Die Niederlande haben eine starke Post-Metal-Szene – das zeigt sich einmal mehr an den Newcomern EVEN IF WE LOSE. Mit ihrer selbstbetitelten EP hat das Quartett ein vielseitiges und spannendes Debüt vorgelegt. Was dabei im Fokus stand, worum es der Band geht und wie sich der einsetzende Erfolg anfühlt, berichtet Schlagzeuger George im Interview.

Wie habt ihr den Namen EVEN IF WE LOSE ausgewählt, und was bedeutet er der Band?
Der Name kommt tatsächlich vom Titel eines Songs einer unserer Lieblingsbands aus dem griechischen Punk, DEUS EX MACHINA. Er hat bei uns sofort eingeschlagen, weil er widerspiegelt, wie wir verschiedene Aspekte des Alltags betrachten. Der Name fühlte sich einfach wie ein natürlicher Fit für unsere Perspektive an, also haben wir beschlossen, dabei zu bleiben.
Alle Mitglieder von EVEN IF WE LOSE kommen ursprünglich aus Griechenland, während die Band inzwischen rund um Eindhoven in den Niederlanden beheimatet ist. Wie ist das gekommen und wie hat das die Identität der Band geprägt?
Wir haben uns tatsächlich auf ziemlich zufällige Weise kennengelernt. Zunächst haben Spyros (Gitarrist) und ich uns bei einem Konzert von VILLAGERS OF IOANNINA CITY im Effenaar kennengelernt, wir hatten sofort einen Draht zueinander. Irgendwann erwähnte er, dass er einen Ex-Bandkollegen hat, Aris (Gitarrist), der vor Kurzem nach Amsterdam gezogen war, also haben wir drei angefangen, ein paar interessante Jam-Sessions zu machen. Ein paar Monate später haben Aris und ich Chris bei einem BRUTUS-Konzert in Utrecht getroffen. Chris wurde anfangs als unser Bassist dazugeholt, aber irgendwo auf dem Weg hat er gemerkt, dass er eigentlich auch singen kann. Unser neuester Neuzugang, Zoltan (Bassist), war tatsächlich jemand, mit dem ich schon in einer anderen Death-/Progressive-Band gespielt habe. Dort hat er ursprünglich Gitarre gespielt, aber als sich die Gelegenheit ergeben hat, bei uns einzusteigen, ist er zum Bass gewechselt und Teil der Band geworden. Unsere Musik hat bei ihm total resoniert, also hat es sich wie ein natürlicher Fit angefühlt. Das Witzige ist: Ursprünglich war überhaupt nicht geplant, dass die Band einen Sänger hat. Die Idee war einfach, ein instrumentales Projekt zu machen und zu schauen, wohin uns die Musik führt. Dass Chris entdeckt hat, dass er singen kann, hat die Richtung der Band komplett verändert und ist letztlich zu einem großen Teil dessen geworden, was wir heute sind.
Wieso war eine EP genau das richtige Format für den ersten Release von EVEN IF WE LOSE?
Wir haben eigentlich schon ziemlich lange zusammen Musik gemacht, aber irgendwie hatten wir nie den Mut oder vielleicht auch nie die Entscheidungsfreude, endlich ein Aufnahmestudio zu buchen und das durchzuziehen. Wir wollten nie, dass die EP übermäßig poliert klingt oder wie etwas, das Abschnitt für Abschnitt aufgenommen wurde. Alles auf der Aufnahme wurde als Live-Take eingespielt, also hört man auch Fehler und Unperfektheiten. Aber genau das macht es erst zu dem, was es ist. Wir wollten lieber die Energie und Rohheit unseres Zusammenspiels einfangen, als dass am Ende alles perfekt klingt. Außerdem haben wir kein separates Mastering gemacht. Wir sind das Ganze eher wie ein Demo angegangen – wie roh das Ergebnis klingt, hat uns wirklich überrascht.
Was war die zentrale Vision hinter der selbstbetitelten EP?
Unser Hauptziel war einfach, authentische Musik zu schreiben, die widerspiegelt, wer wir sind. Wir wollten uns nie auf irgendein bestimmtes Genre festlegen, vor allem weil jeder von uns ganz unterschiedliche persönliche Hörgewohnheiten mitbringt. Die Grundidee war, frei zu experimentieren, neue Konzepte auszuprobieren und unseren Sound sich einfach ganz natürlich entwickeln zu lassen. Für uns war es wichtig, eine eigene Atmosphäre und emotionale Wirkung zu schaffen. Wir brauchten Songs, die echtes Gewicht und Intensität haben. Egal, ob ein Abschnitt am Ende hart, melodisch oder komplett chaotisch wird – wichtig ist, dass es sich für uns echt anfühlt. Am Ende des Tages machen wir einfach die Art von Musik, die wir selbst gerne hören würden, und hoffen, dass diese Energie beim Hörer genauso ankommt.
Warum habt ihr euch dafür entschieden, für Recording, Mix und Mastering zu den Artichoque Studios in Tilburg zu gehen – warum waren sie eure Wahl? Würdet ihr wieder dorthin gehen?
Wir hatten dafür eigentlich keinen konkreten Grund, wir hatten einfach einen starken Drang, das Material endlich aufzunehmen. René hatte ein beeindruckendes Setup, und die Zusammenarbeit lief reibungslos und unkompliziert. Auch wenn sein Background nicht speziell im Post-Metal verwurzelt war, hat er ein Ergebnis abgeliefert, mit dem wir sehr happy waren. Sein Studio-Workflow hat für uns so gut funktioniert, dass wir auf jeden Fall irgendwann später wieder Bock hätten, mit ihm zusammenzuarbeiten.
Die EP wurde vor einem Jahr veröffentlicht – wie stehst du heute dazu? Gibt es etwas, das du ändern würdest, wenn du die Chance hättest?
Interessant ist, wie sich mehrere Passagen bei unseren Live-Shows ganz natürlich verändert haben. Wir bringen eine viel aggressivere Energie auf die Bühne. Während ein paar größere Teile sich weiterentwickelt haben, ist die auffälligste Veränderung in „Xenos“: Da haben wir tatsächlich über den ganzen Song hinweg Gesang hinzugefügt, statt ihn strikt nur ganz am Ende zu lassen. Das macht es zu einem einzigartigen Erlebnis, das du nur mitbekommst, wenn du uns live spielen siehst.
Ihr habt die EP auf CD und digital veröffentlicht, aber soweit ich gesehen habe, nicht auf Vinyl. Welche Rolle spielen physische Formate für die Band, und welches Format bevorzugst du persönlich, um Musik zu hören?
Wir haben vor Kurzem über Vinyl Hex Recors eine limitierte Auflage von 100 Vinyl-Exemplaren in zwei verschiedenen Varianten veröffentlicht. Sie sind direkt auf uns zugekommen, weil sie einen aufstrebenden Act supporten wollten, und nachdem sie unsere Songs gehört hatten, haben sie eine Zusammenarbeit vorgeschlagen, um ein wirklich besonderes physisches Release auf die Beine zu stellen. Wir könnten nicht glücklicher damit sein, wie am Ende alles geworden ist. Vinyl transportiert so eine klassische Qualität, deshalb fühlt es sich für uns echt bedeutungsvoll an, unsere Musik auf Platte zu haben.
Artwork, Layout und auch eure Logos wurden in den Nezumi Studio entworfen. Wie lief die Zusammenarbeit ab?
Die Zusammenarbeit mit Maria-Christina (Nezumi Studios) lief astrein: Sie war unglaublich geduldig mit uns, vor allem als wir uns schwergetan haben, Entscheidungen zu treffen, während wir das Moodboard für unseren ganzen Merch zusammengestellt haben. Ihre Ideen haben wirklich geholfen, alles zusammenzubringen, und die Kombination aus unserer Vision und ihrem künstlerischen Design hat zu einem Ergebnis geführt, auf das wir wirklich stolz sind.
Wie würdet ihr eure Musik stilistisch beschreiben, und wie finden eure Einflüsse in eurem Songwriting zusammen?
Unsere unterschiedlichen musikalischen Hintergründe spielen eine große Rolle. Wir kommen musikalisch alle aus leicht unterschiedlichen Ecken, und ich glaube, das hilft dabei, dass das Songwriting nicht zu vorhersehbar wird. Statt zu versuchen, unsere Einflüsse zu trennen, lassen wir sie sich überlappen und schauen, was dabei herauskommt. Am Ende ist das wahrscheinlich das, was EVEN IF WE LOSE seinen eigenen Charakter gibt. Die Post-Metal-Seite unserer Musik gibt uns den Raum, Atmosphäre, Spannung und Dynamik aufzubauen, während der Hardcore-Einfluss eine direktere und aggressivere Energie in die Songs bringt. Ich glaube, die beiden Einflüsse ergänzen sich tatsächlich ziemlich natürlich.
Wie gehst du an die nächste Veröffentlichung heran, und welchen Zeitplan – wenn überhaupt – habt ihr aktuell für ein Full-Length-Album im Kopf?
Wir haben gerade tatsächlich jede Menge Material herumliegen, aber wenn es eine Sache gibt, die uns ausmacht, dann ist es, wie unentschlossen wir sein können. Wir stecken gerade tief im Songwriting-Prozess, auch wenn es schwer zu sagen ist, wann am Ende wirklich alles komplett zusammenkommen wird (lacht).
Ihr seid auch als Live-Band aktiv, und habt beim im Dynamo in Eindhofen veranstalteten Band-Wettbewerb „Guts & Glory“ gewonnen. Was hat das für EVEN IF WE LOSE in so einer frühen Phase eurer Live-Historie bedeutet?
Ehrlich gesagt kam dieses Ergebnis für uns als komplette Überraschung. Mit so unglaublichen Acts die Bühne zu teilen – und das bei erst unserem zweiten Gig – fühlte sich an sich schon wie ein Erfolg an. Den ersten Platz zu holen, war nochmal eine ganz andere Nummer. Ich glaube, jeder hat darüber nachgedacht, aber es für sich behalten, um es nicht zu verschreien. Wenn du eigenes Material schreibst und auf der Bühne noch dabei bist, deine Identität zu finden, fragst du dich natürlich, ob dein Sound bei den Leuten ankommt. Dass wir das gewonnen haben, hat uns die Bestätigung gegeben, dass unsere Musik sitzt. insogern hat uns das einen riesigen Push gegeben, uns wirklich darauf zu konzentrieren, unsere Live-Präsenz aufzubauen.
Danke für deine Zeit und deine Antworten. Zum Abscluss noch unser traditionelles Metal1.info-Brainstorming:
NEUROSIS: Evolution
Ein Song, von dem du dir wünschst, du hättest ihn geschrieben: „Breaking The Habit“ von LINKIN PARK
ROADBURN FESTIVAL: Ziel
Eindhoven nach Mitternacht: abgedreht
Eine nicht-musikalische Inspiration: Chaos
EVEN IF WE LOSE in zehn Jahren: nostalgisch
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Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
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