Interview mit Thomas Tofthagen von Audrey Horne

Wer sich heute mit der Weltherrschaft beschäftigt, wird Wohl oder Übel den Weg einer Band kreuzen: Den norwegischen AUDREY HORNE. Mit Gitarrist Thomas Tofthagen führten wir ein entspanntes Interview über das neue Album, heiße Schauspielerinnen, Bergens Einstellung zu Gaahl und andere interessanten Themen.

Hey Thomas! Alles gut bei dir?
Alles bestens, danke dir. Wie gefällt dir unser neues Album?

Verdammt gut. Qualitativ ein wahnsinniger Sprung von den Vorgängern.
Freut mich zu hören, vielen Dank!

Das Coverartwork ist ziemlich interessant. Es gibt eine Menge kleiner Symbole – beispielsweise ein Herz, ein Sarg, gen Himmel gereckte Fäuste, eine Sonne und vieles mehr. Was hat all das zu bedeuten?
Das Artwork erzählt eine ganze Menge über die einzelnen Songs. Jedes dieser Symbole steht für eines der Lieder, repräsentiert deren musikalischen und lyrischen Inhalt. Wir haben übrigens auch ein neues Logo für dieses Album, wie du vielleicht schon gesehen hast.

Der Song „Sail Away“ erinnert mich melodisch ein wenig an den bekannten Becks-Werbespot mit dem großen Segelschiff. Kam dir das auch schon in den Sinn?
Ehrlich gesagt nicht, nein. (lacht) Hört der sich etwa auch so an?

Eine gewisse Ähnlichkeit ist schon vorhanden, ja.
Hm, okay… Ich achte bei Gelegenheit mal darauf. Wir haben ihn aber nicht geklaut, hehe.

Euer neues, selbstbetiteltes Album wurde wieder von Joe Barresi produziert, mit dem ihr auch schon beim Debüt gearbeitet habt. Was war denn der Grund dafür, dass er auf „Le Fol“ nicht Hand anlegte, jetzt aber wieder an Bord ist?
Die Band hatte zwischen „No Hay Banda“ und „Le Fol“ ein paar unangenehme Phasen durchzumachen. Letzten Endes haben unser Keyboarder Herbrand Larsen und King die Band verlassen, damit sich sie wieder ganz ihren eigenen Bands widmen konnten Es war keine Option, mit Barresi ins Studio zu gehen, weil alles ziemlich schnell gehen musste. Barresi hatte einen vollen Terminkalender und wir mussten uns beeilen, um die Band am Leben zu erhalten. Es ist nicht so, dass wir ihn nicht haben wollten; aber er ist ein vielbeschäftigter Mann, mit dem man alles sehr weit im Voraus absprechen muss.
Für diese Aufnahmen wussten wir früh genug, mit wem wir arbeiten wollten, meldeten uns bei ihm und er hatte glücklicherweise auch gerade Zeit. Wir hatten das Geld, um zu ihm nach Los Angeles zu fliegen und das Album mit ihm zu machen. Seine Arbeit war wieder toll, wir sind sehr zufrieden damit.

„Down Like Suicide“ ist ein toller Track, dessen Anfang vor allem die Weiterentwicklung von Toschies Gesang zum Ausdruck bringt. Allgemein scheint die Band mittlerweile zu einer festen Einheit zusammengewachsen zu sein. Das schlägt sich auch im Songwriting und den einzelnen Nummern selbst nieder.
Meiner Meinung nach erinnern die neuen Songs ein wenig mehr an klassischen Rock. Außerdem hatten wir mehr Zeit im Studio, waren sehr entspannt und spielten auch einige Sachen direkt live ein. Zudem haben wir eine große Anzahl unterschiedlicher Song-Typen, die sich untereinander nicht mehr so stark gleichen. Wir haben verschiedene Inspirationen bei den unterschiedlichen Liedern gehabt, diese entsprechend einfließen lassen und was dabei heraus kam, hörst du ja. Wir sind selbst überrascht, wie gut und reibungslos das alles funktioniert hat.

Auffällig ist auch, wie relativ fröhliche Melodien mit eher traurigen Texten kombiniert werden. Kannst du uns denn sagen, was in den Texten abgehandelt wird?
Toschie schreibt alle Songtexte. Wenn du also spezielle Fragen hast und detaillierte Antworten möchtest, müsstest du ihn fragen. Es schreibt weniger über bestimmte Situationen und erschafft dafür lieber eine gewisse Atmosphäre, eine besondere Stimmung und zaubert einem Bilder vor das innere Auge. Er spielt mit Worten und versucht dann, den Rest um diese Worte herum aufzubauen. Dabei werden keine konzeptionellen Geschichten erzählt. Seine Texte sind generell ziemlich dunkel, obwohl – wie du schon sagtest – die Melodien an sich eher fröhlicher klingen. In dieser Hinsicht arbeitet er also auch mit Gegensätzen und Kontrasten, die bei der aktuellen Scheibe wirklich sehr gut zur Geltung kommen.

Keiner von euch dürfte mit Black- oder Doom Metal aufgewachsen sein. Stattdessen habt ihr sicherlich auch normale Musik gehört.. War das vielleicht auch einer der Gründe, weshalb AUDREY HORNE gegründet wurde?
Der ausschlaggebende Gedanke für die Bandgründung war tatsächlich, dass wir die Musik unserer Idole spielen wollten, die Musik, mit der wir selbst aufgewachsen sind. Wir waren beispielsweise von Faith No More beeinflusst und dachten damals natürlich nicht, dass wir irgendwann mal Black Metal oder dergleichen spielen würden. Kiss, Led Zeppelin, Black Sabbath – das waren (und sind) unsere Helden. Deshalb wollten wir mit AUDREY HORNE eine große Hard Rock-Band ins Leben rufen, bei der wir das gleiche Feeling wie damals haben konnten, als wir uns unsere Lieblingsbands auf Konzerten anschauten.

Benannt habt ihr die Band letztendlich nach dem gleichnamigen Charakter aus der Kultserie „Twin Peaks“. Gab es dafür einen speziellen Auslöser?
Einige von uns stehen total auf dieses ganze Twin Peaks-Zeugs und die Filme von David Lynch im Allgemeinen. Wir saßen eines Abends zusammen und der Name stand plötzlich im Raum. Wir dachten eigentlich gar nicht so viel darüber nach, fanden ihn aber alle ziemlich cool. Irgendwann waren wir an einem Punkt angelangt, an dem wir den Namen auch nicht mehr ändern konnten, weil er einfach schon zu lange im Umlauf war. Um ehrlich zu sein hatte ich bis dorthin noch keine einzige Folge von Twin Peaks gesehen. Aber es war kein typischer Name für eine Hard Rock-Band, deshalb gefiel uns AUDREY HORNE wahrscheinlich auch so gut. Abgesehen davon ist die Darstellerin ziemlich heiß, wie ich mittlerweile durch Recherchen in Erfahrung bringen konnte. (lacht)

Hast du persönlich schon feststellen können, ob es einen Unterschied gibt, in einer Band wie AUDREY HORNE oder einer Band wie Sahg zu spielen?
Der größte Unterschied besteht tatsächlich darin – und das ist jetzt mein voller ernst – dass wir wesentlich mehr Mädels bei unseren Shows haben, als bei Sahg oder Enslaved. Das ist schon ziemlich cool… (lacht)

Das Publikum bei euren Shows dürfte ja allgemein auch eher bunter ausfallen, oder?
Auf AUDREY HORNE stehen wohl eher Fans von Hard Rock, Leute, die mit melodischen Sachen etwas anfangen können. Wir haben verschiedene Songs für verschiedene Stimmungen und das bringt dementsprechend auch unterschiedliche Leute auf unsere Konzerte.

Gibt es darüber hinaus Unterschiede im allgemeinen Umgang mit euch als Band?
Das kann ich so nicht sagen. Unser Management hat neben uns ja auch viele Black Metal-Bands und allgemein Gruppen aus dem extremeren Bereich unter Vertrag. Die machen da also wahrscheinlich keine besonderen Unterschiede. Die haben ihre Kontakte und nutzen sie entsprechend. Es wurde auch daran gearbeitet, uns ins Radio zu bringen. Das war zum Beispiel eine Erfahrung, die ich bisher noch nicht gemacht hatte – Sahg machen keine Musik, die sich der Durchschnittstyp gerne im Radio anhört. Aus meiner Sicht hat sich aber nicht viel geändert, um ehrlich zu sein.

Was sich aber glücklicherweise geändert hat, ist die allgemeine Auffassung von und der Umgang mit euch. Hat man euch auf den ersten beiden Scheiben noch mit eurer Aktivität in den anderen Bands beworben, ist das aktuell nicht mehr der Fall.
Definitiv, da stimme ich dir zu 100% zu. Mittlerweile steht nun noch AUDREY HORNE im Fokus der Leute. Der Verweis auf unsere anderen Bands – Gorgoroth, Enslaved, Sahg – war am Anfang okay, um uns mehr Bekanntheit einzubringen. Das Management und die Plattenfirma konnten damit werben, dass bei AUDREY HORNE verschiedene Musiker dieser und jener Band aktiv waren – was uns natürlich auch geholfen hat. Auf diese Art verkauften wir uns besser, weswegen diese Strategie auch bei der Veröffentlichung der zweiten Scheibe noch zum Einsatz kam. Jetzt sind wir lange genug unterwegs, um auf unseren eigenen Beinen zu stehen. Solche Verbindungen sind nicht mehr nötig, weil wir über den Status eines Projekts hinweg sind und als eigenständige Band angesehen werden.

A propos Gorgoroth. Gaahl wurde bei der „Bergen Gay Gala“ Anfang des Monats zum Schwulen des Jahres gekürt. Hast du das mitbekommen?
(lacht) Okay… Nein, das wusste ich noch gar nicht. Ach, ist doch schön für ihn, ehrlich. Wenn er schwul ist, ist er schwul. Ist doch in Ordnung.

Vor fünf Jahren hättest du das aber bestimmt auch noch nicht erwartet.
Vor fünf Jahren? Wie auch? Daran dachte damals doch keiner. Ich kenne ihn schon relativ lange, aber auf die Idee, dass er schwul sein könnte, wäre ich nie gekommen Es war ein kleiner Schock, als das in den Zeitungen stand.

Wie reagiert die Szene in Bergen darauf? Entsetzt oder kümmert man sich gar nicht so sehr darum?
Die meisten Leute interessiert das einen Scheiss. Er ist alt genug um zu wissen, was er tut. Wirklich Gedanken macht sich hier darüber – soweit ich das beurteilen kann – eigentlich keiner.

Was kann man von euch in nächster Zeit erwarten? Kommt ihr noch auf Tour dieses Jahr?
Gerade arbeiten wir daran, auf so vielen Festivals wie möglich zu spielen. Das hat momentan Priorität bei uns. Wir haben einen neuen Booker gefunden, der sich jetzt darum kümmert. Im September/Oktober kommen wir hoffentlich zurück auf die Straße und gehen auf eine ausgedehnte Europatournee. Wir wollen viel touren um dieses Album zu promoten. Um die Weihnachtszeit herum wollen wir aber auch schon wieder ins Studio, um einen Nachfolger aufzunehmen.

Lass uns noch das obligatorische Metal1.Brainstorming über die Bühne bringen:

Black Metal-Szene: Viel Energie
Queens Of The Stone Age: Stoner Rock
Inland Empire: Noch nie gehört
Oscars: Uninteressant
Weltherrschaft: Ist das eine Band? Nein? Oh… klar… (lacht) Unser Ziel!
Metal1.info: Kann ich leider nicht lesen

Thomas, vielen Dank für deine Zeit. Machs gut!
Danke dir vielmals, schönen Abend noch!

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