Interview mit Markus Vanhala von Insomnium

„Shadows Of The Dying Sun“ ist nicht nur das dritte Album in Folge, mit dem die Finnen von INSOMNIUM die Wahl zum Album des Monats auf Metal1.info für sich entscheiden konnten, sondern auch das erste nach dem Ausstieg des langjährigen Gitarristen Ville Vänni. Zeit also für ein Gespräch mit Markus Vanhala, dem nicht mehr ganz neuen Mann an der Gitarre, über seine Rolle beim Songwriting, Vergleiche mit Amon Amarth und die Tourpläne für den Sommer.

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Was tut sich derzeit so im INSOMNIUM-Lager?
Wir sind gerade von den ersten Shows mit dem neuen Album zurück daheim und leiden ein bisschen am “After-Tour-Blues”. Die Konzerte liefen wirklich gut, und der Hype um die Band mit all den Charteinstiegen in den verschiedensten Ländern und so weiter ist viel größer als erwartet. Man könnte sagen, dass es gut läuft … die finnischen Pessimisten sind glücklich.

Euer neues Album heißt „Shadows Of The Dying Sun“ – warum ist das der perfekte Titel für dieses Album und was wären die Alternativen gewesen?
Press_Photo_06Als Album-Titel haben wir einen der Song-Titel auserwählt, von dem wir finden, dass er dieses Kapitel der Band am besten beschreibt. Wir, die Leute, sind nichts als Schatten der sterbenden Sonne und Sternenstaub. Sterne leben nicht ewig, nicht einmal unsere Sonne, die uns die Energie zum Leben spendet. Keine all zu guten Aussichten also für die Menschheit und unseren Planeten. Alternativ kann sich aber auch jeder seine eigene Geschichte zum Titel und den Texten ausdenken. Einen anderen Album-Titel hatten wir nie im Gespräch, wenn ich mich recht entsinne.

Worum geht es denn in den Texten?
Es gibt dieses Mal kein echtes Konzept – das Album ist deshalb eher eine Sammlung von Songs als eine textliche Reise. Thematisch geht es darum, zu realisieren, dass das Leben schnell vorbeizieht und man besser schnell aufspringt als von der Zukunft zu träumen. Die Zukunft ist jetzt und morgen könntest du bereits tot sein – also lebe deine Träume lieber heute und stirb morgen glücklich. Zwischen den Zeilen geht es aber auch um Beziehungen, Tod, Hoffnung, Schiffahrten und sterbende Sterne.

Geht es bei INSOMNIUM um solche Themen, weil euch das interessiert, oder weil es einfach gut zu INSOMNIUM passt?
Natürlich gibt es eine Art roten Faden, worum es in INSOMNIUM-Geschichten geht, aber das legen wir nicht sehr streng aus – das kommt ganz von alleine, aus der finnischen Melancholie, auch, wenn das Album auch viel Hoffnung enthält. Niilo zieht seine Inspiration hauptsächlich aus Literatur und schreibt viel darüber, während Ville viel über Persönliches, aber auch das Leben im Allgemeinen und alles, was um ihn herum geschieht, schreibt.

Verglichen mit den letzten beiden Artworks ist das aktuelle sehr simpel, um nicht zu sagen neutral gehalten. Warum hälst du das Artwork hingegen für die perfekte Visualisierung für das Album?
inso_cover32cmx32cmCMYKprintuseIch habe auch schon Fragen von Journalisten beantwortet, die fanden, dass das Cover den beiden vorherigen sehr ähnlich sieht – insofern weiß ich nicht so recht, was ich dazu sagen soll. Es ist vielleicht etwas schlichter gehalten, aber es ist auch wieder von Wille Naukkarinen, der auch schon die beiden letzten Cover gestaltet hatte. Es sind Vögel, Himmel und Natur darauf zu sehen – insofern ist es typisch INSOMNIUM.

Das Album ist das erste, auf dem du auch zum Songwriting beigetragen hast. Wie groß schätzt du deinen Einfluss auf das Ergebnis ein?
Ich bin ein sehr aktiver Musiker und Songwriter, insofern trägt das Album definitiv auch meine Handschrift – immerhin habe ich drei der Songs geschrieben und viel zum Arrangemet und zur Konzeption beigetragen. Generell gab es viel Interaktion zwischen den einzelnen Bandmitgliedern. Ich bin zwar neu dabei, kenne die Trademarks der Band aber schon sehr gut. Mein Ziel war es, diese bei meinen neuen Ideen und Kniffen stets zu respektieren.

Das ist dir in der Tat gut gelungen: Das Album enthält alle typischen Merkmale eines INSOMNIUM-Albums, aber überraschend wenige komplett neue Elemente. Auch wenn das einmal mehr sehr gut funktioniert – habt ihr keine Angst, euch musikalisch eines Tages zu wiederholen?
Du weißt nie, was in der Zukunft passieren wird. Vielleicht werden wir die AC/DC des Melodic Death Metal. (lacht) Als Neuling kann ich aber sagen, dass es “Shadows Of The Dying Sun” einen vernünftigen Anteil an neuen Schattierungen enthält. Ich finde, dass gerade “Across The Dark” und “One For Sorrow” sehr ähnlich sind, aber auf dem neuen Album gibt es wirklich viele neue Elemente. Das kommt natürlich einerseits daher, dass das Album jetzt auch meine Handschrift trägt, andererseits gibt es auf dem Album aber auch einfach sowohl schnellere als auch langsamere Passagen, als INSOMNIUM sie je zuvor geschrieben haben. Außerdem sind die klar gesungenen Vocals deutlich besser produziert als je zuvor, es gibt mehr Soli und so weiter…

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Habt ihr andererseits Sorgen, dass ein drastischerer Stilwechsel eurer in den letzten Jahren beachtlich angewachsenen Popularität schaden? Sind das Gedankengänge, die euch beim Songwriting beeinflussen?
Nein, um ehrlich zu sein haben wir uns deshalb gar keinen Druck gemacht, als wir mit dem Songwriting für das Album begonnen haben. Es geht bei der ganzen Sache einfach mehr darum, dass wir selbst Freude an der Musik haben, und wir haben vier harte Kritiker in der Band. Diese Musik ist das Abbild unserer Art, Musik zu machen, und gibt Einblick in unseren Geschmack und unsere Ideenwelt im Jahr 2013. Die Band INSOMNIUM ist alt genug, um zu wissen, wie ihre Trademarks klingen. Natürlich entwickelt sich das immer etwas weiter, aber das Grundgefühl, die grundlegenden Elemente sind immer da. Insofern gibt es einfach keinen Grund, Hardcore oder Djent unter dem Namen INSOMNIUM zu veröffentlichen. (lacht)

Wie Amon Amarth schreibt ihr sehr eingängigen Melodic Death Metal und seid in der Metall-Welt eine Art Konsens-Band, eure Songs sind allerdings deutlich komplexer arrangiert, weshalb ich das Album im Review als “Amon Amarth für Erwachsene“ umschrieben habe.
Wir sind keine Wikinger, wir sind Finnen. Bezüglich des Riffings oder auch des Double-Bass-Drummings gibt es vielleicht stellenweise Ähnlichkeiten, aber ansonsten haben beide Bands ihren sehr eigenen Stil. Aber Amon Amarth sind natürlich echt gut, ich habe das “Thundergod”-Album daheim, das ist wirklich cool.

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Wenn du in die Zukunft blickst – was sind eure Ziele mit INSOMNIUM für das Jahr 2014?
Jetzt, nach all den Promotion-Terminen und der Album-Auslieferung ist es Zeit, auf Tour zu gehen – darum geht es am Ende schließlich. Wir haben schon eine Menge Festival-Termine und ein Tourpackage für eine Headliner-Tour in Europa beisammen, später wird dann auch noch eine Nordamerika-Tour folgen.

Also darf man auch Shows in Deutschland erwarten?
Auf jeden Fall! Der Großteil der Konzerte wird in Deutschland stattfinden – wir lieben Deutschland! Abgesehen davon werden wir auf dem Summer Breeze, dem Rock Hard, Rock Harz und dem Rock am Härtsfeldsee zu sehen seien. Wir sehen uns! Biergarten!

Vielen Dank für das Interview – zum Abschluss ein kurzes Brainstorming:
Press_Photo_01Amorphis: “Tales From The Thousand Lakes”
Festivals: Matsch, betrunkenes blaablaa und Metal
Deutschland: Wurst, Bier & Rudolf Schenker (Vielleicht auch Rudolf Schenker, der betrunken Bier trinkt?)
Sommer: Sommerhaus-Sauna am See und endlose Nächte.
INSOMNIUM in zehn Jahren: Vier tote Kerle
Das letzte Album, das du dir gekauft hast: The Nightflight Orchestra – „Internal Affairs“
Das Album, auf das du dich derzeit am meisten freust: Das Neue von Anathema.

Die letzten Worte gehören dir:
Prost!

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