Interview mit Jaz Coleman von Killing Joke

Bei Jaz Coleman von einer Legende zu sprechen, ist nicht übertrieben – schließlich ist der Fronter bereits seit über 30 Jahren im Geschäft und hat mit seiner Band KILLING JOKE unter anderen Metallica, Nirvana oder die Foo Fighters inspiriert. Vor dem Konzert in München baten wir den sympathischen Sänger zu einem Gespräch, in dem von Weltpolitik bis hin zu Anekdoten über Rock-Stars und seine Meinung zum potentiellen Ende der Welt verschiedenste Themen Platz fanden. Doch lest selbst…

Hi, und erstmal vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst und wir ein Interview mit dir führen dürfen! Ihr seid gerade dabei, euer neues Album MMXII live vorzustellen und habt nun schon in England und einigen Städten in Europa gespielt. Wie sind eure Eindrücke von der Tour bisher?
Es ist super, wir spielen viele ausverkaufte Konzerte. Das ist ein Wunder, wenn man bedenkt, dass das echt die gleichen Typen sind, mehr als 30 Jahre später, und dass wir noch nicht tot sind. Das ist wirklich ein Wunder. [Jaz nickt mit Nachdruck und macht eine kurze Pause. Als wir gerade die nächste Frage stellen wollen, redet er weiter] Nein, ernsthaft jetzt! Wenn ihr genommen hättet, was wir in unserem Leben schon genommen haben, und wenn ihr unsere Leben gelebt hättet… Wirklich, ein Wunder…[lacht ungläubig]

Wie muss man sich das nach mehr als 30 Jahren Bandgeschichte vorstellen: Ist es für euch immer noch aufregend, auf Tour zu gehen?
Je länger du auf Tour bist, umso besser aufregender wird es. Nach einer Weile wirst du sogar richtig abhängig davon. Am Anfang der Tour beschweren sich alle immer und man hört Sachen wie: „Oh man, wie viele Konzerte müssen wir noch spielen?“. Dazu ist es wirklich unglaublich körperlich anstrengend. Aber wenn du irgendwann mal eine bestimmte Schmerzgrenze überschritten hast, dann bist du davon abhängig. Wirklich von allem, vom Schlafen in den kleinen Kabinen im Tour-Bus bis hin zu den zwei Stunden Energie jeden Abend, die deinen Körper wirklich auslaugen. Schlimm wird es dann erst, wenn die Tour vorbei ist. Das macht dich einfach total fertig.
Normalerweise ist im Anschluss an die Tour so, dass wir für zwei Wochen irgendwo hinfahren und dort entspannen bevor wird wieder in unser ’normales Leben‘ zurückkommen. Da fangen dann die Probleme wieder an.

Wie darf man sich das typische Killing Joke Publikum vorstellen? Sind es viele alte Fans oder auch jüngere?
Die meisten waren wahrscheinlich noch gar nicht geboren bevor unser achtes Album veröffentlicht wurde. Das ist echt eine ganze andere Generation. Das ist schon unglaublich, wenn man sich das mal überlegt. Die Betreiberin des tschechischen Fanclubs… ich habe mit ihr zwei Jahre zusammengelebt, und sie ist erst 22…

Wie sind die Reaktionen der Fans auf dieser Tour?
Das unterscheidet sich von Stadt zu Stadt. Manchmal sind sie regelrecht hypnotisiert, aber gegen Ende des Abends wird es dann eher „körperlich“. Manchmal ist es auch von Anfang an gleich wilder, das kommt drauf an.

Sind es eher die alten Songs oder doch schon die neuen Songs, welche von den Fans besonders gefeiert werden?
Die neuen. [kurze Pause] Und die alten. Ihr werdet es ja nachher sehen, wir spielen Songs die wir vor 33 Jahren geschrieben haben und Songs die wir vor acht Monaten geschrieben haben, und die Songs gehören alle zusammen. Wir mischen unsere Setlist auch jeden Abend durch.

Ich persönlich habe immer Probleme eure Musik eindeutig zu beschreiben, da ihr ja auch eine große Spannweite an Stilen habt. Hast du selbst ein Genre, in welches du Killing Joke stecken würdest?
Ich hab auch keine Ahnung, wie ich das nennen soll. Es klingt einfach nach Killing Joke.

Ich habe auf eurer Homepage gelesen, dass ihr ein „End Of The World“-Festival im Dezember in Neueseeland plant. Kannst du uns mehr darüber erzählen?
Ich hab versucht, es für den 21. Dezember auf die Beine zu stellen, aber ich hab es zeitlich nicht mehr geschafft, das Ganze in Neuseeland zu veranstalten, so wie ich das wollte. Nur weil es „End Of The World“-Festival heißt bedeutet das jetzt nicht, dass ich wirklich glaube das die Welt untergeht – das hätte auch nichts mit Neuseeland zu tun, das ist nicht das Ende der Welt, sondern eher der Arsch der Welt.
Ich denke, dass wir derzeit wirklich durch eine turbulente Phase durchmachen, turbulenter als wir das bisher erlebt haben. Nur als Beispiel, heute Abend kommt ein Mädchen aus Japan, und sie hat mir erzählt, dass alle Politiker in Japan ihre Familien aus dem Land holen wollen, da die Verstrahlung dort zu hoch ist. In zwei Wochen werde ich da sein und zum Fukushima-Reaktor fahren. Man muss sich wirklich vergegenwärtigen, dass dort wirklich noch Leute leben. Und den Politikern ist das einfach vollkommen egal. Die Leute dort verdienen doch mindestens frisches Wasser und frisches Essen. Das ist einfach nur widerlich. Ich bin absolut gegen Atomkraft. Deswegen bin ich auch nach Neuseeland gezogen, das ist atomkraft-freie Zone.

Denkst du, dass die Welt sich in absehbarer Zeit grundlegend verändern wird?
Die Katastrophe kommt zwangsläufig. Sie wird kommen. Und ich kann dir auch sagen warum: In der Art und Weise wir die Erde derzeit vergewaltigen, werden wir in 15 Jahren einen neuen Planeten brauchen. Dieses parasitäre Verhalten der Menschen muss sich ändern, es muss einfach aufhören. Wir werden in den nächsten Jahren 435 Atomreaktoren vom Netz nehmen müssen – nicht gerade die kleinste Aufgabe. Wir müssen die Essensversorgung erhöhen und einfach unseren Lebensstil ändern. Es ist ein bisschen wie mit Alkoholikern: Manchmal muss man erst ganz unten sein, um wieder nach oben zu kommen. Und das ist das, was der Menschheit gerade passiert. Wir müssen scheinbar einfach ganz nach unten, um anzufangen über unser Verhalten nachzudenken.


Nach diesen Aussagen und der thematischen Ausrichtung der Band: Würdest du sagen, dass Killing Joke auch eine politische Band ist?
Nein. Niemand von uns hat jemals gewählt. Also in dem Sinne, ob wir uns an Demokratie beteiligen oder irgendwie aktiv in der gegenwärtigen Politik betätigen, sicher nein. Aber in dem Sinne, dass wir die Leute über politische Geschehnisse informieren wollen: absolut. Wir haben einfach ein soziales Gewissen. Ich denke daher nicht, dass wir im wörtlichen Sinne politisch sind. Mir fällt kein einziges Beispiel eines Musikers ein, der in die Politik gegangen ist und dann irgendwas Gutes gemacht hat. Nicht einer… oder wisst ihr irgendeinen?
Nein, nicht wirklich…
Seht ihr. Also sollten wir das vielleicht auch einfach sein lassen. [Lacht ausgiebig]

Reden wir doch ein bisschen über die Musik. „Absolute Dissent“ von 2010 war das erste Album im Original Line-Up, jetzt habt ihr vor kurzem euer aktuelles Album „MMXII“ veröffentlicht. Hatte die Reunion demzufolge eine positive Wirkung auf die Produktivität der Band?
Ja, ich denke schon. Wisst ihr, niemand von uns kann sich eine Welt ohne Killing Joke vorstellen, das ist einfach unmöglich. Selbst wenn ich nicht in Killing Joke spielen würde, hätte ich die Band in der Zwischenzeit wahrgenommen und würde sie dafür bewundern, resolut zu sein und lebendige Musik zu machen, die die Leute wirklich leidenschaftlich hören.
Alle Dinge, über die Killing Joke schreiben, werden von anderen einfach nicht behandelt. Jeder ist in einer Art Schockstarre, niemand benutzt mehr Musik um zu rebellieren. Wir hatten zum Beispiel die Occupy-Wall-Street-Bewegung – aber wo ist die verdammte Musik?
Wisst ihr, ich mag Musik einfach laut, rebellisch und mit einer „Fuck Off“-Attitüde. Das ist einfach die beste Art von Musik für mich. Und da draußen ist niemand der darüber spricht, dass in den USA derzeit so etwas wie 800-1000 Konzentrationslager für zivile Gefangene gebaut werden. Niemand spricht darüber, dass es lediglich drei Länder auf der Welt gibt, die keine Zentralbank haben, und das sind Nord-Korea, Kuba und Iran. Niemand redet darüber, US-Notenbank 53% der Anteile am gesamten Federal Reserve System besitzt… Das ist doch einfach widerlich. Wir sollten uns mal Gedanken machen, ob wir mit einem System weitermachen wollen, in welchem Konzerne unser Leben bestimmen, in welchem Konzerne bestimmen, wie sich die Wissenschaft entwickelt und Konzerne letztendlich einfach alles bestimmen. Niemand von uns hat das abgezeichnet… In diesem Kontext ist Killing Joke wohl so etwas wie ein Forum für Widerspruch. Nicht nur eine Band, sondern eben auch die Leute, die zu den Konzerten kommen, die die Alben kaufen und die sich einfach für diese Themen interessieren. Es ist eine wirklich wichtige Band. Eigentlich ist es doch schade, dass ein Haufen 50 jähriger Typen dafür verantwortlich ist, diese Themen anzusprechen und nicht jemand anderes.

Meint ihr, dass ihr mit euren Songs etwas verändert habt in der Welt?
Ich glaube nicht, dass wir viel geändert haben. Wir haben eine Renaissance gestartet, in der die Leute gemerkt haben, dass alles irgendwie erreichbar ist. Und ich meine, dass wir irgendwie alle möglichen Bands über Nirvana bis zu den Nine Inch Nails beeinflusst haben, spricht doch dafür, dass die Band den Leuten zeigt, dass jeder mit einer Begabung geboren ist, und das Leben im Endeffekt der Ort und das Einsetzen dieser Begabung ist. Jeder ist mit dieser Seele erfüllt, mit diesem Etwas, das man liebt, einer großen Leidenschaft.
Für mich war es ein langer Weg von mir selbst mit 14 Jahren, als ich die Schule ohne Abschluss verlassen habe und drei ernsthafte Auseinandersetzungen mit der Polizei hatte, bis hin zu Vorlesungen, die ich an Universitäten über klassische Musik halte und meiner Aufnahme in den Ordre des Arts et des Lettres (Orden der Künste und der Literatur, A.d.Red) in Frankreich. Das ist ein verdammt langer Weg. Wir haben drei Architekten, einen [unverständlich], einen Priester, einen Kunstwissenschaftler, einen weltbekannten Produzenten, weltbekannte Dirigenten und Komponisten. Und all das haben wir uns selbst gebracht. Niemand von uns hat irgendeinen Abschluss und drei von uns unterrichten an Universitäten. Ich denke also, dass diese Band einfach Hoffnung für Leute darstellt, die die Schule ohne Abschluss abgebrochen haben und genauso wütend darüber sind, dass die Gesellschaft sie deshalb für wertlos erachtet, wie ich es damals war.

Du hast gerade auch erwähnt, dass ihr als Band auch Idole für viele Bands sein, zum Beispiel haben ja auch Metallica oder die Foo Fighters schon Songs von euch gecovert. Seid ihr darauf stolz oder auch ein bisschen neidisch auf den Erfolg dieser Bands?
Ich würde mein Leben sicherlich nicht gegen deren tauschen wollen, das kann ich euch sagen. Ich weiß ja was zum Beispiel Dave Grohl oder Lars [Ulrich, A.d.Red.] für Leben leben – und dagegen würde ich mein Leben echt nicht hergeben. Es geht nicht immer nur ums Geld. Ich meine, sie haben vielleicht mehr Geld, haben sie haben nicht genügend Phantasie um es auch vernünftig einzusetzen. [Lacht] Ernsthaft, wenn man schon so viel Geld macht, warum zum Henker sollte man dann an der Westküste der USA leben? Das erste was man machen sollte, ist doch so schnell wie möglich aus dieser gottvergessenen Gegend raus zu kommen! [Lacht] Ihr verdient vielleicht viel Geld, aber davon könnt ihr euch auch kein neues Hirn kaufen! [Lacht lang und dreckig] Kurt Cobain zum Beispiel: Er hatte eine echt hässliche Freundin, und jetzt ist er tot. Also im Endeffekt bin ich echt zufrieden mit allem. [Kurze Pause] Und Mundgeruch hat sich auch noch. Sie stinkt…. [Pause] Das werde ich echt nicht vergessen…


Du meintest, dass ihr eine der letzten rebellischen Bands seid. Schlägt sich das auch auf eure musikalische Entwicklung nieder? Hat sich über die Jahre die Musik geändert, um eure Inhalte zu transportieren? Wenn man beispielsweise „Absolute Dissent“ mit eurem neuen Album vergleicht, klingt „Absolute Dissen“ für mich mich eher härter und roh, während das neue Album einen stärkeren 80’s Vibe hat. War das also eine bewusste Entscheidung?
Wir planen bei Killing Joke nichts. Wir bereiten uns nicht einmal auf die Aufnahmen vor. Wir kommen einfach zusammen und schauen mal, was hängen bleibt. Absolut keine Vorbereitung. Wir gehen ohne Ideen ins Studio, ohne auch nur den Hauch einer Ahnung zu haben, was wir tun. Meistens beginnt es mit Diskussionen. Wir haben so eine Chemie untereinander. Irgendjemand spielt dann einen Groove, dann schauen wir wohin uns das bringt, welche Bilder dabei im Kopf entstehen und daraus entwickeln sich schließlich die Texte. Das geht alles immer ganz schnell. Dieses Mal zum Beispiel bin ich direkt nach den Aufnahmen zurück nach Neuseeland – und ich hatte keine Ahnung mehr, was ich eigentlich gemacht hatte. Als ich das Album dann Ende Januar zum ersten Mal gehört habe… ich hatte die Songs noch nie zuvor gehört! So nach dem Motto: „Hä, wo kam das denn jetzt her?“ Ich kannte meine eigenen Songs einfach nicht. Das ist schon oft passiert. Vor ein paar Monaten, als wir uns getroffen haben, meinte jemand aus der Band zu mir: „Kennst du den und den Song von uns?“, und ich meinte:„Nein.“ Dann hat er ihn mir vorgespielt und ich hatte auch den noch nie gehört! Wir haben mehr als 900 Songs veröffentlicht, da kann man sich doch gar nicht an alles erinnern… Ihr würdet das auch nicht, wenn ihr das genommen hättet, was ich genommen habe… (Grinst)

Bei einer derartigen Masse an Songs: Wie sucht ihr dann aus eurem Fundus die Songs für die Setlist aus?
Je nachdem, wie wir uns gerade fühlen. Auf dieser Tour spielen wir schon viele Songs von den beiden neuen Alben. Und viele alte Nummern. Das ändert sich aber immer wieder.

Aber um die Songs dann live zu spielen geht ihr schon in den Probenraum vor der Tour, oder
Ja, klar. Also, wenn Youth auftaucht.
Ist er derjenige, der sich an die meisten Songs erinnert?
Ich wünschte, es wäre so… [Lacht]
Spielt ihr die Songs dann live auch mal anders als auf Platte?
Hinsichtlich des Arrangements? Nein, nicht wirklich. Manchmal.

Nachdem jetzt so schnell zwei neue Alben erschienen sind: Wie sind die Pläne für die nächste Zeit? Dürfen wir uns schon bald auf ein neues Killing Joke Album freuen?
Ja, wir planen auf jeden Fall, bald etwas Neues aufzunehmen. Wir planen momentan ein Unplugged-Album, um uns selbst etwas herauszufordern. Bald kommt auch ein Dub-Album mit Killing Joke-Songs, und danach werden wir ein neues Album aufnehmen.

Aber einen konkreten Zeitrahmen gibt es jetzt dafür nicht, oder?
Haha, nein. Denkt doch mal nach, wir wissen doch gar nicht, ob wir nächstes Jahr noch am Leben sind! Solange wir am Leben sind, wollen wir auf jeden Fall jedes Jahr etwas aufnehmen.

Nachdem eure Musik einflussreich für viele Bands war und ist, stellt sich natürlich die Frage, was für Musik ihr persönlich hört und wodurch ihr euch beeinflussen lasst?
Ach, ich höre generell kaum Musik. Wirklich. Ich meine, ich habe viel mit klassischer Musik zu tun, also höre ich sicher viel Beethoven und andere Klassiker. Aber nachdem ich viel mit Killing Joke oder Symphonien arbeite, hör ich daneben nicht mehr viel Musik. Und ich kaufe mir auch keine Musik.

Aber du würdest die Musik kaufen, wenn du sie magst und nicht illegal downloaden, oder?
Ich benutze gar keinen Computer. Oder ein Telephon. Ich habe zwei Leute eingestellt, die Emails beantworten und meine Anrufe bearbeiten. [Schmunzelt]

Glaubt ihr, dass die Download-Problematik auch Killing Joke betrifft?
Ach, ich denke unsere Fans mögen einfach Vinyl, ihnen geht es tatsächlich noch um das Produkt. Sicher gibt es Leute, die unsere Musik auch downloaden – aber ganz ehrlich: Das ist mir egal. An diesem Punkt in meinem Leben ist mir das einfach wurscht… so läuft das eben.

Die Thematik des Albums ist die Apokalypse.
Ganz ehrlich: Wir wären schon ziemlich dumm, wenn wir nicht wahrnehmen würden, dass so viele Kulturen ankündigen, dass das Jahr 2012 das Ende eines großen Zyklus darstellt. Nicht nur der Maya-Kalendar, auch viele andere Kulturen, von den Hopi bis zu den Mali in Neuseeland: Alle sagen sehr deutlich, dass ein großer Wechsel kommen wird. Das war schon immer ein großes Thema von Killing Joke: Zusammenbruch. In diesem Sinne ist es immer ein gutes Jahr für Killing Joke, sobald Dinge in der Welt schief gehen.


Nachdem das Album tatsächlich dieses Jahr veröffentlicht wurde und du persönlich schon lange am Thema Apokalypse interessiert bist: War es einfach an der Zeit, nun eine Art Konzept-Album darüber zu machen?
Geplant war es nicht, es ist einfach so passiert.

Glaubt man dem Wikipedia-Titel über euch, bist du in den 80er Jahren nach Island ausgewandert – um dort die Apokalypse zu überleben?
Nein, das ist nicht wahr. Zu dieser Zeit gab es auch eine Militärbasis der USA mit Atomwaffen, deswegen bin ich also sicher nicht dort hin gegangen. Der Begriff „Apokalypse“ ist für mich ein Code-Wort. Ich bin dorthin gegangen um mich selbst zu finden. Das bedeutet, dass du die dunkle Seite, deinen Schatten irgendwie frei lässt, um herauszufinden, wer du wirklich bist. Und das ist passiert, als ich in Island war: Ich bin durch diesen ganzen Prozess gegangen um meinen Schutzengel zu finden. Dort habe ich schließlich realisiert, dass ich letztlich Komponist für Orchester werden möchte. Wenn ich nicht dorthin gegangen wäre, hätte ich wahrscheinlich noch 25 Jahre weiter am Keyboard herum geklimpert, und hätte niemals die Idee gehabt, ein Komponist zu werden. Ja, das war definitiv eine gute Zeit in Island. Aber es sind auch echt seltsame Dinge passiert. Zum Beispiel war ich damals ja sehr interessiert an Okkultem. Ich habe also einige rituelle Experimente gemacht, beispielsweise mit Magnetismus. Und die Frau mit der ich dort gearbeitet habe wurde in dieser Zeit zweimal vom Blitz getroffen und hat überlebt. Da ist damals einiges echt abgefahrenes passiert, was man zum Teil auch im Killing Joke Film zu sehen bekommt.

Gibt es auch Anekdoten von der laufenden Tour?
Ja, es ist ziemlich irre. Wenn Raven nicht gestorben wäre, wäre er mit uns 2008 auf Tour gegangen. Wenn man nun an die Tour 1985 zurück denkt, haben wir dort die Regeln geändert, um unsere Freundinnen oder Ehefrauen mit auf Tour zu nehmen. Raven hat dort ein sehr schönes junges Mädchen dabei gehabt, und ich war gerade frisch verheiratet, mit meiner ersten Frau. Dieses Jahr bin ich mit Raven’s Ex zusammengekommen und ältester Sohn ist jetzt quasi mein Stiefsohn. Das ist schon eine irre Geschichte von dieser Tour. [Lacht]

Ok, das war doch ein schöner Abschluss für dieses Interview. Vielen Dank für deine Zeit!Danke euch, danke euch! War mir eine Freude!