Interview mit Peter Tägtgren von Pain

Zum neuen PAIN-Release „Psalms Of Extinction“ konnten wir mit Metal-Multitalent Peter Tägtgren, Mastermind bei PAIN und Hypocrisy, über das Album, seine Arbeitsweisen und Gesangstechniken plaudern.

Anfang Mai erscheint das neue PAIN-Album „Psalms Of Extinction“. Welche Reaktionen erwartest du?
Ich weiß es gar nicht. Man hofft natürlich immer auf die besten Reaktionen. Ich war bereits hier und da zur Promotion unterwegs und alle sagen eigentlich, dass es das bisher beste PAIN-Album ist, von daher sind die Reaktionen bisher fantastisch.

Wie würdest du PAINs musikalische Ausrichtung eigentlich beschreiben? Oftmals wird es als Industrial Metal bezeichnet, aber ich denke, dafür gibt es zu viele poppige Elemente.
Ich denke, es ist einfach ein Mix aus verschiedenen Einflüssen, die ich im Kopf herumschwirren habe. Ich versuche nicht, einem gewissen Musikstil nachzugehen, eher schreibe ich einfach die Songs und da ist kein Plan hinter. Am Keyboard sammele ich die Melodien, die ich dann später an der Gitarre einspiele. Da kommt dann zum einen ein industrieller Einschlag heraus, zum anderen ein bisschen in der Art von Techno oder Trance oder was auch immer. Es ist wirklich ein kleines Puzzle für mich, jeden einzelnen Song zu kreieren.

Gibt es dann einen hauptsächlichen Einfluss in PAINs Musik?
Nein, nicht wirklich. Es gibt einfach viele verschiedene Einflüsse.

Sind die Texte Fiktion oder stehen da ein persönliche Belange hinter?
Generell steht hinter den Texten schon in gewisser Weise meine Ansicht zu verschiedenen Themen, dennoch sind viele Lyrics einfach Fiktion, andere hingegen sind meine Ansicht. Im Endeffekt sitze ich an den Texten und löse damit meinen Ärger, oder einfach meine Gefühle los.

Und wie lange dauerte der Prozess vom Schreiben bis Aufnehmen?
Zwei Jahre.

Also ging es nach den „Dancing With The Dead“-Aufnahme gleich weiter?
Ja, eigentlich schon, außer, dass es  von diversen Tourneen unterbrochen wurde. Oftmals war es dann so, dass wir getourt sind, im Studio habe ich wieder ein bisschen weiter gearbeitet, dann wieder auf Tour und so weiter. Also es ist nicht so, dass es jetzt zwei Jahre lang ein 24-Stunden-Job war.

Wie würdest du die Unterschiede zwischen der neuen Scheibe und der Vorgängerscheibe umschreiben?
Das neue Album ist schon dynamischer und hat etwas mehr Luft. Es ist nicht mehr, dass einem permanent die Gitarre um die Ohren gezogen wird. Dann sind die Songs alle noch unterschiedlich voneinander, es gibt schnellere Stücke, aber auch langsame, dramatischere Lieder. An sich sind  es typische PAIN-Songs, aber etwas breiter gefächert. Es ist natürlich immer typisch PAIN, aber beispielweise auch die Vocals sind etwas vielfältiger. Teils singe ich recht soft, teils aber auch recht screamy. Ich wollte es in erster Linie für mich interessant gestalten.

Warum sind ausgerechnet „Nailed To The Ground“ und vor allem „Zombie Slam“ die beiden Promotion-Songs? Letzterer hat einen ziemlichen 69 Eyes-Vibe, wie mir auffällt.
Hm, ich weiß nicht so recht. Genau so habe ich ja schon auf dem „Rebirth“-Album ein paar Songs eingesungen. Danach habe ich irgendwie einfach vergessen, in dieser Art zu singen. Letztendlich habe ich wieder so gesungen, weil ich einfach ein wenig Vielfältigkeit haben wollte und nicht immer nur ein und dieselbe Gesangsart. Es immer gut, wenn man ein bisschen Abwechslung reinbringt und gerade dieser Song ist recht rocky. Rock’n’Roll. Diese Art zu Singen verleiht dem ganzen auch gleich eine ganz andere Atmosphäre. Natürlich ist es PAIN, aber eben mit einem deutlichen Rock’n’Roll Einschlag. Ich wollte ein wenig Mötley Crüe einbringen.

Hast du einen Lieblingstrack?
Definitiv der Titeltrack. Es dauerte auch am längsten, ihn einzuspielen und es war am schwierigsten die ganze Violence und die verschiedenen Melodien vor einander zu bringen. Dieser Song war ein großes Puzzle, hehe. Doch, mit diesem Song bin ich sehr zufrieden. Die Message im Text, der Groove und die Melodien.

Was bewegte dich dazu, vor dem Album bei Roadrunner zu unterschreiben? Ich könnte mir vorstellen, dass auch Century Media gut gepasst hätte und Interesse hatte.
Ich weiß jetzt nicht genau, wer alles Interesse hatte, aber bei Roadrunner hätte ich schon 2000 unterschreiben sollen (lacht). Immerhin ist es ein Majorlabel. In Skandinavien ist PAIN sogar recht erfolgreich durch die Arbeit von Universal, aber außerhalb lief es „totally scheißä“ (O-Ton). Ich hatte da überhaupt keine Priorität und zudem ein schlechtes Management. Jetzt gibt es einen Neuanfang mit neuem Label, neuem Management und neuer Booking Agentur, das sieht alles recht gut aus.

Meinst du, Roadrunner verhilft PAIN zum großen Durchbruch?
Ich glaube schon. Wie schon erwähnt, ist das Team völlig neu und da wird es dann bestimmt einen Schritt weiter gehen.

Was ich mal erwähnen wollte: Ich finde, dass „Same Old Song“ vom Vorgängeralbum der verdammt beste Song ist, den du jemals aufgenommen hast. Er passt wirklich zu jeder erdenklichen Stimmungslage und zudem konnte ich damit eigentlich mein ganzes Umfeld infizieren. Jeder liebt „Same Old Song“.
Oh, mir gefällt der Song auch sehr, sehr gut. Er beschreibt, wie die Musikindustrie tickt und wie die Menschen selbst denken. Es ist immer das gleiche alte Lied. Der Song ist groovy, hat eine tolle Melodie und ja, ich bin wirklich zufrieden mit diesem Song.

Siehst du entweder Hypocrisy oder PAIN als Hauptband oder gehst du mit einer derartigen Professionalität an die Sache heran, dass dein Hauptaugenmerk immer bei der Band liegt, mit der du gerade arbeitest?
So ist es. Jetzt ist erstmal PAIN dran, all meine Konzentration gilt diesem Projekt. Ich möchte mir gerne den Arsch abtouren und so viel wie möglich in Diensten von PAIN arbeiten. Und danach wird es auch schon Zeit für ein neues Hypocrisy-Album, nicht wahr?

Ich würde PAIN ja gerne in Wacken sehen, aber da ist wohl noch …
Nichts geplant. Das liegt einfach daran, dass das Album für die Festivalsaison etwas spät rauskommt. Die Festivals sind bereits overbooked. Zwar werden wir bei einigen Festivals sein, wie zum beispiel dem Full Force oder Summer Breeze, aber hauptsächlich werden wir im Anschluss Touren was das Zeug hält. Also da bin ich mir sicher, dass es möglich ist, uns zu sehen.

Ich würde gerne wissen, wie du am liebsten singst. Ist es eher das Growling, das Screaming oder cleanes melodisches Singen?
Huh, es ist sicherlich eine größere Herausforderung clean und melodisch zu singen. Beim Growling und so fühle ich mich auch sehr wohl, weil ich es einfach schon so lange mache und glaube, dass ich mich mit der Zeit auch verbessern konnte. Aber eigentlich sind die Dinge interessanter, die schwieriger sind. Man möchte dabei ja auch etwas lernen. Es ist eine schwierige Frage. Hängt auch damit zusammen, in welcher Stimmung und Verfassung ich gerade bin. Wenn es nicht so gut geht und man verärgert ist, ist mir das Screamen schon am liebsten. Also es hängt schon eigentlich von der Stimmung ab.

Welches aller deiner Aufnahmen ist dein Lieblingsalbum?
Aufnahmen mit PAIN?

Sagen wir PAIN und auch die andere Band …
Uh, ich mag das neue PAIN-Album sehr gerne, aber auch das letzte Album mit Hypocrisy, „Virus“. Es fühlt sich einfach so an, als wäre da ein permanenter Fortschritt.

Welche drei Alben hörst du zurzeit am liebsten?
Das ist hart. Ehrlich gesagt hatte ich zuletzt keine Zeit mir nur irgendwas anzuhören. Das neue Album nahm einfach so viel zeit in Anspruch. Die Aufnahmen, die Promotion-Tätigkeiten und so weiter. Es ist schon eine Zeit her, dass ich einfach rumsaß und relaxt habe (lacht).

Was bedeutet dir das Internet als Musiker und Produzent?
Es hat gute, aber auch schlechte Seiten. Schlecht ist es, wenn man keine Alben mehr verkaufen kann, weil sich jeder schon im Internet bedient hat. Dies hat zur Folge, dass die Plattenfirma kein Budget mehr zur Verfügung stellt, weitere Alben aufzunehmen. Wenn die Leute die Musik nicht kaufen, bekommt ja am Ende auch die Plattenfirma ihr Geld nicht wieder rein. Das Gute ist, dass man sich im Internet rasend schnell verbreiten kann und sich allein durch das Netz weltweit einen Namen machen kann, ohne überhaupt in jedem Land etwas veröffentlicht zu haben.

Liest du auch Onlinemagazine? Manche denken ja, das einzig Wahre seien nur Printmagazine.
Nein, nein, nein, das stimmt nicht. Ein paar Onlinemagazine lese ich auch. Aber im Großen und Ganzen bin ich jetzt nicht der Internet-Junkie.

Vielen Dank für dieses Interview! Der Abschluss gehört dir.
Ich bedanke mich für euren Support und hoffe sehr, dass den Fans das neue Album gefallen wird und man sich dann bei den Gigs darüber unterhalten kann! Vielen Dank!