Killing Joke w/ Support

  • München, Backstage Werk
  • 27. April 2012


Auf die indirekte Frage „Nennen sie eine Band, die Metallica, Soundgarden, Nirvana und die Foo Fighters als gemeinsamen Einfluss nennen würden.“ gibt es eigentlich nur eine Antwort, und diese ist so einfach wie eindeutig: KILLING JOKE.
Seit 1978 aktiv, zählt die Band um Fonter Jaz Coleman zu den echten Urgesteinen der Welt des Rock’n’Roll-Lifestyle – auch wenn die Band aus Notting Hill es nie zum ganz großen Durchbruch geschafft hat. So spielt die Band auch nicht, wie beispielsweise Motörhead, im Zenith, sondern lediglich im Backstage Werk – als Fan sollte man sich darüber aber keinesfalls beschweren, verspricht das doch zumindest eine vergleichsweise familiäre Show mit gutem Sound. Bis es soweit ist, gilt es – wider erwarten – jedoch die Shows gleich zweier Vorbands hinter sich zu bringen… zumindest theoretisch.

Ob der Tatsache, dass „Einlass:19:30, Beginn 20:30“ angekündigt ist, herrscht zur angekündigten Startzeit des Konzertabends noch gähnende Leere im Werk – während THE CRYING SPELL gerade ihre Show beenden. Stagetime war hier nämlich bereits um 20:00, wie die ausgehängte Running-Order wissen lässt.
Verpasst hat man bei der Rock-Band aus Seattle wohl wenig, wie die letzten Takte vermuten lassen – fair der Band gegenüber ist eine derartige Miss-Planung jedoch nicht, hätte selbst die belangloseste Rockband der Welt zumindest verdient, eine faire Chance auf einen gelungenen Auftritt eingeräumt zu bekommen. Mangelnde Professionalität kann man dem Quartett, soweit die letzten Minuten Rückschluss auf die Show zulassen, jedenfalls nicht unterstellen, ziehen die Jungs ihre Show doch auch vor lichten Fan-Reihen äußerst professionell durch.

Weiter geht es mit einer halben Stunde ICARUS LINE, für welche leider in quasi allen Punkten das Gleiche gilt: Auch hier wird mehr oder minder belanglose Rockmusik geboten, die das Gefühl vermittelt, die Musiker seien für ihren Geschmack ein paar Jahre zu spät auf die Welt gekommen, auch hier ist das Werk noch so spärlich besetzt, dass man sich schon wieder Sorgen macht, ob sogar eine Band wie Killing Joke, die auf der Tour diverse Konzerte ausverkauft haben, an der Münchner Konzertverdrossenheit scheitert, und auch hier bemüht sich die Band redlich, das Beste aus der Situation zu machen. Für Achtungsapplaus reicht es, für mehr aber auch nicht, so dass wohl kaum einer betrübt darüber ist, dass auch diese Band nur 30 Minuten Stagetime zugesprochen bekommt.


Um 21:45 schließlich erlischt zum letzten Mal an diesem Abend das Licht: Zeit für KILLING JOKE. 34 Jahre nach der Bandgründung zurück in Originalbesetzung – für langzeit-Fans der Band dürfte heute ein Traum in Erfüllung gehen. Doch das Publikum, das sich mittlerweile beruhigender Weise doch noch in ansehnlicher Menge im Werk eingefunden hat, ist deutlich breiter gefächert, als man bei einem solchen Band-Dinosaurier vielleicht annehmen könnte: So liegt der Altersdurchschnitt zwar gewiss um die 30, und der ein oder andere Zuschauer dürfte seinerzeit vielleicht sogar die ersten KILLING JOKE-Alben am Releasetag erstanden haben – ein nicht zu unterschätzender Teil des Publikums ist jedoch auch deutlich unter 30 – ein gutes Zeichen, zeigt das doch, dass die Band nicht auf ihre alteingesessenen Fans limitiert ist, sondern mit ihrem Schaffen stetig neue dazugewinnt. Und das zu Recht, ist doch „MMXII“ ein absolutes Highlight in der umfangreichen Diskographie der Post-Punker.
Los geht es jedoch mit dem Klassiker „Requiem“ vom selbstbetitelten Debüt-Album, welcher spätestens in der Cover-Version der Foo Fighters Weltruhm erlangte.


In einen Army-Overall gekleidet marschiert Fronter Jaz Coleman auf die Bühne – und von der ersten Minute an ist sie da – die Atmosphäre, die nur die ganz großen Konzerte entfachen können: Ohne, dass die Band sonderlich viel tun würde, außer dastehen und ihre Musik präsentieren, gelingt es KILLING JOKE das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Egal, aus welcher Schaffensperiode, das Material verfehlt seine Wirkung nicht, und während der Großteil des Publikums wie in Trance der Musik verfallen wirkt, entwickelt sich sogar ein kleiner Moshpit – hier kann jeder nach seiner Façon glücklich werden.
Ansagen gibt es erwartungsgemäß keine, und das ist auch gut so, gäbe es doch schlicht und ergreifend nichts zu sagen, was der Show mehr Ausdruckskraft zu verleihen in der Lage wäre.
Objektiv betrachtet müsste man nun wohl anmerken, dass das Material von KILLING JOKE im Livebetrieb mitunter zu Monotonie neigt, da viele der Facetten, die die Songs auf dem Album aufweisen, im rhythmischen Stampfen der Bässe untergehen, und so auch die Show die ein oder andere Länge aufweist – doch derartig rationale Objektivität wäre an dieser Stelle schlicht fehl am Platz, leidet die Gesamtatmosphäre darunter doch genauso wenig wie die Kurzweiligkeit des Abends.
So hält der Blick auf die Uhr, als KILLING JOKE ihr Set mit dem Hit „Pandemonium“ beendet haben, tatsächlich eine kleine Überraschung bereit – selten nämlich kamen mir gute anderthalb Stunden so kurz vor wie am heutigen Abend.

Das wirklich Faszinierende an Bands des Formats wie der, die man hier und heute erleben durfte, ist nicht die Musik selbst – viel eher ist es die Einstellung, die hinter der Musik steht: Unmotivierte Shows, lieblos heruntergerissen und so kurz als möglich beziehungsweise gerade mal so lang als nötig gehalten, wird man von diesem Musiker-Schlag nicht erleben – und das, obwohl sich hier und heute wohl auch niemand beschwert hätte, wären die Herrschaften nach einer guten Stunde von der Bühne gegangen. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich die Band auf einem der verbliebenen drei Deutschland-Termine definitiv anschauen – wer nicht, muss aber auch nicht all zu traurig sein… denn so motiviert, wie sich KILLING JOKE hier präsentiert haben, dürfte diese Tour nicht die letzte gewesen sein – trotz 34 Jahren Bandgeschichte auf dem Buckel.

Setlist KILLING JOKE:
01. Requiem
02. European Superstate
03. Sun Goes Down
04. Rapture
05. Fema Camp
06. Pole Shift
07. Chop Chop
08. Change
09. Bloodsport
10. Primobile
11. Asteroid
12. Great Cull
13. Corporate Elect
14. The Wait
15. Psyche
16. Wardance
17. Pandemonium


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