Interview mit Laura Fella von Faun

In unserer Serie „Frauen im Folk“ spricht LAURA FELLA von Faun über Ihr Dasein als Musikerin und Mensch, wo Grenzen zwischen ihrem Beruf und Privatleben verschwimmen und wo sie selbst ihre zieht.

Hallo Laura! Willkommen bei „Frauen im Folk“. Wer oder was ist das erste, das dir zu diesem Thema einfällt?
Hey! Schön, dass ich Teil hiervon sein darf! 
Mir kommt hierbei vor allem eines in den Sinn – ich bin wahnsinnig stolz, eine „Frau im Folk“ zu sein und viele inspirierende Frauen meine Kolleginnen nennen zu dürfen. 
Eine meiner Lieblingssängerinnen, die mitunter ausschlaggebend für meine Liebe für Gesang war (und ist), ist selbst im Folk zuhause – Emma Härdelin von Garmarna.

Du bist vor einiger Zeit als neue Sängerin bei Faun eingestiegen. Wie geht es dir inzwischen mit dieser Entscheidung und deinem musikalischen Werdegang?
Mein Einstieg war ja tatsächlich mehr als spontan – ich bin knapp 2 Wochen vor dem Start der „Midgard“-Tour aufgesprungen, mitten im Umzug von der Schweiz nach Deutschland, ohne auch nur einen Song zu kennen. Wenn ich jetzt zurückblicke, kommt mir das eher surreal vor, und ich denke, ich bin wohl ein bisschen verrückt, aber ich könnte echt nicht glücklicher sein! 
Wir haben ein tolles Bandklima und unendlich viel Spaß zusammen. Umgeben von solch talentierten und souveränen Musikern, wie nun mal die anderen Faune sind, ist das natürlich ein großer persönlicher Ansporn, sich selbst auch weiterzuentwickeln, immer einen Schritt vorwärts zu gehen.
 Ich bin nicht der Typ Mensch, der sich mit dem Ist-Stand zufriedengeben möchte, wenn noch mehr zu holen ist.

Bei Faun gab es in den letzten Jahren einige Wechsel bei der zweiten Sängerin neben Fiona. Das heißt die Fans haben bereits viele unterschiedliche Persönlichkeiten und Gesangsstile erlebt. Was hast du Neues bzw. Anderes in die Band eingebracht, das es so zuvor vielleicht nicht gab?
Das ist etwas, was ich gerne anderen zum urteilen offen lassen würde.
 Ich war noch nie gut darin, mich selbst objektiv zu beurteilen und möchte das jetzt nicht versuchen. 
Klar könnte ich jetzt über verschiedene Gesangsstile und -techniken schwadronieren, aber da kenne ich den Background aller ehemaligen Sängerinnen viel zu wenig.
 Ich habe zumindest eine kleine Mutmaßung: Alle bisherigen Sängerinnen hatten ihre Wurzeln in der (Folk-)Szene. Zumindest zum größten Teil. 
Das habe ich ganz klar nicht. Ich sehe einen Teil meiner musikalischen Wurzeln im Folk, aber der andere und größere Teil nährt sich definitiv von Rock und progressiverer Musik.
 Vielleicht habe ich also eine dunklere Seite als die bisherigen Sängerinnen.

Scheust du Vergleiche und bist du selbstbewusst genug, um zu sagen, dass du es stimmlich mit all deinen Vorgängerinnen aufnehmen kannst?
Das ist ein Thema, bei dem ich relativ leidenschaftlich bin.
 Vergleiche haben meiner Meinung nach nichts mit dem Selbstbewusstsein von z.B. mir zu tun, sondern vielmehr mit dem Wunsch anderer Menschen, alles und jeden kategorisieren zu müssen. Ich möchte nicht verglichen werden, ganz klar – weil es mich gegebenenfalls unter Druck setzen wird, ein bisschen mehr sein zu müssen als jemand anderes. Nicht zu genügen. Dabei bin ich selbst meine größte Kritikerin!
 Gesang, Musik, Kunst im Allgemeinen haben sehr viel mit persönlichen Geschmack und Stil zu tun und keine Stimme ist wie die andere. Kein menschlicher Körper ist wie der andere.
 Ich würde nie die Kunst von Da Vinci mit der von Picasso vergleichen – aber sie waren doch beide Maler!? Ich, für mich, kann sagen, dass ich den größten Respekt vor den musikalischen Kompetenzen all meiner Vorgängerinnen habe. Aber ich habe sie nie miteinander verglichen. Ob Lisa, Sandra, Rairda, Sonja oder Katja – alle sind einfach wundervolle Sängerinnen. Punkt.

(c) Jens Wessel

Wie hast du die ersten Reaktionen, z.B. von Fans, befreundeten Bands oder auch Medien, wahrgenommen?
Die Reaktion der Fans von Faun war einfach atemberaubend – ich habe super viele liebe Nachrichten und Kommentare bekommen und mich sofort willkommen gefühlt. Auch befreundete Bands haben sich sehr gefreut, mich bei Faun und in der Szene zu begrüßen. Ich denke da gleich an Versengold, aber natürlich auch an Eluveitie und ein paar andere. Ich wurde wirklich super herzlich aufgenommen und fühle mich seitdem zuhause!

Was war für dich die größte Herausforderung bei Faun in den ersten 100 Tagen?
Ein passendes Bühnenoutfit. Das hatte ich dann im Mai parat.

„Feuer“ ist gefühlt der erste Faun-Song, der auf deine stimmlichen Qualitäten zugeschnitten ist. Derzeit arbeitet ihr an eurem neuen Album. Was dürfen sich die Fans von Laura Fella bei Faun noch erwarten?
Ich freue mich so unendlich auf den Release unseres neuen Albums! 
 Ich würde sagen, man darf auf jeden Fall 100% Faun erwarten. Ich bin hier Teil einer Band und keine Solo-Künstlerin und habe versucht, meine Stimme 100% authentisch in die einzelnen Songs einfließen zu lassen. 
Wir hatten – und haben immer noch – einen tollen gemeinschaftlichen Songwriting-Prozess und ich habe vieles an Material mittlerweile schon echt oft gehört, bekomme aber immer noch Gänsehaut – das ist für mich eh die wichtigste Maßeinheit, was Musik angeht. Ich möchte nicht zu viel vorweg nehmen und schon gar nichts verraten, aber ich würde sagen, es wird vor allem facettenreich. Und sehr, sehr mystisch. Auch meinerseits.

Neben Faun bist du in den letzten Jahren auch als Gastsängerin bei Eluveitie zu sehen gewesen, die im Vergleich zu Faun mehr im Folk Metal als im Pagan verankert sind. Worin unterscheiden sich die beiden Bands für dich in deiner Rolle auf der Bühne und abseits davon?
Als Gastsängerin bei Eluveitie war ich eben jenes – ein Gast. Fabienne (die die Nachfolge von Anna Murphy als feste Sängerin von Eluveitie angetreten hat) und ich kennen und verstehen uns super gut und ich weiß deshalb, dass sich unsere Rollen auf der Bühne bei den jeweiligen Bands nicht wirklich unterscheiden. Als Rolle sehe ich hier einen professionellen und leidenschaftlichen Auftritt hinzulegen, der es in sich hat und gleichzeitig ehrlich ist. Die Unterschiede der Rollen abseits der Bühne kann ich nicht wirklich beurteilen, da es ehrlich gesagt echt nicht wichtig ist.

Neben Faun arbeitest du zusammen mit Rafael Salzmann von Eluveitie an deinem eigenen Projekt. Dürfen wir hier bereits mehr erfahren?
Ja, wir arbeiten bereits länger daran, mussten aber aufgrund kollidierender Zeitpläne unserer Bands immer wieder in kleinsten Schritten arbeiten. Steter Tropfen höhlt den Stein. Oder das Loch in die CD. Grundsätzlich haben wir hier eine klassische Besetzung – also Vocals, Guitar, Bass & Drums – allerdings haben wir einen ganz eigenen Sound kreiert.
 Verträumter, düsterer Rock, manchmal vielleicht auch nicht allzu düster, immer tiefgründig und immer mit einer Prise Drama in mindestens einem der Elemente. Ich hoffe, dass wir schon bald Musik mit euch teilen können! Ich freue mich wahnsinnig! Musik, die von Lesern noch nie gehört wurde, zu beschreiben ist echt schwer. Wie macht ihr das?

Im Folk bist du ein noch vergleichsweise neues Gesicht. Was hast du musikalisch davor unternommen und was waren deine ersten Berührungspunkte mit Flöten, Lauten und Dudelsäcken?
Ich war davor tatsächlich eher im Bereich Rock/Metal usw. unterwegs, wenn ich auch immer nebenbei Folk gehört und gesungen habe, seitdem ich 16 war oder so. Ich bin also nicht erst mit Faun in dieses Genre gerutscht. Mein erster Berührungspunkt mit Banjo und Dudelsäcken war mit 15 auf einem Dropkick Murphys Konzert.

Wer hat dich stimmlich ausgebildet und wie pflegst du dein Organ, besonders im hektischen Tourstress?
Viele verschiedene Gesangslehrer, Workshops, Zeit, Lektüre und sehr viel üben. Ich versuche – sowohl auf Tour als auch daheim – täglich spazieren zu gehen, zu laufen oder (im Sommer) schwimmen zu gehen. Bewegung an der frischen Luft, vor allem im Nebel und in der Früh, ist wirklich wichtig um trockene Luft auszugleichen. Ansonsten – viel Wasser, Gesangs-Übungen, Ingwer, Emser-Salz und das wichtigste: sich selbst nicht stressen. Singen ist meiner Meinung nach im besten Falle nicht kopfgesteuert, ergo sollte man sich wirklich nicht zu viel Stress machen – verspannt singt sich nicht gut. Das habe ich auch erst selbst lernen müssen und scheitere immer noch manchmal daran.

Du lebst vegan. Wie schwierig ist es, diesem Lebensstil gerade auf internationalen Tourneen treu zu bleiben, wenn Fleisch beispielsweise in Südamerika zu einem normalen Essen gehört? Erlaubt du dir auch „Cheat Days“?
Naja, in Brasilien war es wirklich relativ schwer, nur Pommes und Reis sind dann doch recht eintönig. Ansonsten finde ich es super easy! Bei Faun sind auch einige Vegetarier, was das ganze natürlich noch einfacher macht. „Cheat Days erlauben“ müsste ich mir nur, wenn es nicht meiner Überzeugung entspräche, mich vegan zu ernähren – was es aber tut. Es ist keinerlei Zwang dahinter und ich verbiete mir nichts, vielmehr will ich etwas nicht. Ergo, nein. 
 Aber ich habe ja auch das unfassbar große Glück, nie Hunger leiden zu müssen.

Dein Körper ist mit vielen Tattoos geschmückt. Wann hast du dich dazu entschieden, deinen Körper zu verzieren?
 Was war dein erstes und was ist dein dir persönlich wichtigstes Motiv?
Ich habe mir mein erstes Tattoo mit 20 stechen lassen. Da hatte ich endlich ein bisschen Geld dafür übrig. 
Meine Oma ist gebürtige Ungarin, ich bin zumindest ein bisschen mit dieser Kultur großgeworden und hatte schon immer einen Faible für traditionelle ungarische Ornamentik. 
Mein erstes Tattoo sind tatsächlich zwei – eine Rose und eine Lilie in eben jener ungarischen Ornamentik an meinen Handgelenken.
 Ich könnte wirklich nicht sagen, welches Motiv mir das wichtigste von allen ist, da jedes meiner Tattoos entweder mit den wichtigsten Menschen in meinem Leben verknüpft ist, oder aber mit Geheimnissen, die mir viel bedeuten und die deshalb nie jemand anderes kennen wird als ich.

Hattest du bereits zu Beginn eine Vorstellung davon, wie deine Haut am Ende aussehen soll oder hat sich das im Laufe der Zeit ergeben?
Ja und nein. Mir war von Anfang an wichtig, dass die Tattoos optisch zusammenpassen müssen und mir persönlich würden Stilbrüche (von Old-School auf Watercolor usw.) auf meiner Haut nicht gefallen. Deshalb war der Weg schon in gewisser Weise abgesteckt. Aber vor meinem ersten Tattoo wusste ich nur eines: Auf keinen Fall sollte ich so viele haben, wie ich im Endeffekt jetzt besitze. 
Es macht wirklich süchtig. Und ich finde, je mehr du tätowiert bist, desto schlimmer werden die Schmerzen von Session zu Session. Kein Scheiß.

Interessierst du dich noch für andere Formen von (Körper-)Kunst?
Ehrlich gesagt interessieren mich Tattoos nur in meinem sehr persönlichen Rahmen. Und bei Freunden und Bekannten. Ich würde jetzt nicht auf eine Messe gehen oder so. Also, nein. Aber vielleicht fehlt mir auch einfach nur die Zeit. Und hätte ich mehr Zeit, würde ich ich definitiv viel mehr mit Fotografieren auseinandersetzen statt mit Körperkunst!

Beschäftigen sich Frauen in Bands mit anderen Themen als Männer und liegt darin so etwas wie Konfliktpotential?
Bei Faun tendenziell eher mit Weiß- als mit Rotwein, was für den Bandfrieden eher förderlich ist.

Wie sehr trägt deine Optik zu deinem Wiedererkennungswert bei? Fühlst du dich manchmal reduziert oder unterschätzt bzw. nicht genug anerkannt für deine Musik im Vergleich zu deinem Äußeren oder auch männlichen Kollegen?
Naja, ich hoffe doch sehr! Klar ist meine Optik Teil meines künstlerischen Ausdrucks und da ich nun mal auf einer Bühne stehe, möchte ich das natürlich am liebsten im absoluten Wohlbefinden, weshalb ich wiederum das anziehe, trage und mich schminke, wie ich mich zur Show am wohlsten fühle. Einen optischen Wiedererkennungswert macht sich doch so gut wie jede Band auf diesem Planeten zueigen – Rammstein, Ghost, Beyoncé, Prince, usw. 
 Als Künstler ist es einfach eine weitere Möglichkeit, eine Botschaft nach außen zu tragen – für mich jedenfalls! Ergo mache ich mir eigentlich nicht wirklich Gedanken, ob ich auf mein Aussehen reduziert werde, da ich selbst weder andere Menschen auf ihr Aussehen reduziere, noch die Optik eine wichtigere Stellung hat als die Musik. (sollte es dennoch so sein – nicht mein Problem)

Wie ist es für dich, mit männlichen Kollegen eine Umkleide oder ein Backstage zu teilen und weniger vertrauten Menschen mehr zu offenbaren, als sie vielleicht auf Anhieb wissen oder sehen sollen?
Äh, ich denke man sollte wissen, dass in unserem Kollegium eine andere Stimmung herrscht als z.B. in einem Büro. Ich meine, auf Tour fühlt es sich manchmal so an, als würdest du mit diesen Menschen zusammenleben! Abgesehen davon sind wir alle Meister der Diskretion und wenn jemand etwas nicht sehen oder wissen darf, gibt es Wege das zu vermeiden …

Wie sehr beschäftigen dich Themen wie Gleichberechtigung, Rollenbilder, Vorurteile und „Sex sells“ als Stigmata für ein weibliches Bandmitglied?
Tatsächlich gar nicht so – bei Faun und bei allen anderen Bands und Projekten musste ich mir nie Gedanken um Gleichberechtigung machen, da ich immer gleichberechtigt war. In der Musik war das nie ein Thema für mich. Ganz im Gegenteil, oft habe ich es als Vorteil empfunden, Frau zu sein.“Sex sells“ kann für Männer genauso ein Thema sein, wie für Frauen. Siehe Led Zeppelin. Ich bin aber auch kein 18-jähriges Pop-Sternchen, das jetzt verkauft wird, sondern in einer ganz anderen Position und Szene. Was für mich wirklich gar keine Rolle spielt, sind Geschlechterrollen – ein Mensch ist für mich nicht erstmal Mann oder Frau, sondern Mensch. Deshalb mache ich mir da gar nicht ständig so viele Gedanken.

(c) Sigi Maier

Wann und wie hast du zuletzt deine weiblichen Reize erfolgreich eingesetzt?
Ich glaube, die Definition „weiblicher Reize“ ist im 21. Jahrhundert kein allgemeingültiger Begriff mehr, die Auslegung ist heute wahrscheinlich eher subjektiv. Ich habe gerade im Duden nachgeschaut, da kommt als drittes Wort „Busen“, als zweites „Charme“. Ich persönlich würde ganz andere Attribute an Frauen als „weiblichen Reiz“ ansehen. Humor zum Beispiel. Oder Intelligenz. Beides versuche ich jeden Tag einzusetzen.

Viele deiner Kolleginnen haben uns von dreisten Fans berichtet, die z.B. unter den Rock fotografiert haben oder zu aufdringlich geworden sind. Ist dir ähnliches passiert und wenn ja, wie bist du damit umgegangen bzw. wie hast du das für dich verarbeitet?
Wow, sowas zu hören macht mich sehr wütend. Nein, so etwas Krasses ist mir bisher nicht passiert, allerdings kenne ich es schon, wenn Fans etwas zu anhänglich sind. Das ist natürlich super unangenehm – meistens hilft es eine klare Ansage zu machen, aber ich musste auch schon ein paar Mal von Kilian, unserem Tourmanager, „gerettet“ werden. Leider ist das oft Alltag – darüber reden hilft, aber wie gesagt mir ist noch nichts Schlimmeres passiert und ich habe immer jemanden um mich rum, der mir helfen könnte, wenn ich mir nicht mehr selbst helfen kann (was ziemlich unwahrscheinlich ist).
 Fiona und ich versuchen auch immer ein Auge auf die jeweils andere zu haben und aufzupassen.

Hast du weibliche Vorbilder, die so wahrgenommen werden wie du es dir für dich selbst wünschst?
Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Ich versuche wirklich meinen ganz eigenen Weg zu gehen und lasse mich zwar gerne inspirieren, aber hatte noch nie wirklich Vorbilder.

Wie gelingt es dir, dein Leben als Musikerin, als Privatperson und auch als Familienmensch unter einen Hut zu bringen, wenn du so viel unterwegs bist?
Ich habe das große Glück, sehr verständnisvolle Freunde und Familie zu haben, die mich nicht nur unterstützen sondern sich auch sehr für mich freuen und Zeit haben, wenn ich Zeit habe und da bin. Da versuchen wir so viel Zeit zu verbringen, wie es geht. Wir leben zwar im Zeitalter des Internet aber dauernd hin und her zu schreiben stresst mich oft, weshalb ich das auf Tour nicht wirklich gut hinbekomme.

(c) Janina Stein

Du bist bei Instagram sehr aktiv, postest viele Bilder und antwortest in Storys oft auch auf Fragen deiner Follower. Wieviele Nachrichten von Fans erhältst du im Schnitt pro Woche und beantwortest du alle persönlich?
Naja, das ist jetzt aber schon eher übertrieben. „Sehr aktiv“ bedeutet in meinem Fall sporadisches Posten. Ich versuche alle Nachrichten mit textlichem Inhalt zu beantworten, und das mache ich natürlich persönlich! Ohne Ausnahme. Keine Ahnung, wieviele das im Schnitt sind – ich hab noch nie mitgezählt, muss hier also schätzen: zwischen zwei und einer Million vermutlich.

Kannst du noch in Ruhe privat ein Konzert oder einen Markt besuchen bzw. willst du das überhaupt oder ist es ok für dich, wenn Fans auch in deiner Freizeit den direkten Kontakt zu dir suchen?
Ja, voll! Also, entweder ich werde nicht erkannt – was am wahrscheinlichsten ist – oder, wie schon immer in meinem Leben, viele trauen sich nicht, mich anzusprechen, weil ich ein „resting bitch face“ habe.
 Aber ich genieße es sehr, noch in Ruhe ein Konzert sehen zu können oder einen Markt zu besuchen.


Wo ziehst du die Grenze zwischen deinem Bühnen- und Privatleben?
Das ist eine gute Frage. Ich habe hier keine klare und festgesteckte Grenze, da Musik natürlich ein ganz großer Teil meines Lebens ist und mich auch in meinem Privatleben sehr beschäftigt. Ich bin als Musikerin selbstständig und somit habe ich kaum noch Freizeit oder Hobbys, was voll okay ist, da mich die Musik sehr erfüllt. Was mir aber wichtig ist: Familie und enge Freunde sollten privat sein und unbedingt bleiben. Ich habe es auch nicht so gerne, wenn mich Menschen, die mir nahestehen, auf Shows besuchen – die meisten Musiker kennen das. Plötzlich fühlt man sich gar nicht mehr sicher. 
Ein ehemaliger Gesangslehrer von mir hat mir einmal gesagt, ich dürfe nie vergessen, dass ich auf der Bühne „in the zone“ bin. Nichts dürfe dort hinein. Allerdings ist ganz oft was in dieser Zone, genau wie ganz oft Musik in meinem Leben auch außerhalb dieser Zone stattfindet. Die Grenze ist also wohl zum Verschwimmen da.

Mit welchen Musikern würdest du gerne einmal zusammenarbeiten? Und was würdet ihr vertonen?
Ehrlich gesagt arbeite ich bereits mit den Musikern zusammen, mit denen ich gerne einmal zusammenarbeiten würde. Neben Faun und dem Projekt mit Rafi von Eluveitie habe ich noch ein weiteres Projekt in den Startlöchern! Und ihr dürft euch – hoffentlich – bald selbst ein Bild machen, was wir vertonen. Wenn ich aber einen utopischen Wunsch frei hätte: Frank Sinatra. Der Song würde uns eh geschrieben werden, wir hätten da gar kein Mitspracherecht.

(c) Sigi Maier

Vielen Dank für deine Zeit und Antworten. Zum Abschluss noch ein paar Stichworte für ein freies Assoziieren. Was fällt dir als erstes zu den folgenden Begriffen ein?
#metoo – das Ende des Patriarchats
Fashion Victim – denkt hin und wieder lieber an slow fashion und die Meere!
Caipirinha – Faun
München – Hassliebe
Dirty Glass – gehört gespült

Die letzten Worte sind deine …
Wow, so schnell können drei Stunden vergehen. Vielen Dank für die interessanten Fragen mit größtenteils Tiefgang! Außerdem danke an euch alle: Ihr, die ihr euch die Zeit nehmt, Interviews zu lesen, Musik zu hören, Konzerte zu sehen, zu philosophieren, zu lieben und zu irren! Ich freue mich, euch zu sehen oder von euch zu lesen!
 Alles Liebe!

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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