Interview mit Sven von Aborted

Anlässlich des am 16. Februar 2007 anstehenden Releases des mittlerweile fünften Aborted-Albums „Slaughter & Apparatus“ hatten wir die Möglichkeit, mit Frontgrunzer Sven ein paar Worte zu wechseln und diverse interessante Dinge – zum Beispiel über die immensen Besetzungswechsel – zu erfahren.

Hi Sven! Danke für dieses Interview mit Metal1. Wie stehen die Dinge?
Ziemlich gut, wir proben gerade um uns für die Release-Shows vorzubereiten.

„Slaughter & Apparatus“ kommt am 20. Februar raus. Seid ihr mit dem Endprodukt zufrieden?
Jap, wir sind zufrieden. Natürlich gibt es ein paar kleine Details, die man sich wünschte, ein bisschen besser oder anders gemacht zu haben, wenn man die Platte hört. Aber insgesamt, sind wir sehr zufrieden, weil es einfach das Album geworden, das wir machen wollten. Wir wollten etwas brutaleres, komplexeres und Metal-lastigeres machen als auf dem vorigen.

Ihr habt das Line-Up nahezu komplett ausgetauscht, aber das Album klingt noch immer sehr nach Aborted, obwohl einige Unterschiede nicht abzustreiten sind. Wer hat die Musik dann geschrieben, sodass ihr immer noch so klingt wie auf dem Vorgänger?
Die meiste Musik wurde von Seb mit meiner Einwirkung komponiert, ich habe einige Riffs und Strukturen beigesteuert, um sicher zu sein, dass es immer noch nach Aborted klingt. Aber er hat das meiste geschrieben und war sich auch im Klaren darüber, dass wir ein Album aufnehmen wollen, dass typisch nach Aborted klingen aber auch einige neue Elemente enthalten soll. Es macht ja keinen Sinn, das gleiche Album zweimal aufzunehmen.

Gab es irgendwelche Spannungen zwischen den Bandmitglieder oder warum sind so viele in einem so kurzen Zeitraum ausgestiegen?
Ähm … Keiner von ihnen ist wirklich ‚ausgestiegen‘ (lacht) Ja, die ganze Sache mit Thijs und Free ist außer Kontrolle geraten. Naja, Bart hat die Band ja schon vorher verlassen, weil er keinen Bock mehr auf extremen Metal, Touren und so hatte und anderen Dingen im Leben nachgehen wollte. Thijs und Free hatten wirklich Probleme mit ihrem Benehmen und ihrem Ego und es war unmöglich, mit ihnen weiterzumachen. Und später hat es einfach nicht mehr geklappt, weil sie für alles, was sie gemacht haben, Geld verlangten. Wir haben es einfach nicht mehr hingekriegt auf der Bühne eine Band darzustellen.

Dave Haley hat die Drums auf dem neuen Album eingespielt und im Moment übernimmt Arien Van Weesenbeek die Live-Drums als Sessionmitglied. Werdet ihr einen der beiden möglicherweise in Zukunft als Drummer fest einstellen oder ist da noch nichts sicher?
Nein, wir probieren noch andere Drummer aus, weil wir natürlich eine permanente Lösung haben wollen. Wir sind bloß froh darüber, gerade mit ein paar Session-Leuten arbeiten zu können weil wir uns dann genug Zeit nehmen können, den richtigen zu finden – sowohl als Drummer als auch als Persönlichkeit. Wir sind es einfach leid, uns mit irgendwelchen Arschlöchern rumzuschlagen. Und wenn wir jemanden in die Band aufnehmen, wollen wir einfach sicher sein, dass es in der Zukunft keine Probleme oder sowas gibt.

Ich finde, dass das Album ziemlich viele Elemente des Götheborg-Sounds enthält, manchmal klingen die Soli sogar nach At The Gates. Wolltet ihr die Scheibe bewusst melodischer machen oder was war der Grund?
Ach nein, eigentlich haben wir gar nicht darauf geachtet und wollten es nicht melodischer machen, ich finde es ist wesentlich brutaler als das vorige. Das Melodische ist einfach mit den melodischen Leads reingekommen, weil wir viel mehr und die auch besser ausgearbeitet haben. Ich denke, das ist, was ihm diesen melodischen Touch verleiht.

Oh, wirklich?! Ich wollte gerade fragen, was der Grund dafür ist, dass die Soli zum Teil so unvollständig wirken. Aber jetzt wäre die Frage wohl sinnlos, also lassen wir sie besser weg und gehen zur nächsten über! (lacht)
Okay! (lacht)

Man merkt, dass ihr viel mehr synthetische Sounds verwendet. Wie seid ihr darauf gekommen? Die meisten denken, dass brutale Musik und Synthesizer nicht zusammenpassen.
Ja, das ist einfach im Studio so passiert. Wir hatten gar nicht geplant, Keyboards oder so etwas einzusetzen und wollten das Ganze einfach modern klingen lassen. Als wir das Mixing begonnen hatten, dachten wir einfach, dass hier und da noch dies und jenes fehlte und wir dachten eher an Samples. Eigentlich gibt es nicht wirklich viele richtige Keyboardpassagen, aber wir dachten, es bringt einfach mehr Atmosphäre, ein dunkleres Gefühl und einen modernen Touch. Es war nichts, was bewusst passierte, das kam dann einfach während dem Mix.

Was waren die Dinge, die ihr nach „The Archaic Abattoir“ bewusst verbessern wolltet?
„The Archaic Abattoir“ wurde ziemlich schnell zusammengewürfelt und einige Riffs wahren ziemlich lasch oder in irgendeiner Weise von den vorhergehenden Alben geborgt. Ich war nicht wirklich glücklich mit dem, was dann dabei rauskam. Also wollten wir einfach ein Album machen, das mehr Eier hatte als „The Archaic Abattoir“, mit ein bisschen Brutalität und komplexeren Riffs. Einfach durchweg interessantere Songs.

Okay, aber ich denke, dass „The Archaic Abattoir“ nach ein paar Hördurchgängen ein ziemlich gutes Album und gar nicht so schlecht ist.
Nein, nein, da darfst du mich auch nicht falsch verstehen, ich denke nicht, dass es ein schlechtes Album ist, aber wenn man weiß wie es ist, in der Band zu sein und wie es zustande kam, weiß man, dass es wesentlich besser hätte sein können, als es ist.

Ich würde sagen, es ist ziemlich genau auf dem selben Level mit dem neuen Album.
Okay!

Der gesamte Albumtitel ist mal wieder ziemlich lang. Was steckt dahinter und den Texten? Gibt es einen Unterschied zu den anderen Alben oder ist es so ziemlich dasselbe?
Nein, es gibt sowas wie ein Konzept, ein festes Thema. Wir wollten einen sehr kalten und dunklen Weg, Massenmorde zu begehen, aufzeigen. Wir haben „Apparatus“ in den Titel genommen, weil es sich um eine Maschinerie handelt, also etwas sehr unpersönliches. Es sind keine Menschen, die morden, sondern Maschinen. In der Story geht es, wie du auf dem Cover sehen kannst, um diese Fabrik und den Typen, der davor steht. Der Kerl ist ein Subjekt, das aus der Fabrik herauskommt. Die Story, die wir uns überlegt hatten, dreht sich also ziemlich genau darum, dass es viel zu viele Menschen auf dem Planeten und zu wenig Ressourcen gibt, sodass die Regierung beschließt, diese Fabriken zu errichten um unerwünschte Elemente aus dem Weg zu räumen. In gewisser Weise ist es auch eine Warnung von uns gegen die wachsenden Tendenzen zu rechtsradikaler Politik.

Auf „The Archaic Abattoir“ hattet ihr am Anfang ein Sample aus „American Psycho“. Sind die Samples zu Beginn von „Slaugther & Apparatus“ auch aus einem Film?
Nein, wir haben sie selber gemacht, wie alle anderen Samples auf dem Album.

Übrigens, wo kam eigentlich das Sample aus „Meticulous Invagination“ her?
Das war aus Hellraiser.

Ah, okay. Viele Fans waren sehr geschockt, als sie die groovigen und Hardcore-lastigen Songs von „The Archaic Abattoir“ nach dem recht brutalen „Goremageddon“ hörten. Denkst du, dass das neue Album so etwas wie ein „Comeback“ ist und die alten Fans das neue Zeug auch wieder mehr mögen werden als die Letzte?
Hm, ich bin mir nicht sicher. Das werden wir sehen. Aber in erster Linie haben wir diese Platte geschrieben, weil wir selbst wieder etwas brutaleres als „The Archaic Abattoir“ machen wollten. Eigentlich ist es egal, weil es da draußen immer noch die gibt, die finden, dass unser erstes Demo das Besten war, was wir jemals gemacht haben. Es spielt keine Rolle und wir sind zufriedener damit, je mehr es die Leute mögen.

Ihr habt für die letzten beiden Alben Videos gedreht, für „Meticulous Invagination“ und „Dead Wreckoning“. Werdet ihr auch welche für „Slaughter & Apparatus“ machen?
Jap. Wir haben schon ein Video zu „The Chondrin Enigma“ gedreht, welches zusammen mit dem Faith No More Cover auf der Limited Edition enthalten sein wird, genauso wie ein Making-Of des Videos und ein Studioreport. Wir werden das Video wahrscheinlich auch auf unsere MySpace-Seite stellen und später, vermutlich im Sommer, auch noch ein Video zu dem Song „Avenious“ machen.

Die Hatesphere-Leute sind wieder als Gäste mit von der Partie und auch der legendäre Jeff Walker übernimmt einen Part. Wie seid ihr mit ihm in Kontakt gekommen?
Ziemlich lustige Story! Ich hab seine E-Mail-Adresse von einem Freund bekommen und wir dachten uns „Lassen wir ihn auf dem Album singen“, nur so aus Spaß, weißt du. Wir hätten halt niemals gedacht, dass das wirklich klappen würde. Aber er hat ziemlich schnell geantwortet und sagte, dass er Lust hätte, auf dem Album mitzumachen. (lacht) Wir waren geschockt, dass er es wirklich machen würde und sehr geehrt, ihn im Studio zu haben und mit ihm zu jammen. Es war einfach genial, weil wir natürlich seit Jahren große Fans waren.

Also scheint er eure Musik ja auch ziemlich zu mögen.
Wir haben nicht wirklich darüber geredet, aber er meinte, dass er das Carcass Cover gehört habe, das wir mal gemacht haben, und es ihm auch gefallen hat. Wir wollten ihn nicht mit „Magst du unsere Band!?!“ nerven, aber ich schätze mal schon, denn sonst hätte er es ja sicher nicht gemacht.

Das Album ist das erste Release über Century Media, die vorigen kamen über Listenable raus. Warum habt ihr Listenable verlassen und euch dazu entschieden, bei CM weiterzumachen?
Naja, der Vertrag war vorbei und wir hatten die Option, uns nach einem anderen Label umzusehen, also haben wir das gemacht. Century Media haben ja schon „The Archaic Abattoir“ und „Goremageddon“ in den Staaten rausgebracht und haben uns dann den Vertrag angeboten, weil sie wussten, dass der mit Listenable abgelaufen war. Sie haben in den USA ziemlich gut gearbeitet und so war es ein logischer Schritt für uns.

Eure DVD „The Auricular Chronicles“ kam Ende 2006 raus, ich glaube Oktober oder so. Hattet ihr eine DVD schon länger in Planung oder war das spontan?
Ja, das hatte ich schon lange geplant, aber Thijs und Free wollten nur eine machen, wenn sie dann wie eine Slipknot DVD aussieht, mit einem riesigen Budget, das wir natürlich niemals gekriegt hätten. (lacht) Und als sie weg waren, hat uns Listenable wieder auf die Idee gebracht. Also, wenn wir eine gutaussehende und -klingende DVD machen können – klar, warum nicht? Es gibt genug beschissene DVDs und sowas wollten wir nichts rausbringen, was mit einer Handycamera und scheiß Sound aufgenommen wurde. Die Chancen standen immer besser und wir dachten uns, dass es nach vier Alben der richtige Zeitpunkt wäre, sowas zu machen.

Das Artwork ist mal wieder großartig.
Danke!

Wer hat es gemacht?
Killustrations, wie beim letzten Mal.

Ihr verkauft wieder eine Menge Merch mit zig Designs. Wer macht das ganze Zeug?
Björn und ich.

Die offensichtlichste aller Fragen ist mal wieder: Wird es in naher Zukunft eine „Slaughter & Apparatus“ Tour geben?
Ja! Wir gehen gerade verschiedne Optionen durch und wir werden sehen, was passiert. Wir mussten unsere Teilnahme an der Immolation US-Tour canceln aber diese wird jetzt gar nicht stattfinden. Wir werden vielleicht zur selben Zeit touren, möglicherweise im September. Aber ich kann noch nichts bestätigen, weil wir noch nichts entschieden haben. Aber es wird Touren in Europa geben, das ist klar.

Und wie sieht’s mit Festivalauftritten aus?
Ja. Wir sind schon für das Hellfest bestätigt und arbeiten gerade an noch mehr aber ich warte noch auf Bestätigungen. Im Moment warten wir noch, aber ich bin mir sicher, dass wir noch auf einigen Festivals spielen werden.

Habt ihr schon Pläne bezüglich des nächsten Albums?
Wir haben gerade mit dem Schreiben angefangen und alles läuft gut, also werden wir vielleicht im Sommer nächstes Jahr mit den Aufnahmen anfangen. Aber wir sind schon dabei, ja.

Noch ein paar generelle Fragen. Was denkst du über die Death Metal Szene in Belgien und den Benelux-Staaten generell? Gibt es einige Besonderheiten, die man erwähnen könnte?
In Belgien gibt es, wie in Frankreich, eine Menge guter Bands, die sich bemühen, auch außerhalb bekannt zu werden. Aber da gibt es auch eine Menge Gegenbeispiele, was eigentlich schade ist, weil sie oft viel Talent haben, aber ihre Ärsche nicht hochkriegen oder die Opfer nicht bringen wollen. Aber über die belgische Szene kann ich eigentlich nur sagen, dass sie ziemlich groß ist und es auch eine Menge Support gibt. Die lokalen Shows sind oft nicht wirklich gut besucht. Aber wenn deine Band einen guten Namen hat, kommen einige und die Shows sind sehr cool.

Hier in Deutschland werden mehr und mehr Metal-CDs indiziert, weil die Texte und die Artworks zu brutal seien, wie zum Beispiel die ersten drei Cannibal Corpse Alben oder einige der deutschen Eisregen. Deren letztes Album wurde vor ein paar Tagen auf den Index gesetzt, weil deutsche Politiker denken, dass Mediengewalt für Amokläufe verantwortlich sei. Wie ist das in Belgien und was denkst du darüber?
Die Situation in Belgien ist vollkommen anders, weil es ihnen scheißegal ist. (lacht) Was die betroffenen Bands angeht, denke ich, das ist Bullshit. Aber wenn eine Band eine schlechte Message zu verbreiten hat, wie zum Beispiel Rechtsextremismus, ist es ein notwendiges Übel, die Leute daran zu erinnern, wie beschissen es werden könnte.

Ich gebe dir Bescheid, wenn die erste Aborted-CD hier indiziert wird.
Oh … wer weiß! (lacht)

Das Horrorkino scheint während der letzten Jahre mit der „Saw“ Serie, Remakes von Klassikern wie „The Hills Have Eyes“ oder Sequels wie „Texas Chainsaw Massacre – The Beginning“ wieder einen Höhepunkt zu erleben. Was denkst du über diese Welle moderner Horrorfilme?
Ich mag die Remakes, ich mag besonders das Remake von „Dawn Of The Dead“, ich mochte auch das Remake von „The Texas Chainsaw Massacre“, „The Beginning“ habe ich noch nicht gesehen, „The Hills Have Eyes“ war auch gut. Es gibt natürlich auch beschissene, aber ich mag die ganzen mehr als diesen Wes-Craven-Scream-Ich-Weiß-Was-Du-Letzten-Sommer-Getan-Hast-Bullshit, der vor ein paar Jahren rauskam.

Hast du vielleicht auch ein paar Empfehlungen?
Ja, ich fand „See No Evil“ ganz gut, „The Hills Have Eyes“ war auch gut. Ich freue mich auf „The Texas Chainsaw Massacre – The Beginning“, ich hoffe, er wird so gut wie der andere.

Hast du Saw III schon gesehen?
Ja … Hm, der Goreanteil war gut, aber die Story war ein wenig … komisch. (lacht)

Ich habe gehört, sie wollen jetzt jedes Jahr einen neuen drehen und das dann rund 5 Jahre lang forsetzten.
Wirklich? Ich mochte den ersten wirklich gerne, der zweite war … Najaaa … Und den dritten
fand ich ein klein bisschen besser als den zweiten.

Ich glaube, Teil 9 wird dann ziemlich scheiße sein, so wie es bei all den Serien wie „Friday 13th“ oder „Halloween“ lief. Aber egal, ich glaube wir sind so weit fertig. Wenn du noch etwas zu sagen hast, kannst du das jetzt tun.
Okay. Danke für das Interview und den Support. An alle da draußen, wir sehen uns auf der Tour und trinkt ein Bier mit uns!

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