Review Soulburn – Quantifying Cosmic Doom

Aus dem Kontext gerissen klingt der Name SOULBURN fast spirituell oder esoterisch. Bei Metalheads dürfte es aber spätestens beim Blick auf das Logo klicken: Aus (teils ehemaligen) Mitgliedern von GRACELESS, ASPHYX, LEGION OF THE DAMNED oder GRAND SUPREME BLOOD COURT zusammengesetzt, gehört die Truppe zur ganz alten Garde der niederländischen Metal-Szene. Und doch ist auch die freie Namens-Assoziation nicht ganz verkehrt – zumindest im Hinblick auf das neue, erst fünfte Album in 30 Jahren Bandgeschichte: „Quantifying Cosmic Doom“.

War der direkte Vorgänger „Noa’s D’Ark“ noch ein vergleichsweise genrekonformes Death-Metal-Album (mit einigen Dark-Metal-Anleihen), lassen sich SOULBURN auf ihrem neuesten Werk nicht mehr so einfach in eine Schublade pressen. So beginnt das Album mit dem schnellen Einstiegs-Riff von „The Braveheart Of Nightmares“ fast schon schwarzmetallen – allerdings auch nicht in der traditionellen Schlagrichtung, die als Einfluss auf früh(er)en SOULBURN-Alben herauszuhören war: Denn bald schon überrascht Sänger Twan van Geel mit theatralischem Klargesang, der sich mit gescreamten Passagen abwechselt, sowie später Sprechgesang über einem ausladenden Cleangitarren-Part. Spätestens hier dürften sich jeder Oldschool-Fan fragen, ob das hier wirklich die SOULBURN sind, die gemeinsame Wurzeln mit ASPHYX haben – oder vielleicht doch ein Newcomer gleichen Namens?

Die Unsicherheit bleibt – denn obwohl bereits der zweite Track wieder komplett anders klingt als der Opener, klingt hier weiterhin wenig nach SOULBURN, wie man sie kannte. Wer auf der Suche nach Oldschool (Death) Metal ist, kann hier aufhören zu lesen: Diesem Genre haben SOULBURN quasi komplett abgeschworen. Ohne eine solche Erwartungshaltung erweist sich „Quantifying Cosmic Doom“ jedoch als ein faszinierendes Album, das durch seine vielen Facetten über die beachtliche Spielzeit von über einer Stunde zumindest spannend bleibt. So geht es mal mehr in Richtung neuerer ROTTING CHRIST, mal noch tiefer in den (melodischen) Black Metal – wobei der immer wieder eingesetzte Klargesang dem Ganzen eine deutliche Avantgarde-Note verleiht.

Wie es im Bereich des Experimentellen so ist, kann nicht alles, was die Niederländer ausprobieren, rundum überzeugen. Insbesondere am teilweise arg geleierten Klargesang dürften sich die Geister scheiden, der sprichwörtliche „rote Faden“ geht im Albumverlauf bisweilen unter der Masse an Ideen verschütt, und mag es auch Teil des Konzepts sein: Das zerhackstückte Ende von „Stalactites Of Molten Flesh“ wird auch nach mehrmaligem Hören nicht besser. Im Gesamtkontext dieses insgesamt faszinierend vielschichtigen Werkes gesehen sind das jedoch vergleichsweise kleine Mängel.

Der von den Schwaden des Kosmos benebelte Jesus, umgeben von Planeten und … Tentakeln – treffender als mit dem gewählten Cover-Artwork könnte man dieses Album wohl kaum illustrieren. Was SOULBURN auf „Quantifying Cosmic Doom“ abliefern, ist tatsächlich nicht eben „down to earth“ – und immer wieder überraschend. Viele ihrer bisherigen Fans dürften die Niederländer damit zwar verprellen – wer jedoch avantgardistischen Black/Dark Metal mag, sollte diesem unerwartet komplexen Werk zumindest ein paar Durchläufe gönnen. Ist die Überraschung über den Stilwechsel nämlich erst überwunden, hält „Quantifying Cosmic Doom“ so manche spannende Wendung bereit. Zu diesem mutigen Album – nach 30 Jahren auf vergleichsweise ausgetretenen Pfaden – kann man SOULBURN nur gratulieren!

Du siehst gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicke auf die Schaltfläche unten. Bitte beachte, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Wertung: 8.5 / 10

Moritz Grütz

Publiziert am von

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert