von WOLF vertrackter und weniger straight zur Sache. Songs wie das etwas unruhige „My Demon“ hätte man auf frühen WOLF-Scheiben nicht gefunden, und auch das abwechslungsreiche Drumming und die Tempowechsel  bei „Back From The Grave“ sind vom Songwriting her ein Schritt in eine etwas andere Richtung. „Surgeons Of Lobotomy“ drückt dagegen ungewohnt brutal und düster aus den Boxen. So bleibt das Album interessant und lädt zu vielen Durchläufen ein, bei denen man genauer hinhören möchte. Wenn dann zugleich noch die eingangs erwähnten Hymnen im Ohr bleiben, ist man gleich doppelt motiviert.

Sicher, man könnte kritisieren, dass die richtigen Uptempo-Kracher dieses Mal fehlen. Lediglich „Shark Attack“ drückt richtig auf die Tube. Ein oder zwei weitere Granaten dieser Güte hätten das Paket abrunden können. Aber auch so ist „Devil Seed“ ein wirklich gutes Album geworden, zu dem man WOLF nur gratulieren kann – eine klare Kaufempfehlung.

Wertung: 8.5 / 10

Publiziert am von Marc Lengowski

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