CD-Review: Insomnium - Heart Like A Grave

Besetzung

Niilo Sevänen – Gesang, Bass
Ville Friman – Gitarre, Gesang
Markus Vanhala – Gitarre
Jani Liimatainen – Gitarre, Gesang
Markus Hirvonen – Schlagzeug

Tracklist

01. Wail Of The North
02. Valediction
03. Neverlast
04. Pale Morning Star
05. And Bells They Toll
06. The Offering
07. Mute Is My Sorrow
08. Twilight Trails
09. Heart Like A Grave
10. Karelia


Nachdem INSOMNIUM 2016 „Winter’s Gate“ alias „Das überambitionierte 40-Minuten-Song-Projekt“ veröffentlicht hatten, sind die Finnen nun wieder im Album-Geschäft aktiv: „Heart Like A Grave“ lautet der bandtypisch klischeehafte Titel des nunmehr achten Full-Length-Releases in 22 Jahren Bandhistorie.

„Bandtypisch“ ist ein Begriff, der hier auch weiterführend verwendet werden kann: Schon die ersten Songs decken eigentlich alles ab, was INSOMNIUM über die Jahre so gemacht haben. Mit dem Opener „Wail Of The North“ bekommen Fans einen kurzen, knackigen Melo-Death-Song, der wie die ganz frühen Werke der Finnen einen gewissen Amon-Amarth-Touch aufweist. Und im folgenden „Valediction“ kommt dann auch schon der für die neueren Alben typische Cleangitarrenpart mit melodischen Klargesang. Dank seines flotten Riffings bleibt – man höre und staune – dennoch die nötige Härte erhalten.

Das endlich wieder schreiben zu können, fühlt sich verdammt gut an nach besagtem Experiment, „Winters Gate“, aber auch dem etwas uninspirierten Shadows Of The Dying Sun. Ganz vergessen sind diese beiden Releases auf „Heart Like A Grave“ freilich nicht: Wenngleich es auf der einen Seite wieder deutlich härter zur Sache geht, setzen INSOMNIUM – seit neuestem übrigens um Jani Liimatainen (ehemals Sonata Arctica) als dritten Gitarristen verstärkt – mehr denn je auf Epik. Dazu gehören mehrstimmige Gitarrenmelodien ebenso wie unterstützende Synthie-Melodien („Twilight Trails“) – oder in der Steigerung auch mal Synthie-Chöre oder gar -Bläser und Pauken („Pale Mornung Star“). „Heart Like A Grave“ hat also durchaus Songs, die so kitschig klingen wie der Albumtitel: Allen voran bezeichnenderweise der Titeltrack, allerdings dicht gefolgt vom rein instrumentalen „Karelia“ als 7:49-Minuten-Outro.

Doch dann sind da – vornehmlich in der Albummitte versammelt – eben auch jene Songs, die über zehn Jahre alte Erinnerungen wecken: Das getragen-pathetische „Any Bells They Toll“ etwa, das flotte „The Offering“ oder „Mute Is My Sorrow“ als rundum typischer INSOMNIUM-Song: Mit Material wie diesen Stücken ist die Band berühmt geworden – und hier scheinen sich die Finnen kompositorisch auch heute noch (oder wieder?) zu Hause zu fühlen. Allerdings müssen INSOMNIUM langsam aufpassen: Was die melodische Eingängigkeit angeht, laufen ihnen ihre Landsmänner von Bloodred Hourglass mittlerweile den Rang ab.

„Heart Like A Grave“ ist ein Album, wie man es sich von INSOMNIUM wünscht: Das dröge Mammutprojekt „Winter’s Gate“ war wohl auch der Band fürs erste Experiment genug. Mit seinem oft schmissigen Riffing und dem durchaus gelungenen Bogen zwischen hart und soft klingt „Heart Like A Grave“ eingängig, unverkennbar und (vielleicht sogar einen Tick zu) gefällig. An ihre frühen Alben und damit zugleich die absoluten Highlights der eigenen Diskografie kommen INSOMNIUM damit zwar nicht heran. Aber zumindest die Richtung stimmt wieder.

Bewertung: 7.5 / 10

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